Polnisches Parlament.Foto: Omar Marques/Getty Images

Einen Tag nach dem Bruch der nationalkonservativen Koalition in Polen hat das Parlament dem umstrittenen Mediengesetz der Regierung zugestimmt. Mit 228 Ja- zu 216 Nein-Stimmen wurde das Gesetz am Mittwochabend in Warschau verabschiedet. Nach Ansicht von Kritikern bedroht das Gesetz die Pressefreiheit und könnte die Beziehungen zu den USA beeinträchtigen. Die Regierung in Washington äußerte sich „zutiefst beunruhigt“ über das Gesetzesvorhaben.

TVN rief den polnischen Senat und Präsident Andrzej Duda nach dem Votum im Parlament auf, das Gesetz noch zu stoppen. Der Sender bezeichnete die Abstimmung im Sejm als „beispiellosen Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Unabhängigkeit der Medien“. US-Außenminimister Antony Blinken erklärte, das Gesetz bedrohe die Medienfreiheit in Polen. Das Vorhaben verstoße gegen „die Prinzipien und Werte, für die moderne und demokratische Nationen eintreten“.

Knappe Entscheidung

Die Debatte über den Gesetzentwurf hatte die Abgeordneten stundenlang in Atem gehalten. Zunächst gewann die Opposition eine Abstimmung zur Vertagung der Sitzung auf Anfang September. Jedoch entschied Parlamentspräsidentin Elzbieta Witek von der regierenden PiS-Partei unter Protest der Opposition, die Abstimmung zu wiederholen. Diese gewann die Regierungskoalition dann mit Unterstützung der Anti-System-Partei Kukiz 15, was die Opposition mit Rufen wie „Gauner, Gauner!“ quittierte.

Die Abstimmung über das Mediengesetz ging dann schließlich mit 228 Ja- zu 216 Nein-Stimmen aus. Die Opposition zweifelt die Rechtmäßigkeit des neuen Gesetzes an und warf der Regierung vor, Stimmen für die Abstimmung gekauft zu haben. Zuvor hatte die Regierung am Mittwoch im 460 Sitze zählenden Unterhaus vier Abstimmungen verloren – so viele wie noch nie, seitdem sie im Jahr 2015 an die Macht kam.

„Die parlamentarische Mehrheit, die mit dem Schlamm von Korruption und Erpressung zusammengeklebt ist, bröckelt“, schrieb auf Twitter der ehemalige EU-Ratspräsident Donald Tusk, der die oppositionelle Bürgerplattform (PO) kommissarisch leitet. Dies könne noch eine Weile so weitergehen, die Koalition sei aber nicht mehr in der Lage, das Land zu regieren.

Kritiker sehen Verstoß gegen Grundsatz der Medienfreiheit

Durch das Gesetz soll es Firmen außerhalb Europas verboten werden, mehr als 49 Prozent an polnischen Medienunternehmen zu besitzen. Damit könnte der US-Medienkonzern Discovery gezwungen sein, die Mehrheit seiner Anteile am regierungskritischen polnischen Privatsender TVN zu verkaufen. Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen den Grundsatz der Medienfreiheit. Am Dienstagabend fanden deshalb in mehreren polnischen Städten Proteste gegen das Vorhaben statt.

Die Regierung hat bereits die vollständige Kontrolle über den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP, der zum Propagandaorgan der PiS geworden ist, sowie über einen Großteil der regionalen Presse.

Der Gesetzesentwurf zu dem umstrittenen Mediengesetz war einer der Auslöser für das tiefe Zerwürfnis zwischen der PiS von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und ihrem Juniorpartner, der Partei Verständigung. Am Dienstag kam es zum Bruch der Koalition. Die Partei Verständigung zog sich aus dem Regierungsbündnis zurück, nachdem Morawiecki ihren Vorsitzenden Jaroslaw Gowin als Vize-Regierungschef abberufen hatte.

Koalition geplatzt

In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen zwischen Gowins Partei und der PiS zugenommen. Anlass waren unter anderem geplante Steuererhöhungen, die der Vize-Regierungschef ablehnte. Gowin kritisierte zudem das geplante neue Mediengesetz, das nach seiner Ansicht gegen den Grundsatz der Medienfreiheit verstößt. Er warnte in diesem Zusammenhang auch vor einem Konflikt mit dem Verbündeten USA.

Das Ausscheiden der Partei Verständigung aus der Koalition mit der von Jaroslaw Kaczynski geführten Partei PiS bedeutet jedoch vorerst nicht das Ende der nationalkonservativen Regierung. Nach dem Rückzug ihres Juniorpartners ist die PiS nun auf die Unterstützung von Abgeordneten anderer Parteien aus dem rechten Spektrum angewiesen – wie bei der Abstimmung über das Mediengesetz. (afp)



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