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Patrizia Laeri furios: Klage, Rundumschlag

Patrizia Laeri schlägt auf ihrer Firmenseite zu. „Letzte Woche verspottete, sexualisierte und fäkalisierte Inside Paradeplatz die 44-jährige Ökonomin, Unternehmerin und Mutter noch gröber.“

So nicht. Laeri klagte, verlangte sofortige Löschung des zweiten Artikels innert 3 Monaten. Der Richter in Meilen, ein Jurist der SVP, wollte dies vorerst nicht. Er befahl aber, 4 von 9 eingeklagten Passagen zu entfernen.

„Die Macht des Faktischen“, titelte darauf Laeri auf elleXX.com, der Webseite ihrer Firma, die mit der Migros Bank und der ZKB seit Herbst einen Fonds mit frauenfreundlichen Firmen anpreist, und kündigte gleich eine weitere Klage gegen dieses Medium an.

Und noch eine Klage – vorerst erfolglos (IP)

„Wir haben uns gewehrt – erfolgreich“, so Laeri und ihre zwei elleXX-Mitgründerinnen. „Die Plattform, die unsere CEO sexistisch verunglimpfte, musste die entsprechenden Passagen löschen.“

Der Teilerfolg von Laeris Klage in Meilen machte gestern die Runde. Zeitungen und Online-Medien berichteten darüber. Ein Zürcher Stadtrat zog sofort seine Zusage für ein Interview im laufenden Wahlkampf zurück.

Die Story, welche die bekannte Ex-TV-Frau und heutige Finanz-Beraterin in Rage versetzte, stellte die Entwicklung des neuen elleXX-Fonds ins Zentrum. Dessen Performance ist im Vergleich zum Schweizer Index ungünstig.

Ein unfairer Vergleich, findet Laeri. „Eine annähernde Vergleichsgrösse wäre der Weltindizes MSCI. Das elleXX Produkt schneidet diesbezüglich vergleichbar ab.“

Und weiter: „Unser elleXX Aktienprodukt ist seit der Lancierung am 1. November nicht abgestürzt, wie Inside Paradeplatz suggerieren wollte. Eine leichte Seitwärtsbewegung von Minus 1.34 Prozent ist keine besorgniserregende Entwicklung.“

Der Artikel ging auf die Zeit seit der Lancierung bis Ende 2021 ein, rund zwei Monate. Inzwischen hat sich die Börsenwelt weiterbewegt – nicht zugunsten von Laeris Fonds.

Wie auf der Finanzseite Payoff.ch unter dem Produkt-Namen „MIGGEZ“ heute früh zu sehen ist, verlor der „ElleXX Gender Equality Basket“ seit der Emission 5,21 Prozent.

Die Performance seit dem 1. Januar dieses Jahres beträgt minus 3,54 Prozent, jene in der zurückliegenden Woche minus 2,54 Prozent. Ein Feuerwerk zum Jahresstart sieht anders aus.

Patrizia Laeri hatte für die Story von Anfang Jahr vom Journalisten acht Fragen per Mail erhalten, darunter folgende: „Ihr ETF läuft sehr schlecht (fast minus 2 Prozent seit Eröffnung). Sind Sie trotzdem mit dem Kursverlauf zufrieden?“

„Frauenfreundlich, sozial und nachhaltig sollen die 30 Unternehmen sein, die im Migros Bank elleXX Gender Equality Basket gebündelt sind. Kein einziges stammt aus der Schweiz. Warum nicht?“

„Die Unternehmen sollen frauenfreundlich, sozial und auch nachhaltig sein. Siemens AG: Von den sechs Vorstandsmitgliedern ist nur eine Frau vertreten; das ist weniger als der Durchschnitt der anderen DAX-Unternehmen. Haben Sie die Liste zusammengestellt und haben Sie Ihre genannten Kriterien überall angewandt?“

Laeri, die den Journalismus aus jahrelanger Erfahrung kennt, reagierte zwei Tage lang nicht. Schon auf frühere Anrufe liess sie nichts von sich hören.

Das war anders beim ersten Gespräch im Oktober. Damals lancierte sie ihren Gender-Equality-Fonds mit viel Medien-Präsenz. In diesem Medium erschien ein Artikel, der ihr offenbar ein erstes Mal in den falschen Hals geriet.

Laeri und ihre Anwältin sprechen von argem Sexismus und unlauteren Aussagen, welche der Unternehmerin und ihrer Firma Schaden zufügen würden.

Die mandatierte Juristin, die auch Jolanda Spiess-Hegglin vertritt, hat den Streitwert für den Prozess in Meilen auf mindestens 100’000 Franken beziffert.

Sexismus meint, dass jemand wegen seines Geschlechts diskriminiert wird.

Die eingeklagte Story zu Patrizia Laeri nahm Bezug auf ihr attraktives Äusseres. Das sieht man auch bei Männern – der bekannte Andrea Orcel wird gerne als „Ronaldo“ skizziert.

Der eingeklagte Artikel hatte nicht das Frau-sein von Patrizia Laeri zum Thema, sondern die Performance ihres ersten Banken-Produkts. Mit diesem dringt die erfahrene Wirtschafts-Journalistin in neue Gefilde vor – die Finanzbranche.

Dort geht es um ein heikles Gut: das Geld der Menschen und deren Erspartes. Geld geht schnell verloren, umso mehr reguliert der Staat die Bankenwelt.

Laeris elleXX hat keine Lizenz der Bankenaufsicht, sondern agiert als Beraterin der Migros Bank. Der gemeinsam lancierte Fonds ist auf Laeri zugeschnitten, die ihren Aufstieg als eine Art Frauenrechtlerin des 21. Jahrhunderts geschafft hat.

Die Performance des Fonds ist bis jetzt wenig berauschend, daran ändert die Auswahl des Vergleichsindex wenig. Laeris Kundinnen und Anlegerinnen hilft nicht das relative Abschneiden im Vergleich mit anderen, sondern nur absoluter Gewinn.

Die Anreicherung des kritisierten Berichts mit Beschreibungen zur Persönlichkeit Laeri hängt mit deren Auftritten zusammen. Sie ist bekannt aus „Arena“, Hochglanz-Stories, Radio-Interviews, Blick-Kolumnen.

Laeri ist zur Marke geworden, zum Markenzeichen für Frauen, die mit Selbstvertrauen, Mut und Eleganz ihren Weg machen. Mit dem Gütesiegel „Laeri“ soll jetzt auch der Gender-Equality-Fonds an die Frau gebracht werden.

Ist das sexistisch?

Der Bezirksrichter fand: in Teilen schon. Dass Laeri je nach Auftritt selbst locker mit dem Thema Schönheit und Inszenierung umgeht, zeigen ihre Instagram-Fotos. Dort wird sie auch schon mal angehimmelt – auch von Männern.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

Januar 12, 2022

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