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Die Schweiz ist ein Land für reife Leute: Das Nein zum Covid-Gesetz geht nicht gegen das Zertifikat – nur gegen die Pflicht

Das Corona-Zertifikat bescheinigt seinem Inhaber, dass er negativ getestet oder genesen oder geimpft ist.

Am 28. November stimmen wir darüber ab, ob die volle Teilhabe am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben nur mit dieser Bescheinigung möglich sein soll.

Wer die Änderung des Covid19-Gesetzes ablehnt, sagt nein zu dieser Zertifikatspflicht. Der Entscheid will gut abgewogen werden. Schaut man die Lage mit geprüftem demokratischem Blick an, so gibt es nur das Ja zu einer Zertifikatspflicht. Es lässt sich begründen.

Manche Menschen gehen nicht auf eigenen Beinen zielbewusst durchs Leben, sondern wollen wie satte Säuglinge weich gebettet ruhen und, umsorgt und gehegt, im Dämmerschlaf davon träumen, dass ein anderer die Sache für sie richtet.

Mit ihren rosigen Öhrlein nehmen sie, auch wenn sie wachen, nur verschwommene Laute auf, und fern von allem Buchstabieren verstehen sie das Kernwort eines freien Staates nicht, den Begriff Verantwortung.

Was tut man mit ihnen?

Man muss ihnen sagen, dass sie keine Kinder mehr sind, dass es Zeit ist, aufzustehen und die Schlaraffen-Träume abzuschütteln und an die Gemeinschaft zu denken. In dieses Denken hinein spricht der Chef des Zürcher Amtes für Gesundheit, der in einem Gespräch mit dem ZDF meinte: «Im Grunde genommen ist in einer Pandemie eine gutmütige Diktatur eine gute Art und Weise, die Pandemie zu bewältigen, weil manchmal braucht es auch zentralistische Entscheide, die umgesetzt werden.»

Im ungeschickten, gewiss nicht bösartigen Votum klingt die alte Sehnsucht nach dem starken Menschen auf, der einen in Zeiten der Not wirksam und selbstlos leitet.

Nun gehört es zum Wesen eines Diktators, dass er sich und seine Ziele für gut hält. Adolf Hitler sagte kurz vor seinem Untergang, als er sich auf einer Lagebesprechung vorwarf, seine Entscheide nicht straff genug durchgesetzt zu haben: «Man bereut es hinterher, dass man so gut ist.»

Für dieses Selbstbild hätte er sich auf seinen Propaganda-Minister Joseph Goebbels berufen können, der im Tagebuch seinen Chef rühmte: «Sein Wesen ist von einer ausserordentlichen Güte gekennzeichnet

Ist damit das Wesen dieses Tyrannen bewiesen? Wer entscheidet, ob Exekutive und Verwaltung auf dem richtigen Weg sind?

In einer offenen Gesellschaft unterliegt jede staatliche Massnahme dem Urteil der Bürger; ihnen schulden die Amtsinhaber Rechenschaft, weil sie ihr Amt letztlich von ihnen erhalten haben.

Ein Basler Professor, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene, rief den Lesern der Weltwoche zu: «Bitte lassen Sie sich impfen!» (Weltwoche 43/21) Er begründete den Aufruf wesentlich mit seinem Titel und seinem weissen Berufsmantel, in dem er abgebildet war.

Die Universität Basel war einst berühmt für ihre Theologie, aus der Vergangenheit strahlt der Name Karl Barth. Heute ist es offenbar die medizinische Fakultät, die Glauben verlangt.

Der Patient aber darf eine persönliche Ansprache verlangen; der Arzt, der ihn kennt, rät ihm zu einer Therapie oder rät ab.

Wenn wir aus der Geschichte wissen, dass Planwirtschaft noch nie erfolgreich war, wieso soll sie jetzt bei der Gesundheit helfen: mit flächendeckenden Tests und Impfungen?

Und wenn der Glaube fehlt, so hilft der Staat mit Zwang nach. «Die Schweiz», sagt Divisionär Bosshart in Meinrad Inglins «Schweizerspiegel», «ist ein Land für reife Leute». Wer die Verantwortung fürs Ganze mitträgt, kann sie auch für sich selber tragen. Das Nein zur Änderung des Covid-Gesetzes geht nicht gegen das Zertifikat, nur gegen die Pflicht. Wer eines braucht, vielleicht für eine Auslandsreise, lässt sich eines ausstellen. Auch eine Impfung soll niemandem verboten sein, aber befohlen werden darf sie nicht.

Wir brauchen allerdings ein verpflichtendes Zertifikat, das uns erlaubt, am Leben der Gesellschaft teilzunehmen und unseren Staat mitzugestalten. Wer stellt es aus? Der gesunde Menschenverstand. Wer prüft es? Wir selber im offenen Gespräch mit allen, das von keinem Amt überwacht und gelenkt wird. Was steht in diesem Zertifikat? Ein Satz: «Ich bin nicht unmündig.»

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AUTOR

Stefan Stirnemann

DATUM

November 19, 2021

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