Kurz nachdem am Sonntagvormittag bekannt geworden war, dass die Taliban den Ring um die Hauptstadt geschlossen hatten, drangen erste Berichte über eine „friedliche Machtübergabe“ an die Öffentlichkeit, meldet derstandard.at. Die Regierung in Kabul habe kapituliert, obwohl sich Präsident Ashraf Ghani am Samstag noch in einer TV-Ansprache behauptet hatte, dass der Kampfgeist der Armee groß sei. Dabei seien die zuvor eroberten Städte nahezu kampflos gefallen. Korruption und Angst vor dem Terror hätten die Soldaten flüchten oder ihre Waffen den radikalen Islamisten übergeben lassen.

Präsident Ghani hatte das Land am Sonntag verlassen, offenbar sei der Präsident zunächst nach Tadschikistan ausgereist. Laut Al Jazeera sei Ghani mit Frau, Kindern, seinem Kabinettschef und dem nationalen Sicherheitsberater dann in die Hauptstadt von Usbekistan, Tashkent weiter gereist. Erst spät am Sonntag habe sich Ghani selbst via Facebook geäußert und angegeben, das Land verlassen zu haben „um Blutvergießen zu verhindern“.

Dass die Taliban die afghanische Hauptstadt so schnell einnehmen konnten, habe auch internationale Akteure zu mehr Eile getrieben. US-Präsident Joe Biden habe 5.000 Soldaten geschickt, um die Botschaft binnen 72 Stunden räumen zu können. Noch am Sonntagabend (Ortszeit) habe es von Seiten des US-Militärs geheißen, dass man die Evakuierung abgeschlossen habe und sich das gesamte Botschaftspersonal am Flughafen befinde.

Die deutsche Regierung habe am Sonntag zwei Truppentransporter nach Kabul starten lassen, um die rund 100 Staatsangehörigen aus dem Land zu bringen. In der Nacht auf Montag seien nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar gelandet. An Bord der Maschine seien auch vier Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan gewesen.

In einer ersten Mitteilung nach dem Fall Kabuls hätten die Taliban die Öffentlichkeit wissen lassen, dass Krankenhäuser und der Flughafen geöffnet blieben. Ausländer, die das Land verlassen möchten, dürften dies tun. Alle anderen müssten sich bei den Taliban registrieren. Am Abend sei von Schüssen am Flughafen berichtet worden.

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