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Kantönli-Geist beim Klima: Die Welt ist dem Untergang geweiht. In der Schweiz wird die Apokalypse von Kanton zu Kanton anders vo…

Hundert Jahre lang versorgte die «Meteorologische Zentralanstalt» (MZA) die Nation mit mehr oder minder soliden Wetterprognosen. 1979 wurde daraus die «Schweizerische Meteorologische Anstalt» (SMA), 1996 MeteoSchweiz. An den staubtrockenen Bulletins änderte sich nicht viel.

Doch 2006 wurde alles ganz anders. MeteoSchweiz avancierte zum «Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie». Die als unüberwindbar geltende Trennwand zwischen Wetter und Klima fiel schneller als die Berliner Mauer. Der Horizont explodierte von einer Woche auf ein Jahrhundert.

Für die Langzeit-Wahrsagung nach den Vorgaben des Weltklima-Rates wurde extra das «National Centre for Climate Services» (NCCS) eingerichtet.

Bei allen Anglizismen, der Swiss-Finish durfte nicht fehlen. Der NCCS kann nicht bloss den globalen Klimawandel bis aufs Zehntelgrad genau voraussagen. Er fertigt neuerdings auch massgeschneiderte Klima-Prognosen für jeden einzelnen Kanton an.

In den Kantonen ist derweil ein Heer von Bürokraten damit beschäftigt, auf tausenden von Seiten lokale Katastrophen-Szenarien nach den Rezepten des NCCS anzufertigen.

Die Weissagungen sind düster. Im Aargau dominiert die Angst vor Wasserknappheit (Was wäre wenn die Zufuhr von Aare, Rhein, Reuss und Limmat versiegt?). Die Bündner sorgen sich eher um ihre winterlichen Pisten (Schneekanonen sind im 50-Jahres-Plan nicht vorgesehen). In der Westschweiz dominieren die Ängste vor Hitzetagen (Wie wirkt sich das aus auf die Arbeitsmoral aus?).

Endzeitstimmung wohin das Auge reicht. Doch einen Lichtblick gibt es: Der Kantönligeist wird auch diesen Untergang überleben.

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AUTOR

Alex Baur

DATUM

November 17, 2021

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