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2G für Arbeit, Orgie an Xmas

Die Pandemie der Ungeimpften wird zur Pandemie der Ignoranten. Ins Büro kommen nur noch Zertifizierte, es gilt Abstand, falls nötig Maske.

An den Weihnachts-Parties aber soll’s krachen. Null Vorsicht, alle aufeinander – Ischgl in Zürich.

So geplant von einem UBS-Bereich für den 9. Dezember. Im Aura in Zürich, einem bekannten Fest-Lokal, wo die Bässe wummern und die Menschen sich ins Ohr schreien, soll ein Jahr der XXL-Klasse gefeiert werden.

Gewinne hoch, Boni durch die Decke – We are the Champions.

Aber nöd s’nöch, gäll (Aura)

Die Widersprüchlichkeit ist frappant. Sie stammt vom Irrglauben, die Impfung schütze vor Ansteckung und Weitergabe. Was sie macht: Sie verhindert schwere Verläufe.

Wie lange? Bei wem nicht? Man weiss eines bestimmt: Es waren noch nie so viele Menschen in so kurzer Zeit geimpft, trotzdem ist die Krisenstimmung so dramatisch wie noch nie.

Der Booster allein kann die Epidemie nicht stoppen, sagt heute der oberste Impfverantwortliche der Schweiz in der NZZ. Es brauche diesen für die „Vulnerablen“, zudem sei eine „möglichst hohe Durchimpfung“ nötig.

Alle im gleichen Boot (Chr. Berger, NZZ)

Schliesslich würden „viele Ungeimpfte diesen Winter eine Corona-Infektion“ bekommen.

Alle sind betroffen. Es sei „eine Pandemie“, meinte Christian Drosten, bekannter Virologe aus Deutschland, und nicht „eine Pandemie der Ungeimpften“.

Die Banker-Parties in Zürich passen zu einer anderen Anekdote. In einem engen Sitzungszimmer der Credit Suisse feierte ein Dutzend Kollegen kürzlich den Geburtstag eines Mitarbeiters.

Alle mit Zertifikat und deshalb ohne Masken. „Sieht einer rot, wenn wir jetzt Happy Birthday anstimmen“?“, fragte einer. Keiner opponierte – alle sangen aus vollen Kehlen.

Aerosole? Nicht bei uns. Wir haben den Schein.

Die Absurditäten sind die Schuld von Regierung und Spitzen-Managern, die alle Ungeimpften zu den Schuldigen der Pandemie erklärten.

Wir, die Guten, wollen nichts mehr mit Euch, den Unsolidarischen, zu tun haben. Eine Ex-Stadträtin der Stadt Bern sagt dies heute im Tages-Anzeiger: „Ich habe schlicht keine Lust mehr, sie zu sehen.“

Aussätzige. Strikte 2G-Regel im eigenen Hause. Wenn’s für einen stimmt, warum nicht. Doch die Verantwortlichen auf den Teppichetagen haben zum Job, über den eigenen Nasenspitz hinauszudenken.

Die Swisscom hat auf heute weitreichend Home Office verordnet. Es geht nicht mehr um geimpft und nicht geimpft, sondern um die steigenden Zahlen.

„Wo möglich und sinnvoll – insbesondere für individuelles Arbeiten – arbeiten wir im Homeoffice“, meinte eine Sprecherin.

„Physische Meetings sind unter Einhaltung der Schutzmassnahmen weiterhin möglich und erwünscht, für einen persönlichen Austausch in den Teams.“

„Diese planen wir zeitlich so, dass die An- und Rückreise möglichst nicht zu Stosszeiten erfolgt. Und es gilt eine generelle Maskenpflicht bei Meetings/Workshops.“

Am Paradeplatz werden derweil weiter feuchtfrohe Xmas-Feten geplant. Doch man merkt, wie es den CS- und die UBS-Chefs unwohl wird.

Noch seien Feste „unter Einhaltung der geltenden Massnahmen von Bund und Behörden sowie die Einhaltung der 3G-Regeln“ zugelassen, entsprechend könnten die Teams so planen, heisst es aus der UBS heraus.

Man würde aber „die Situation und weitere Entwicklung sehr genau“ beobachten. Will wohl heissen: Bald gibts wohl einen Full-Stopp.

Gleich tönt es von der CS. „Mitarbeiterveranstaltungen zum Jahresende dürfen bei der Credit Suisse je Bereich und auf individueller Basis durchgeführt werden“, sagte gestern eine Sprecherin.

„Dies selbstverständlich nur unter Einhaltung der Vorgaben der Gesundheitsbehörden/des Bundesrat. Zudem müssen die Regeln der jeweiligen Eventlocation eingehalten werden (3G).“

Es folgt der Disclaimer: „Wir empfehlen unseren Mitarbeitenden sich impfen zu lassen und stellen sämtlichen Mitarbeitenden weiterhin gratis Tests zur Verfügung.“

Schliesslich aber kommt’s: „Infolge der anhaltend dynamischen Situation rund um das Coronavirus beobachten wir die Situation weiterhin sorgfältig.“

Heute früh liess Schweizer Radio SRF zu den Weihnachts-Anlässen der Firmen einen Gastro-Vertreter prominent zu Wort kommen. Der meinte: „Es hagelt Stornierungen.“ Die Gastrobranche ächzt – Zertifikat hin oder her.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

November 24, 2021

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