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Der Bauer bekommt „nur die Almosen“: Protest vor Edeka-Zentrallager in Wiefelstede

Der Protest der deutschen Landwirte geht weiter – diesmal wieder vor dem Edeka-Zentrallager Wiefelstede. Landwirt Hans-Adolf Pfeiffer kommt mit den Preisen für die Schweinehaltung nicht mehr klar. Als die Afrikanische Schweinepest im letzten Jahr ausbrach, hat er die Ferkelzucht vorerst eingestellt. Wie es weitergeht, weiß er jetzt nicht. Rebecca Sommer sprach mit ihm über seine Situation.

Hans-Adolf Pfeiffer ist Landwirt. Er war Schweinehalter und hat umgesattelt. Mit anderen Landwirten protestiert er bis Mitte Dezember vor der EDEKA-Zentrale. Ziel ist es, einen für die Bauern fairen Erzeugerpreis auszuhandeln, damit sie künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Das größte Problem ist, dass die Landwirte mit den Preisen, die sie erhalten, kaum mehr überleben können. Sie leben, wie Pfeiffer sagt, von der Substanz. Die Lebensmittelketten würden den Preis beim Einkauf drücken. Was übrig bleibe, seien lediglich „Almosen für den Landwirt“, wie er sagt.

Rebecca Sommer: Hier im Moment geht es ja darum, dass der Agrardialog von dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) abgebrochen wurde und ein neues Format vorgeschlagen wurde. Und zwar könntest Du darauf mal ein bisschen eingehen, warum ihr heute dagegen protestiert?

Hans-Adolf Pfeiffer: Ja, weil dieser Agrardialog vom Einzelhandel in eine andere Schiene rüberwechseln will. Hinter den Türen spielen sie Spiele, die uns nicht gefallen. Diese Verhandlungen in letzter Zeit führen nur dazu, dass die Zeit rausgeschunden wird, weil Leute wie Edeka ihr Weihnachtsgeschäft im Moment groß in Gefahr sehen.

Sie haben lange genug Zeit gehabt, bessere Preise zu geben. Sie machen zig Millionen Gewinne. Aber bei uns auf den Höfen kommt davon nichts an.

Beim Schweinefleisch haben wir im Moment 1,20 Euro in der Notierung für das Kilo. Da gibt jeder Schweinebauer um die 40 Euro hinten drauf, wenn er ein Schwein verkauft.

Wenn ein Sauenhalter momentan circa 400 Sauen hat und bei den derzeitigen Preisen, wenn er die Ferkel mit 25 bis 28 kg oder Läufer verkauft, dann fehlen ihm um die 30 Euro pro Schwein.

Ein Bauer mit 400 Sauen hat circa 12.000 Ferkel, die er im Jahr absetzt. Das ist, wenn man das hochrechnet und umrechnet, eine Preisdifferenz von gut 20 Euro, die er mindestens braucht, um seine Deckung einigermaßen hinzukriegen. Da geht es um einen großen Gewinn, sondern nur darum, vernünftig leben zu können. Dann macht er um die 4.600 Euro die Woche Verlust.

Sommer: Du hast ja letztendlich auch mit der Schweinehaltung aufgehört und umgesattelt. Wie ist jetzt deine Situation?

Pfeiffer: Ich war in der Ferkelaufzucht. Ich bekomme, wenn die Ferkel von der Sau abgesetzt sind. Ich ziehe die Ferkel auf, so als Zwischenstation. Danach gehen die zum Mäster. Die sind 7 – 8 Wochen maximal bei mir im Stall, so wie eine Ferienwohnung für Ferkel kannst Du dazu sagen.

Dann hatte ich im letzten Jahr am 9. September mein letztes Ferkel gerade verkauft und einen Tag später kam die Meldung: ASP – Afrikanische Schweinepest in Brandenburg, Sachsen. Daraufhin sind die Preise eingebrochen.

Ich sollte die Woche darauf eigentlich neue Ferkel kriegen. Dann habe ich das kurz noch am Freitag überschlagen und eine WhatsApp-Nachricht weggeschickt. Ich habe gesagt, ich muss gucken, ob ich das denn noch realisieren kann. Von der Marge, die ich noch gehabt hätte, hätte ich nicht ansatzweise das Futter mehr für Tiere bezahlen können.

So und dann steht es davor, was machst Du nun?  Da habe ich aufgehört. Ich hab jetzt jemanden gefunden, der seine Ferkel bei mir im Stall aufzieht. Ich mach da die Arbeit. Mal schauen, wie lange der das noch bezahlen kann, wenn das so weiter geht und die Preise nicht ganz schnell ganz doll nach oben gehen. Wir sind letztes Jahr bei Preisen gewesen, von knapp um die 2 Euro, 2,03 Euro pro Kilo. Das war die Spitze für Mastschweine und wir sind jetzt bei 1,20 Euro.

Sommer: Und was kostet das ungefähr im Laden?

Pfeiffer: Im Laden? Ja, ich kaufe nicht ein. Ich habe meine Frau. Wir sind Selbstversorger. Ich habe die Ladenpreise im Moment nicht im Kopf. Wir haben eigene Schweine auf dem Hof, ein paar Mastschweine auch noch, aber Schweinehaltung ist im Moment nicht mehr zu realisieren.

Vernünftiges Einkommen, wovon die ganze Familie leben und auch der Hof erhalten werden kann, ist momentan nicht zu erzielen.

Sommer: Das heißt, das ist eventuell eine Übergangslösung mit den Schweinen in Deinem Stall, weil es nicht sicher ist, ob er das weitermachen kann… Was ist dann Deine nächste Idee? 

