Categories: International, Justiz, Medien, Politik, unzensuriert408 words1,6 min read

Politische Hintergründe ausgespart: Prozess um Mord an tschetschenischem Videoblogger

Welche Rolle spielt das Regime des tschetschenischen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow tatsächlich beim Gerasdorf-Mord? Ob diese Frage beim Prozess am Landesgericht Korneuburg (Bild) geklärt wird, ist unsicher.

Foto: justiz.gv.at

Justiz    6. August 2021 / 12:21

Politische Hintergründe ausgespart: Prozess um Mord an tschetschenischem Videoblogger

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wird am Straflandesgericht Korneuburg heute, Freitag, der mutmaßliche Mord an einem tschetschenischen Videoblogger verhandelt. Am 4. Juli 2020 war in Gerasdorf bei Wien der Tschetschene Martin B. erschossen worden. Als mutmaßlicher Täter sitzt Sar-Ali A. auf der Anklagebank in Korneuburg. Trotz höchster Sicherheitsstufe soll die Mord-Anklage nur von einem gewöhnlichen Gewaltverbrechen ausgehen.

Politische Hintergründe und ein möglicher Auftragsmord, dessen Spuren bis nach Tschetschenien und zum dortigen Präsidenten Ramsan Kadyrow führen konnten, wurden von den Ermittlern und Strafbehörden anscheinend nicht im Detail verfolgt.

Kein konkretes Tatmotiv – Tatwaffe verschwunden

Konkret wird lediglich ein gewöhnlicher Mord mit einer Pistole Glock 17 vor den Geschworenen und Berufsrichtern in Korneuburg verhandelt. Der Angeklagte Sar-Ali A.  soll den unter dem Namen “Ansor aus Wien” bekannten Landsmann Martin B. mit Pistolenschüssen aus der Tatwaffe getötet haben.

Der Angeklagte A. soll in der tschetschenischen Gemeinschaft als Waffenhändler gegolten haben, das Tatopfer B. sol bei A. eine Glock gegen einen BMW eintauschen haben wollen. Das konkrete Tatmotiv soll in der Anklageschrift ungenannt geblieben sein, auch von konkreten Mittätern oder Auftraggebern soll keine Rede sein. Es soll lediglich ein Salman M. erwähnt werden, der abgesondert verfolgt wrid und der die Tatwaffe ins Ausland gebracht haben soll.

Morddrohungen und Geheimdienst-Aktivitäten

Gänzlich soll ein Zusammenhang mit Tschetschenien und dem dortigen Regime doch nicht unerwähnt geblieben sein. So soll in der Anklageschrift kurz darauf eingegangen werden, dass “Ansor aus Wien” in seinen Videoblogs das Regime des tschetschenischen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow öffentlich angeprangert habe.  Und deshalb soll es aufgrund dieser Tätigkeit mehrere Morddrohungen gegen das spätere Opfer gegeben haben.

Ein unmittelbarer Zusammenhang der Tat und diesen politisch motivierten Drohungen soll allerdings nicht hergestellt werden. Ungeklärt ist bisher auch, dass am 1. Juli 2020,  also nur drei Tage vor den Todesschüssen in Gerasdorf, der ukrainische Geheimdienst SBU eine Gerichtsentscheidung, in der Martin B. als Zeuge in einem ukrainischen Ermittlungsverfahren erwähnt wurde, aus einem öffentlichen Register gelöscht haben soll.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Leave A Comment

AUTOR

em

DATUM

August 6, 2021

SHARE
NEUE VIDEOS/AUDIOS

Ähnliche Beiträge