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CS auch bei Evergrande vorne dabei

Die Credit Suisse-Aktie hats brutal erwischt. Seit Montag, als die Evergrande-Granate an den Märkten explodierte, schoss der Titel der Nummer 2 im geraden Sinkflug nach unten.

Gestern gabs leichte Entspannung. Trotzdem kostete bei Börsenschluss ein Anteil an der einst stolzen Bank weniger als 9 Franken. Eine Tragödie ohne Ende.

Fr. 8.94 – 2 Aktien, ein Kinoeintritt (Swissquote)

Umso wichtiger ist für die CS-Kapitäne, bei Evergrande nicht noch mehr in den Strudel zu geraten. Genau das aber scheint zu passieren. Die Bank war auch beim China-Immo-Tycoon ganz gross drin.

Wie bei Archegos mit 5 Milliarden eigenen Verlusten, wie bei Greensill mit 3 Milliarden Kundenverlusten, so jetzt auch bei Evergrande.

Dort war die CS Lead Managerin bei Anleihe-Emissionen. Das führte dazu, dass die Bank ihren reichen Kunden die Bonds des hoffnungslos überschuldeten Immo-Developers ins Depot legte.

Die Entwarnung von gestern von der CS-Brücke wirkt konstruiert. Die Direkt-Investments in die Bonds der Evergrande würden gerade mal 0,6 Prozent des ganzen Fondsvermögens ausmachen, so eine Mitteilung, verbreitet via News-Agenturen.

Schon das ist nicht so wenig, wie man meinen könnte. Es sind Bonds und nicht Aktien. Eine einzelne Position sollte bei einer Firma, die seit 10 Jahren zu reden gibt, niemals so hoch sei – ausser man betreibt explizit einen Junk-Bond-Fonds.

Davon ist bei der CS rund um das Evergrande-Vehikel keine Rede. Im Gegenteil, die Schweizer waren oft sogenannter Lead Manager bei den vielen Emissionen der Chinesen.

Es kommt noch besser.

Der chinesische Immobilienmarkt sei bei anderen „Emerging-Markets- und Asien-Anleihenfonds“ dabei, hiess es gestern in der Nachrichtenagentur mit Bezug zur Bank, die „entsprechenden Anteile am gesamten Fondsvermögen machten zwischen 0,2 und 28,8 Prozent aus“.

Fast ein Drittel? Gigantisch. Was kommt auf die Fonds-Kunden der CS zu?

Auskünfte gibts dazu keine. Auf der Investoren-Webseite der Credit Suisse findet sich nichts zur Mitteilung von gestern: keine Auflistung mit den Evergrande-Investments, keine Klarheit über die Ausfallrisiken und wer diese zu tragen hat.

Einzige Antwort, die vom Paradeplatz zu hören ist: Wir als Bank haben keine Risiken. „Die Credit Suisse ist kein bestehender Kreditgeber von Evergrande und die Bank hat kein direktes Kreditengagement gegenüber dem Unternehmen.“

Umso mehr die Kunden. Was für die CS kein Segen ist. Seit Greensill steht die Bank unter Dauerbeschuss. Sie versucht sich schadlos zu halten. Die Kunden hätten um die Risiken gewusst, so ihr Mantra.

Die Folge sind Riesenklagen, endlose Juristen-Schlachten – und ein Ruf-Schaden der Kingsize-Klasse.

Nun ist die CS auch bei Evergrande mitten drin. Platzt ein Skandal, die CS ist dabei – so die Erkenntnis. Darauf kann man inzwischen praktisch wetten.

Warum dem so ist, erstaunt nach allen Skandalen der letzten Zeit nicht mehr. Es ist das Risk Management, Stupid. Bei der CS muss man diesbezüglich fast schon von Inexistenz sprechen.

Das Wichtigste jeder Bank, nämlich die eigenen Risiken kontrollieren, überwachen, im Griff haben, ist bei der Credit Suisse ein Fremwort. Full Gambling statt fully controlled.

Antonio Horta-Osorio, der neue starke Mann zuoberst im Zürcher Headquarter, will das nun mit einer einfachen Botschaft ändern. Jeder Mitarbeiter müsse auch ein Risk-Manager sein.

Kaum gesagt, schon landet Hortas Bank im China-Desaster. Next Pleite? CS welcome.

Für die Eigentümer ein Desaster ohne Grenzen. Die CS-Aktie hat seit Montag mehr verloren als alle anderen Europa-Banken.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

September 23, 2021

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