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Schweiz von eigenen Leuten ins Ausland verschachert

Allen echten Zürchern, aber davon gibt es so wenige wie echte Basler oder echte Genfer, fuhr ein Schreck in die Knochen, als soeben wieder das Gerücht durch die Stadt jagte, die Credit Suisse Group, eigentlich „ihre alte Kreditanstalt“, deren Fenster zum weltberühmten Paradeplatz seit einigen Jahren gerne in einem sanften Rotlicht leuchten, stehe vor dem Verkauf.

Die meisten schüttelten nur den Kopf und sagten „Muss das sein?“

Die wenigen, welche den Aufstieg und Absturz der einstigen Grossbank in den letzten 50 Jahren erlebt hatten, antworteten: „Es wird Zeit, der Zug ist abgefahren.“

Es wäre eine Tat von ungeheurer symbolischer Bedeutung, würde die heute weitgehend abgewirtschaftete Alfred Escher-Bank, die stolze Hausbank des Zürcher, Winterthurer und Badener Geldadels des 19. und 20. Jahrhunderts, in die Hände einer italienischen (sic!) oder französischen Grossbank fallen.

Den alten Zürchern würde ein Stück ihres Herzens aus der Brust gerissen.

Dabei sind es, historisch gesehen, nur noch wenige Meter, welche die CS vor dem Absturz in fremde Hände retten. War es doch der letzte Schweizer VR-Präsident der Bank, der Zürcher Wirtschaftsanwalt Urs Rohner, der mit seiner während Jahren unglücklichen Personalpolitik dem bis vor 40 Jahren stolzen Institut den Rest gab.

Unter Mitnahme von fast 50 Millionen Franken an Salär und Entschädigungen übergab er die Hausschlüssel einem in London beliebten Portugiesen: Sir Antonio Mota de Sousa Horta Osorio.

Der hatte keinen Grund, sich an die Zürcher Sitten zu gewöhnen. Er verweigerte die Covid-Vorgaben und flog mit dem Corporate Jet durch die Welt, denn es geht nur um eines:

Wer kauft und rettet damit die einstige Schweizerische Kreditanstalt durch eine in Zürich und der Schweiz standesgemässe Braut?

Weil „senkrechte“ Schweizer nicht gerne aufgeben, wie man dies schon helvetischen Landsknechten in fremden Diensten nachsagte, richteten sich alle Blicke auf den CEO der sogenannten Grossbank, Thomas Gottstein.

Ein „Old horse“ der Bank, das für eine angemessene Entschädigung für seinen ungeliebten Präsidenten die Deckung übernahm. Nach Tidjane Thiam, dem afrikanischen Star von der Elfenbeinküste, konnte es nicht schlimmer werden.

Es wird aber schlimmer werden, denn in Zürich ist der Ausverkauf der weltberühmten Bahnhofstrasse in vollem Gang. Wenn aus einer einstigen Schweizer Grossbank eine globale Kleinbank wird, tanzen die Puppen.

Eines der einst bestgeführten Zürcher Hotels, das vom Zumiker Bankpräsidenten Heinz Wuffli umfassend erneuerte Hotel Savoy Baur en Ville am Paradeplatz, wird Teil der von London aus gesteuerten Kette der Mandarin Hotels.

Sehr schöne Häuser, aber wenig zürcherisch.

Wer die immer noch schöne Zürcher Bahnhofstrasse vom See hinab Richtung Hauptbahnhof schlendert, vermisst die wunderbaren alten Modegeschäfte, die nach bester Schweizer Art aufgebaut worden waren.

Heute sind dort alle Weltmarken zu finden, ganz wie in Rom, Paris oder London auch.

Mit den Mietpreisen der Schweizer Hauseigentümer, viele Versicherungen, kaum noch Private, ist das Preisniveau der Produkte in die Höhe geschnellt. Für einen Normalschweizer unerreichbar.

Nicht nur Zürich erlebt seinen eigenen Ausverkauf, eine Globalisierung der besonderen Art, sondern auch andere Regionen der Schweiz ziehen mit hohem Tempo nach.

Zug ist zur modernsten und jüngsten Schweizer Stadt geworden. Zwischen Zug, Baar und Cham ist englisch die erste Landessprache.

