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Vincenz-Ermittler nutzten US-Software

Beat Stocker, neben Pierin Vincenz der Hauptangeklagte im anstehenden Monsterprozess, schoss in seinem Interview in der NZZ am Sonntag gegen seine Jäger.

Diese hätten ihm und den übrigen Betroffenen die Verteidigung erschwert. Zuletzt habe er mit eigenem Geld ein Programm entwickelt, um die Aktenberge zu bearbeiten.

„Die Staatsanwaltschaft selber hat, vielleicht zum ersten Mal in einem derart grossen Verfahren, mit amerikanischer Suchsoftware gear­beitet“, sagte Stocker der NZZ.

„Die Strafverteidiger auf unserer Seite arbeiteten dagegen sehr traditionell ohne analytisches Datenmanagement. Ich sah einen grossen Nachteil für uns.“

Tatsächlich ist es offenbar das erste Mal, dass die auf Wirtschaftsverbrechen spezialisierten Staatsanwälte von Zürich clevere Tools aus dem Ausland gebrauchten, um mögliche Geheimnisse und Spuren von Stocker, Vincenz et al aufzudecken.

Das eingesetzte Programm heisst „Relativity“ und gilt als sogenannte eDiscovery-Software. Bisher nutzten die Wirtschafts-Ermittler ein Produkt namens Nuix, das von der Kantonspolizei für Wirtschafts-Ermittlungen genutzt wurde.

„Relativity“ soll den Staatsanwälten ungleiche Spiesse verschafft haben, findet Stocker. Der reagierte.

„Wir entwickelten eine Software, die genauso intuitiv wie Google funktioniert, nur eben speziell für die Suche in den 200 Gigabyte Verfahrensdaten in meinem Strafverfahren“, sagte er der NZZ.

„Die Applikation nennen wir ‚Sherlock‘, sie ist ausgesprochen einfach zu bedienen und löst mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz auch sehr anspruchsvolle Suchanfragen in Millisekunden.“

Damit zeigte sich der Angeklagte offenbar zufrieden.“ Wir konnten nun Waffengleichheit mit der Anklagebehörde schaffen.“

Auf Anfrage wollte ein Sprecher der zuständigen Oberstaatsanwaltschaft nichts zu „Relativity“ sagen. Dass auf beiden Seiten mit harten Bandagen gespielt wird, ist offensichtlich. So verpassten die Ermittler den Beschuldigten während der Zeit ihrer Untersuchung einen Maulkorb.

Als dann die Anklageschrift ans Zürcher Bezirksgericht ging und damit die Zuständigkeit wechselte, hielt das Gericht das Auskunftsverbot aufrecht. Dieses wurde erst vor kurzem aufgehoben. Der Prozess beginnt in 13 Tagen.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

Januar 12, 2022

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