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Die Logik der US-Außenpolitik

Published On: 1. Januar 2020 20:00

Wie kann die US-Außenpolitik systematisch und rational erklärt werden? Die folgende Grafik – basierend auf einem von den politischen Wissenschaftsprofessoren David Sylvan und Stephen Majeski entwickelten Modell – zeigt die langjährige imperialistische Logik hinter den diplomatischen und militärischen Interventionen der USA auf der ganzen Welt. Klicken Sie hier, um zu vergrößern 🔎

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen und militärischen Überlegenheit nimmt die USA seit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere seit 1990 die Rolle eines modernen Imperiums ein. Dieser Status impliziert eine sehr spezifische und wirklich imperialistische Logik für ihre Außenpolitik (siehe Abbildung oben). Die zentrale Unterscheidung (#1 in der Abbildung oben) aus der Perspektive eines Imperiums besteht zwischen Klienten- und Nicht-Klientenstaaten.

Die imperialistische Logik ist unabhängig von der jeweiligen US-Regierung. Unterschiedliche Regierungen können jedoch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Erfolgsaussichten militärischer Maßnahmen (#11) und diplomatischer Verhandlungen (#12), der Vorteile offener gegenüber verdeckten Operationen (#13), der Akzeptanz bestehender Klientenregime (#2) und der Innenpolitischen Unterstützung für militärische Interventionen (E) kommen.

Die Logik beschreibt auch die wichtigsten geopolitischen Funktionen imperialistisch orientierter Medien, nämlich die Delegitimierung von Feindstaaten oder ihren Regierungen (#13), die Unterstützung offener und die Verschleierung verdeckter feindlicher Operationen (#14 bis #18), die Rechtfertigung von Sanktionen und Regimewechseln (L) sowie die Unterstützung imperialistischer Führung (B) und die Absetzung unerwünschter Klientenregime (A).

H2: Traditionelle Erklärungen, Die Logik der US-Außenpolitik, Literatur

Traditionelle Erklärungen für die US-Interventionen der letzten Jahrzehnte sind meist Vorwände, Rationalisierungen oder bestenfalls Teilaspekte. Die Logik der US-Außenpolitik von Sylvan und Majeski bietet eine konsistente Erklärung für amerikanische Interventionen. Die üblichen Erklärungen – von Befürwortern und Gegnern dieser Kriege – sind meist Vorwände, Rationalisierungen oder bestenfalls Teilaspekte. Die folgende Übersicht zeigt dies:

Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten: Diese traditionelle Rechtfertigung ist nicht sehr überzeugend, da demokratische Regierungen gestürzt wurden (A, M, N), Autokraten unterstützt wurden (E und I), Menschenrechte und internationales Recht verletzt oder Verstöße von den USA toleriert wurden.

Bekämpfung des Terrorismus: Paramilitärische Gruppen – einschließlich islamistischer Organisationen – wurden seit Jahrzehnten von den USA eingesetzt, um gegnerische Regime zu beseitigen (N und R).

Spezifische Bedrohungen oder Aggressionen gegen die USA: Im Rückblick stellten sich die meisten dieser Behauptungen als falsch oder erfunden heraus (#13; z.B. Tonkin, Brutkastenbabys und Massenvernichtungswaffen).

Rohstoffe (insbesondere Öl und Gas): Selbst Feindstaaten wollen im Allgemeinen ihre Rohstoffe an den Westen verkaufen, werden aber durch Sanktionen oder Krieg daran gehindert. Denn aus imperialer Sicht wird ihre Unabhängigkeit und ihr Einfluss als Bedrohung angesehen.

Kapitalismus: 1917 beschrieb Lenin „Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, da kapitalistische Staaten Märkte für ihre Überproduktion erobern müssten. Aber selbst Feindstaaten wollen mit dem Westen handeln, werden aber durch Sanktionen oder Krieg daran gehindert.

Nationale Schulden: Die nationalen Schulden sind auch kein Grund für US-Kriege, da die USA ihr eigenes Geld durch die Fed schaffen. Außerdem tragen Kriege selbst immens zu den nationalen Ausgaben bei.

Waffenindustrie: Der militärisch-industrielle Komplex ist sicherlich einer der Hauptprofiteure von Kriegen, aber dies gilt auch für Länder wie Russland, China, Schweden und die Schweiz. Darüber hinaus folgen US-Kriege einer bestimmten Logik.

Der „Israel-Lobby“: Die israelische Regierung und pro-israelische Organisationen wie AIPAC haben für den Irakkrieg 2003 und einen Krieg gegen den Iran lobbyiert. Als hegemoniale Macht muss die USA jedoch von Ostasien bis Zentralafrika und Südamerika intervenieren, und selbst die Kriege im Nahen Osten folgen einer übergeordneten Logik.

Neoconservatives: Eine andere Hypothese besagt, dass US-Kriege von den sogenannten Neokonservativen vorangetrieben werden. Diese Idee wird jedoch durch die zahlreichen von den liberalen Clinton- und Obama-Regierungen initiierten oder fortgesetzten Kriege widerlegt (Jugoslawien, Somalia, Syrien, Jemen usw.).

Literatur:

Sylvan, David & Majeski, Stephen (2009): U.S. Foreign Policy in Perspective: Clients, Enemies and Empire. Routledge, London.

Blum, William (2014): US Military and CIA Interventions Since World War II – Updated Edition. ZED Books, London.

Brzezinski, Zbigniew (1998): The Grand Chessboard: American Primacy And Its Geostrategic Imperatives. Basic Books, New York.

Haass, Richard (2017): A World in Disarray: American Foreign Policy and the Crisis

Original article Teaser

The Logic of US Foreign Policy

Published: May 2018 Updated: February 2022 How can US foreign policy be explained in a systematic and rational way? The following chart – based on a model developed by political science professors David Sylvan and Stephen Majeski – reveals the longstanding imperial logic behind US diplomatic and military interventions around the globe.  Click to enlarge 🔎Due to its economic and military supremacy, the Unites States has been assuming the role of a modern empire since the Second World War and especially since 1990. This status implies a very specific, and a genuinely imperial, logic of action for its foreign policy (see figure above). The central distinction (#1 in the figure above) from the perspective of an empire is that between

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Categories: English, Medien, Politik, Quellen, Swiss Policy Research, UkraineTags: , Daily Views: 1Total Views: 8
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