Glencore, hervorgegangen aus der einstigen Ölschmuggelbude von Marc Rich, wurde von Ivan Glasenberg zum Weltkonzern gemacht. Gleich zwei Bundesräte, Kaspar Villiger und Ueli Maurer, kamen, um Zug als neuem „Krypto Valley“ die Ehre zu geben.

Zug mag eine Schweizer Stadt geblieben sein, aber mit der Schweiz der einfachen Landsleute, der Freiheits-Trychler, hat dies wenig zu tun.

Sie, meist erzkonservative SVP-Anhänger, leben auf dem Land und schütteln die Fäuste gegen die verdorbenen urbanen Stadtschweizer, die mehr denn je rotgrün stimmen.

Der Ausverkauf der Schweiz spielt sich noch dramatischer in der Oberwalliser 9’100 Seelen-Gemeinde Visp ab, wo der Chemie-Kleinkonzern Lonza unter dem Druck internationaler Kapitalgeber sich geradezu explosionsartig entwickelt.

Dort ist in kürzester Frist ein globaler Chemie- und Pharma-Hub entstanden, der die Zahl der Ausländer in der Stadt auf 27% anschwellen liess, schneller als die Hochwasser des Rottens, der Rhône, im Frühjahr.

66 Nationen leben jetzt in Visp, der Gemeinde von Sepp Blatter, dem vormaligen FIFA-Präsidenten, nach dem noch das Schulhaus benannt ist. Talboden und -hänge werden mit Häusern und Wohnungen zugepflastert.

Was kennzeichnet diese Ausverkäufe in Zürich, Zug oder Visp?

Das Geld für die Investitionen kommt in erster Linie aus dem Ausland. Das grosse Kapital hat die Schweiz entdeckt und gräbt sich jetzt ein.

Lidl und Aldi, zwei deutsche Detailhandelskonzerne, nehmen Migros und Coop laufend Marktanteile und Wachstum ab. Der deutsche Bauhaus-Konzern zieht alles an sich, was bis vor kurzem Gewerbebetriebe lieferten.

Als Vermittler werden Banken, Anwälte und Treuhänder reich. Geld ist nicht national, auch wenn es nationale Währungen gibt, sondern sucht nur Sicherheit und hohe Renditen.

Die Schweiz bietet sich dazu an, wie sonst nur wenige Staaten.

Unabhängige Spitzenmanager wie Albert Baehny (Lonza), Jens Alder (SwissSteel) oder Calvin Grieder (Givaudan, SGS, Bühler Group) müssen dafür Sorge tragen, dass die Gewinne in die Taschen der Aktionäre fliessen. Natürlich sozialverträglich.

Kleinere KMU-Unternehmer, wie die Zürcher Traditionsmetzgerei Bär, schlossen ihre Zentrale am renommierten Zürcher Rennweg, um das Haus der Londoner Convenience Food Company „Pret a manger“ zu vermieten.

Diese Einnahmen sind höher und sicherer als der bisherige „Chrampf“.

Einer der grössten Ausverkäufer ist Thomas Schmidheiny, der einmal als Chef von Holderbank-Holcim der Zementkönig der Schweiz war.

Sein verunglückter Merger mit der französischen Lafarge Group zur LafargeHolcim beendete seine Karriere als Industrieller. Geblieben sind ein schönes Hotel in Bad Ragaz und kleinere Beteiligungen.

So versickert das Geld der einst reichsten Schweizer.

Ohnehin gelten in Europa – und in den USA und China erst recht – Superreicht mit weniger als drei Milliarden US-Dollar Vermögen als „arm“. Davon hat die Schweiz einige Hundertschaften.

Aber wirklich reich sind die Ausländer in der Schweiz.

Die Podestplätze nehmen die drei Söhne von Ingvar Kamprad (Ikea) ein, gefolgt von den Roche-Eignern Hofmann und Oeri. Drittreichster Schweizer ist Klaus-Michael Kühne, ein knurriger Hamburger, der mit Kühne & Nagel International einen Weltkonzern aufbaute.

Die Corona-Krise machte ihn allein im letzten Jahr um 17 Milliarden Franken wohlhabender.