Pfeiffer: Das Land ist sicherlich da, der Stall ist auch da, das heißt, der würde leer stehen. Im Moment habe ich da keine Perspektive und auch keine Alternative. Da müssen die anderen Betriebszweige das erst mal mitreißen. Und wo das dann hinführt, keine Ahnung. Wir werden sehen, wo wir landen.

Sommer: Was meinst Du mit ‚andere Betriebszweige‘?

Pfeiffer: Ich habe einen Teil, was ich noch als Direktvermarktung mache.

Ich habe auch noch eine Beteiligung. Ich bin bei Biogas mit drin und mache noch ein paar andere Sachen, die ich noch zusätzlich über die Jahre mit angefangen hab, zum Beispiel Winterdienst. Damit man alternativ noch ein Einkommen reinkriegt.

Sommer: Eigentlich sollte man mit der Landwirtschaft verdienen können, dass man Lebensmittel auf den Teller bringt, oder nicht?

Pfeiffer: Doch würde ich ja gerne machen, aber wenn das nicht gewünscht ist?

Sommer: Wer wünscht das nicht?

Pfeiffer: Wir brauchen uns bloß die politischen Rahmenbedingungen anzugucken, mit den Lebensmitteln, die vom Ausland reinkommen. Wie soll ich dagegen anwirtschaften, mit den Standards und den hohen Auflagen, die wir haben? Wir produzieren europaweit und weltweit mit die hochwertigsten Nahrungsmittel hier bei uns im Land.

Wir dürfen gewisse Sachen hier nicht mehr anwenden, wenn das Pflanzenschutzmittel zum Beispiel sind, kriegen wir Auflagen. Die Pflanzenschutzmittel, die seit 30, 40 Jahren bei uns verboten sind, werden im Ausland nach wie vor eingesetzt und die Waren kommen hierher. Anfang des Jahres war das im Januar, war die Frau Klöckner auf der Bühne vor ihrem Ministerium in Berlin.

Sie hat gesagt, es ist egal, wie die Biodiversität der Betriebe im Ausland aussieht. Hauptsache, wenn die Produkte hierherkommen, sind die Rückstände nicht mehr nachweisbar. Wie das stattfindet, ob da kontrolliert wird, habe ich keine Ahnung.

Aber ich möchte mal behaupten, da wird das ein oder andere vielleicht auch mal nicht beprobt, was aus Südamerika und wer weiß noch herkommt. Das ist anscheinend so der Wille. Jetzt ist ja demnächst in Brüssel die große Demo wegen „Farm to Fork“ und dem „Green Deal“, dass wir hier plattgemacht werden,  nur zugunsten unserer Industrie. Ob das im Sinne der Bevölkerung ist, möchte ich bezweifeln.

Die Bevölkerung entscheidet im Moment anders, die Leute kaufen bei Aldi, Edeka, Rewe oder wie die alle heißen, und immer das Günstigste.  Ob das das Beste ist? Ich meine, viele können sich das auch nicht leisten, das muss man auch so sehen, die sind darauf angewiesen, dass sie günstige Lebensmittel bekommen. Wenn wir aber auf den Betrieben keine Perspektive mehr haben, und momentan fährt die Politik uns vollkommen gegen die Wand, dann werden die sich das irgendwann überlegen müssen, wo sie was einkaufen wollen.

Entweder sie gehen direkt auf die Höfe, sofern es dort noch einen Hofladen gibt. Oder sie sind darauf angewiesen, dass es dann aus dem Ausland kommt. Weil, wenn wir unsere Wirtschaft hier und auch die Landwirtschaft runterfahren, das ist ja nicht nur die Landwirtschaft, das sind ja auch die vor- und  nachgelagerten Bereiche (der Landwirtschaft). Wir haben noch circa 260 000 landwirtschaftlichen Betriebe in unserem Land.

Vielleicht haben wir jetzt nur noch 200.000, die Zahl geht rapide runter, wenn jeden Tag sieben Betriebe „Koppeister“ gehen [zugrunde gehen, bankrott, und schließen]. So, und was sollen wir machen? Denn die Lebensmittelgroßkonzerne, die kaufen Land, hektarweise. Sie nehmen das Geld, was sie uns nicht ausbezahlt haben, um sich damit Steuern zu sparen, indem sie unser Land wegkaufen. Das ist das einzige, was wir haben, wo wir unsere Lebensmittel selber drauf produzieren können, um damit die Bevölkerung zu ernähren, was ja eigentlich auch unser althergebrachter Auftrag ist.

Aber wenn es nicht gewünscht wird, müssen wir uns andere Betätigungsfelder suchen. Wenn man uns das Land wegkauft, weil wir selber den Kaufpreis nicht mehr erwirtschaften können, dann müssen wir uns was überlegen.

Entweder wir hören auf oder die Politik greift jetzt ganz schnell ein und sagt denen „da oben“ in den Konzernzentralen, dass das so nicht mehr geht und wir vernünftige Preise bekommen müssen, damit wir davon leben können. Die wollen ja alle immer die klein strukturierte Landwirtschaft, die kleinen Höfe, das schöne ländliche Idyll.

Ja, wo kommt es her, wo bleibts? Das Idyll stirbt aus, die Großen übernehmen die großen Strukturen. Sie finden von Steuerseite und den Rahmenbedingungen der Gesetzgebung Schlupflöcher, wo sie es kaufen können. Wir können das nicht mehr, wir Bauern können da nicht mehr gegenhalten.

Ich will von dem, was ich als Landwirt produziere, leben können, meine Familie ernähren können und den Hof fortführen können.

Das Interview wurde zum besseren Verständnis redaktionell bearbeitet und gekürzt.



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AUTOR

Epochtimes

DATUM

November 26, 2021

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