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Software-Erfolgs-Bude ti&m: Ego-Show?

Der Aufstieg ist lang und zäh, der Fall oft steil und schnell. Wo steht die ti&m in diesem Zyklus? Laut Insidern kurz vor dem Knall. Der Aderlass im Personal nehme bedrohliche Ausmasse an.

Ein Sprecher der Banken-Software-Entwicklerin, die nun die Berrner Administration mit Covid-Lösungen beglückt, sieht das naturgemäss anders.

„Wir stellen keinerlei Probleme bei der Belegschaft fest“, so der Manager. „Wir sind auf Kurs mit unseren Anstellungen und werden in 2021 bei ca. 470 Mitarbeitenden landen und unsere Wachstumsziele erreichen.“

Auf der Homepage sind allein für den Hauptsitz der ti&m in Zürich-Altstetten 67 Jobs offen; dies bei einem Personalbestand von gut 330.

Das entspricht rund 20 Prozent. Für jede fünfte Position braucht es einen Mann oder eine Frau von aussen. Weil Informatiker derzeit Gold wert sind, kein leichtes Unterfangen.

In Bern sind sogar 26 Stellen neu zu besetzen, das entspricht über einem Drittel der auf der Webseite ausgewiesenen über 70 Jobs ingesamt.

Es herrsche ein Kommen und Gehen, so eine Auskunftsperson, ti&m sei quasi eine IT-Personalvermittlerin geworden. Die Jungen würden sich ködern lassen mit der Aussicht auf spannende Projekte. Rasch zeige sich dann, dass es stets an Ressourcen und Management-Aufmerksamkeit fehle.

Falsch, kontern der ti&m-Mann. „Wir starten nie Projekte ohne das notwendige Staffing und werden das auch weiterhin nie tun.“

Die Firma ist seit ihrer Gründung vor über 15 Jahren steil gewachsen. Übermorgen zelebriert sie ihr jährliches Personal- und Kundenfest auf dem Zürichsee. „Shake the Lake“ heisst es, zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder – diesmal ganz Covid-konform.

Geimpft, genesen, getestet – 3G: Nur wer eines der drei Kritierien erfüllt, darf teilnehmen. Dass am See alle draussen sind, interessiert die Chefs der ti&m nicht. Sie gehen auf Nummer Sicher.

Hinter ti&m steckt Thomas Wüst, ein Ex-Berater und ETH-Ingenieur, der nach aussen locker wirkt, laut Kritikern im Innern aber mit eisernen Hand den Betrieb führe. Wüst sei ein Ego-Manager, der neben sich keine starken Figuren dulde.

Kein Wunder, hätten viele Kaderleute das Unternehmen in den letzten Jahren verlassen. Tatsächlich ist ein grosser Teil der oberen Führung erst seit kurzem dabei. Umgekehrt sei der Chief Operating Officer der grosse Vertrauensmann des CEO, der jeden Befehl des Big Bosses kritiklos ausführe.

„Furchtbar aufgeregt“ habe sich Wüst, als die Sache mit dem SBB-Chef im Verwaltungsrat seiner ti&m zu Schlagzeilen geführt habe. Die Informationen für die Story hätten nur von intern kommen können, so Wüst‘ Vermutung.

Markus Jordi heisst der Manager, er ist Personalchef bei den Schweizerischen Bundesbahnen – ein Bigshot in der Berner Beamtenhierarchie.

Im Frühling wurde publik, dass die Zürcher Software-Schmide von der SBB in den letzten Jahren Aufträge über „Dutzende von Millionen“ Franken erhalten habe.

Beziehungen vom Feinsten. Thomas Wüst hatte sich verschätzt, er nahm Jordi per Ende Juli aus seinem VR. „Jordi hatte und hat nie Einfluss auf Vergaben irgendwelcher Art“, beteuerte der ti&m-Sprecher für diesen Artikel.

Der SBB-Spitzenmann habe auch „keinerlei Beziehungen zum BIT“. Gemeint ist das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation.

Dieses hatte Ende Mai, nur 2 Monate nach der Affäre mit dem Bahn-Manager, der ti&m den Auftrag über rund anderthalb Millionen Franken für das Covid-Impfzertifikat erteilt.

„Freihändig“, sprich ohne Ausschreibung und Wettbewerb, da die Zürcher „dank ihrer Erfahrung aus der JAVA-Entwicklung von unter anderem dem Backend der SwissCovid-App eine zeitnahe Lösung realisieren“ könnten, so die Begründung aus Bern.

Der Vorstoss nach Bern dauert somit an – ungeachtet des Rückschlags mit dem SBB-Personalchef im Verwaltungsrat. In Zürich geht es derweil darum, die vielen Kunden aus dem Banking bei Laune zu halten.

Darunter das VZ Vermögenszentrum. Dort sei es nach Projekt-Verzögerungen zu Unstimmigkeiten gekommen, meint eine andere Quelle.

Quatsch, reagiert der ti&m-Sprecher. „ti&m hat das VZ-Projekt im Rahmen einer Ausschreibung gewonnen, da der Kunde eine Legacy-Lösung ablösen musste. Der Kunde ist sehr zufrieden mit dem Projektverlauf und dem getroffenen Entscheid.“

Alles bestens also bei der Shooting-IT-Firma von Banking und Bern? Auf kununu.ch erhält die ti&m viele Top-Bewertungen.

Doch neuerdings finden sich immer wieder auch harsche Kritiken. „zum Glück bin ich raus.. Impfzwang?“ so eine von Mai. Und weiter:

„zwei Klassen; die einen machen ihre 42+ Woche, die anderen krümpeln sich darüber hinaus ab, weil Kündigungsangst etc. immer mal wieder überraschend, wenn plötzlich Arbeitsplätze leer bleiben…“.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

August 3, 2021

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