Der Ausverkauf der Schweiz geht unaufhaltsam weiter. Aus der Swissair wurde die Swiss, eine Tochter der Deutschen Lufthansa. Aus der BBC in Baden wurde die schwedische ABB.

Aus Möbel-Pfister wurde eine Tochter der österreichischen XXXL Gruppe. Die grossen Globus-Warenhäuser gingen auch in österreichische Hände.

Ganze Dörfer und Städte geraten unter ausländische Kontrolle: Andermatt ist ägyptisch-montenegrinisch geführt, Crans-Montana hat einen tschechischen Milliardär zum Hausherrn gemacht, in Saas Fee gehören die edleren Stücke einem Österreicher.

Die Hotels an der Luzerner Seepromenade sind, ebenso wie das beste Haus in Engelberg, in der Hand eines Chinesen. Verbier wurde von den reichen Engländern aufgekauft.

Reich wird, auch als Schweizer, nur ein grosser Immobilienbesitzer, der gut vermieten oder gleich verkaufen kann.

Bestes Beispiel dafür ist Denner-Erbe Philippe Gaydoul, der von Grossvater Karl Schweri reichlich mit Besitz versehen wurde. Gaydouls Handelsgeschäfte musste er abschreiben, aber mit Immobilien bleibt man immer in guter Gesellschaft. 

Ist das das Ende? Nein, das ist erst der Anfang.

Grosse Schweizer Medienhäuser wie Ringier und damit „Bilanz“, „Handelszeitung“ und „Beobachter“ sind längst weitgehend unter ausländischer Kontrolle.

Axel Springer hat sich sehr diskret in der Schweiz eingekauft. Nach aussen wird die Schweizer Fahne geschwungen, sonst aber geschwiegen.

Nur ältere und etwas erschöpfte Schweizer schalten noch die einheimischen und meist sehr langweiligen TV-Sender ein. Dort dominieren zu zwei Dritteln ausländische Sender, welche die helleren Köpfe abziehen.

Oft wird übersehen, dass in allen Landesteilen die hohe Kultur aus dem Ausland kommt. Übrig geblieben als Vordenker von Ringiers Gnaden ist der Arbeiterschriftsteller Lukas Bärfuss.

Erst wenn er begreift, dass er den kulturellen Weltuntergang der Schweiz verkörpert, kann er wieder auferstehen. Das NZZ-Feuilleton zieht den Franzosen Houellebecq als Meisterdenker vor. Auch fragwürdig.

Milliarden fliessen auf stillen Autobahnen des Geldes jedes Jahr aus der Schweiz in fremde Hände. Es ist ein langsamer und höchst rentabler Blutwechsel, der sich zwischen Basel und Chiasso abspielt.

Die Schweiz muss in den Augen der Banken und exportstarken Konzerne eine solide Plattform für die global ausgerichteten Vertreter der A-Schweiz bleiben. Diese leben gerne hier; daran wird sich kaum etwas ändern.

Die national und oft nur regional orientierten B-Schweizer, sich durch die eigene Gesetzgebung langsam in die ungeliebte EU integrierend, spüren die Veränderung, stehen ihr aber hilflos gegenüber.

Ihr eigenes Land wird ihnen von den eigenen Leuten unter den Füssen weg verkauft. 

Dazu zählt auch einer der besten Schul- und Geschäftsfreunde von Christoph Blocher: Martin Ebner, der soeben den aufstrebenden Chemiekonzern Vifor für fast 12 Milliarden Franken nach Australien verkauft hat.

„It’s the money, stupid.“

Unsere Parteien von Linksgrün bis Rechtsschwarz haben nicht den geringsten Grund, diesen Ausverkauf der Heimat zu stoppen. Wozu dient der Bundesrat? Er muss dafür sorgen, dass es ruhig ist im Land.

„Ich will, dass es still bleibt um meine Konten“, sagte der Bankier in Genf schon zu Asterix, als er einmal die Schweiz besuchte.

Eines Tages wird jemand aufwachen und sich fragen: Was verteidige ich eigentlich, wenn ich mein eigenes Land damit meine?

Es wird ihm niemand eine Antwort geben. Aber zum Trost eine Rösti, ein Raclette, eine St.Galler Bratwurst oder eine Pizza.

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AUTOR

Klaus Stoehlker

DATUM

Januar 12, 2022

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