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Raiffeisen-Leiter und Ehefrau sacken Erbe ein

In den letzten Wochen eines Menschen kann dessen Banker eine wichtige Bezugsperson werden. Im Fall einer reichen Baslerin war dies offenbar der Fall.

Jedenfalls vermachte die Frau vom Halbkanton Baselland ihrem Raiffeisen-Vertrauten 60’000 Franken, zudem setzte sie dessen Frau mit 150’000 Franken als ebenfalls Begünstigte in ihr Testament ein.

Zusammen kriegte das Banker-Paar 210’000 Franken. „als Dank für die Begleitung und die Unterstützung in den vergangenen Monaten“, so die Erblasserin in ihrer notariell beglaubigten „letztwilligen Verfügung“.

Bei den Hinterlassenen kam das nicht gut an. Laut einer Quelle hätte niemand im näheren Umfeld je eine Leistung der Frau des Bankers bemerkt.

Umgekehrt sei der Raiffeisen-Kadermann omnipräsent gewesen. Er habe sogar entschieden, was mit den nicht abgeholten Gegenständen in der letzten Bleibe der Verwandten passieren soll, nachdem eine Frist abgelaufen war.

Der Fall wirft die Frage auf, wie Banken mit dem Erbe von Kunden umgehen sollten. Macht es Sinn, dass ihre Angestellten als Begünstigte auftreten?

Diese geniessen je nach Erblasser ein enges Vertrauensverhältnis beim Verteilen des Vermögens der Scheidenden. Damit halten sie eine Schlüsselposition inne.

Habs im Griff, sage nix (RCH)

Theoretisch können sie darauf hinwirken, sich selber Gelder zuzuschanzen. Jede Bank braucht deshalb entsprechende Regelungen.

Bei der Raiffeisen heisst es dazu, solche gebe es selbstverständlich. „Für sämtliche Mitarbeitenden der Raiffeisen Gruppe gelten die Personalweisungen zum Umgang mit Geschenken und zu Interessenkonflikten“, so ein Sprecher.

Weiter wolle man nichts sagen. „Allfällige Einzelfälle kommentieren wir nicht.“ Auch auf Nachfragen: no comment.

Der Banker reagierte nicht auf eine Mail-Anfrage. Er leitet ein kleines Team bei der Raiffeisenbank Reinach in Baselland. Welche Aufgaben seine Frau für die Erblasserin vorgenommen hat, ist nicht bekannt.

Auch hier: Schweigen des Bankers.

Die Antwort der Raiffeisen-Zentrale in St.Gallen wirkt dürftig. Würde es eine klare Regelung im Umgang mit Kunden geben, die nicht mehr lange leben, dann könnte man diese offenlegen.

Es geht darum, dass jegliches Erbschleichertum verhindert wird. Jeder Vermögens-Berater sitzt schlicht zu nah beim Geld der Menschen im letzten Lebensstadium, als dass seine Arbeitgeberin ihm den Umgang nach eigenem Gutdünken überlassen könnte.

Im konkreten Fall der Frau standen die Angehörigen der Erblasserin nahe. Laut eigener Auskunft habe es kein Zerwürfnis gebeben.

Entsprechend perplex seien sie gewesen, als sie gemäss Testament mehr oder weniger leer ausgingen.

Das sei der freie Wille ihrer Angehörigen. Doch die Begünstigung des Banker-Paars wirke im Vergleich zu jener von kirchlichen Institutionen, die ebenfalls zum Zuge gekommen wären, befremdlich.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

Juli 22, 2021

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