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Good Bye, Corona


Wissenschaft und Medien unterwarfen sich dem Diktat des Gleichschritts. Angekommen in einer „neuen Realität“ weigerten sich manche Gesellschaften – auch die Deutschlands – nach Abklingen der Virusgefahr den „Corona-Modus“ zu beenden. So hat das Virus weit mehr infiziert als nur die Atemwege einer Minderheit.

Deutschland – seine staatstragenden Parteien, großen Medien, maßgeblichen Wissenschaftler und die Mehrheit der Bevölkerung – weigert sich hartnäckig, zuzugeben, dass das Virus nicht annähernd so gefährlich ist wie angenommen. Die „Maßnahmen“ wollen kein Ende nehmen. Sie blockieren Wirtschaft und gesellschaftliches Leben. Impfkampagnen besetzen und erhitzen die Köpfe. Die Welt erklärt allmählich das Ende der Pandemie. Nur Deutschland nicht. Deutschland wappnet sich. Bloß wovor? Vor der Erkenntnis des eigenen Irrwegs.

I.

Der Spielfilm „Good Bye, Lenin“ (2003) handelt von einer DDR-Bürgerin, die am Tag des Mauerfalls ins Koma fällt. Als sie wieder aufwacht, ist ihr Land ein anderes. Doch um sie zu schonen, wird die Illusion aufrecht erhalten, alles sei noch wie früher. Man könnte den Stoff heute noch einmal verfilmen. Mit einer kleinen Änderung: Anstelle der DDR ist das „tödliche“ Virus über Nacht verschwunden – nicht jeder hat es schon bemerkt. Nicht bloß eine alte Frau erwacht aus dem Koma und nimmt die Veränderung nicht wahr, sondern eine ganze Gesellschaft weigert sich, die Realität anzuerkennen. Die meisten Leute gehen noch immer aus Angst nicht aus dem Haus, tragen sinnlos auch im Freien Masken im Gesicht, meiden Kontakte und hocken blöde vor den Bildschirmen, wo sie noch immer wie gewohnt mit Propaganda agitiert werden. Anders als bei „Good Bye, Lenin“ müssen die Nachrichten nicht eigens im DDR-Stil gefälscht werden. Die Sender leugnen, dass die Pandemie längst zur Endemie geworden ist, und schlagen noch immer Daueralarm. Und die Regierung blockiert, was nach Freiheit riecht.

II.

Berühmt ist die Geschichte des japanischen Leutnants Hiroo Onoda, der auf einer kleinen indonesischen Insel nicht mitbekommt, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist, festen Glaubens, er müsse befehlsgemäß ausharren, bis seine Armee zurück kommt. Er versteckt sich im Dschungel und wird erst 1974 – fast dreißig Jahre später – entdeckt, noch immer davon überzeugt, der Kampf gehe weiter. Er ist keineswegs verrückt geworden, er hat nur alles, was er wahrgenommen hat, so gedeutet, dass es zu seiner irrigen Annahme passt. Es fällt nicht schwer, sich vorstellen, dass erst in Jahren in Deutschland – wo sonst – die letzten Versprengten der Armee der Achtsamen ins Licht stolpern. Sie haben zwanzig weitere ihrer Ansicht nach gefährlichen Virus-Varianten überlebt dank vollkommener geistiger Abschottung und Isolierung vom Rest der Welt. Onoda lässt sich von der Realität erst überzeugen, nachdem sein früherer Vorgesetzter eingeflogen worden ist. Wir setzen für diese Aufgabe auf einen Tattergreis namens Söder.

III.

Stellen wir uns vor, eines fernen Tages beschreiben unabhängige Historiker, was damals, Anfang der Zwanzigerjahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf der Welt geschah. Sie suchen nach Erklärungen für das extreme Missverhältnis zwischen Aufwand und Nutzen, für die Selbstbeschädigung der Gesellschaften. Die Angst vor dem Virus forderte mehr Opfer als das Virus selbst. Historiker werden analysieren, wie annähernd acht Milliarden überwiegend in Städten zusammengepferchte Menschen es unter ihresgleichen nicht mehr aushielten. Berührungs- und Versammlungsphobien waren rational kaum begründbar. Doch der Mensch deklarierte seine Schwäche als moralische Stärke. Die Historiker werden feststellen, dass der Mensch den Tod aus dem Bewusstsein verdrängt hatte. Das Sterben alter, kranker Menschen rückte plötzlich wieder ins Bewusstsein und erzeugte panische Überreaktionen. Statt sie besser zu schützen, wurden die Alten der Einsamkeit überlassen. Nur wenige Jahrzehnte zuvor hatten dieselben Gesellschaften noch Millionen Menschen in verheerenden Kriegen getötet. Nun führten sie einen sinnlosen Krieg gegen den Tod. Zivilisatorischer Fortschritt oder Dekadenz? Auf jeden Fall eine extreme Pendelbewegung.

IV.

Und noch ein zweiter Pendelschlag. Die große Freiheitsentwicklung – vom Humanismus über die Aufklärung zum Individualismus der Moderne – kehrte sich um. Konformismus bestimmte nun nicht nur autoritäre Regime, sondern auch Demokratien. Zu den gesellschaftlichen Schäden zählte die Instrumentalisierung von Wissenschaft und Medien. Beide unterwarfen sich dem Diktat des Gleichschritts. Angekommen in einer „neuen Realität“ weigerten sich manche Gesellschaften – auch die Deutschlands – nach Abklingen der Virusgefahr den „Corona-Modus“ zu beenden. So hat das Virus weit mehr infiziert als nur die Atemwege einer Minderheit.

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AUTOR

Wolfgang Herles

DATUM

Januar 15, 2022

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