«Alles von Gott ist geblieben: Bilder, Kreuze, Statuen. Sonst sind alle Sachen kaputt.»

Veröffentlicht am 16. August 2021 von StS.

Das ist die Geschichte von Peter und Monika aus Ahrbrück. Ich habe sie kennengelernt, als ich in diesem Ort das bekannt gewordene weisse Kreuz aufsuchte.

Sie waren die einzigen, die in dem schwer geschädigten Dorf in der Dämmerung vor ihrem Haus sassen, vor ihrem beleuchteten Haus. Als eines der ganz wenigen hat es weiterhin elektrisches Licht. Eine Oberleitung versorgt sie mit Strom. Alle im Boden verlegten Kabel hat die Flut herausgerissen.

Ich hatte noch Hilfsgüter in meinem Kofferraum und bot ihnen an, sich aus den Kartons zu bedienen. Wir kamen ins Gespräch, und sie luden mich ins Haus ein. Das Erdgeschoss ist leergeräumt; vernichtet von der Flut und ausgeräumt von ihnen und ihren Helfern. Rohbau, erneut.

Vor acht Jahren haben sie sich das Haus gekauft. Jetzt fangen sie wieder von vorne an, zum dritten Mal in ihrem Leben. Durch Krieg und Erdbeben in Kroatien haben sie schon zweimal alles verloren. Zudem traf sie die Flut an ihrem 32. Hochzeitstag.

Sie haben mir gerne gestattet, ihre Geschichte zu erzählen und ihre Bilder zu veröffentlichen. Das Video von ihnen stelle ich dennoch nicht ein; eine innere Scheu hindert mich. Zu nahe sind auch mir diese Schicksale gegangen.

Bei einem frischen Schluck Wasser sassen wir in dem Raum, der einmal ihre Küche war. Arbeit kommt auf sie zu. Aber die beiden sind zuversichtlich. Zu klar hat sie ihr Glaube schon durchs Leben getragen, um dieses ferne Licht nicht auch jetzt wahrzunehmen und ihm zu folgen.

Schon von draussen, durchs Fenster, hatte ich das angestrahlte Kreuz gesehen. Was hatte es damit auf sich? Grossartiges! Es war an dieser Wand das einzige, das trotz der Flut hängenblieben war. Das Wasser hatte das gegenüberliegende Küchenbuffet umgestürzt und auch die Schränke von der Wand gerissen. Alles Geschirr ging in die Brüche. Eine Heiligenstatue, die sich auf dem Buffet befand, stürzte mit um – aber sie bekam nicht eine einzige Schramme ab.

«Alles war am Boden, alles kaputt. Nur unsere Kreuze und die Jesus-Statue, die Bilder von der Heiligen Maria, dieses Kreuz vom Heiligen Franz und die Weihwasser-Flasche sind heilgeblieben. Und auch die Statue von unserem kroatischen Heiligen Stepinac ist ganz geblieben», erklärt Monika.

Peter ergänzt: «Alles, was gewesen von Gott, Bilder, Kreuze, alles ist geblieben. Sonst sind alle Sachen kaputt.»

Der Frieden, mit dem sie ihre Geschichte erzählen, stammt nicht von dieser Welt, dieser heimgesuchten. Er hat eine andere Quelle. Wir nähern uns ihr über das Wort – über jenes, das sie kurz vorher aus einem kleinen Stapel an Bibelversen gezogen hatten:

«Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.»

1. Petrus 5, Vers 7

Danke, ihr beiden, für diese wunderschöne Begegnung. Gott segne euch!

Lothar Mack – Stimme&Wort

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Lothar Mack, Jahrgang 1961,  stammt aus Oberfranken und lebt seit 1986 in der Schweiz. Nach seiner Ordination in der reformierten Kirche Baselstadt war er als Gemeindepfarrer und bei verschiedenen Hilfswerken und Redaktionen tätig. Sein kritischer Blick auf Kirche und Zeitgeschehen hat ihn in die Selbständigkeit geführt. Er sammelt und ermutigt Gleichgesinnte über Artikel und Begegnungen und ruft auch auf Kundgebungen zu eigenständigem, gläubigem Denken auf. Sein Ziel ist es, die gängigen Sackgassen von Spiritualität und Intellektualismus auf der einen und vordergründigem Moralismus auf der anderen Seite zu überwinden.

Denn «eine dritte Form, die hörende Kirche, wird die älteren Formen der Anbetung entlasten müssen»; Eugen Rosenstock-Huessy.