Henryk M. Broder, Mitbegründer und Spiritus rector von achgut.com, ist heute 75 geworden. Wir dokumentieren Auszüge aus den Gratulationen in der Presse.

In der WELT schreibt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer:

„Broder war nie Mainstream. Immer Ironiker. Und gelegentlich Polemiker. Polemik ist in Deutschland verpönt. Sie gilt als unfein. Dabei ist sie eine so wichtige Ingredienz, um intellektuellen Einheitsbrei zu verhindern. Der Polemiker wirkt auf unterhaltsame Weise verstörend. Er enttarnt mit Temperament und Sprachwitz Vorurteile, Klischees und Denkfaulheit.“

„Broders Texte sind Stachel im trägen Fleisch des Juste Milieu. Er betreibt ironische Provokation als gesellschaftspolitisch nötige Kunstform – und ist der unbestrittene Florettmeister der polemischen Zuspitzung. Broder schafft es, dass 20-jährige Studenten sich genauso aufregen wie 80-jährige Pensionäre. Seine Kommentare und Interviews sind gefürchtet, weil er mit Pointen entwaffnet.“

„Broder ist ein herausragender Journalist und Autor – sprachlich und gedanklich in der Tradition eines Alfred Polgar und Karl Kraus. Oder besser noch: ein Tucholsky unserer Zeit, auch wenn das politisch auf den ersten Blick verwundern mag. Aber eben nur auf den ersten Blick. Und wenn man das Antiautoritäre als Grundmotiv nimmt, eben gar nicht mehr.“

Und zum Schluss fragt Döpfner: „PS: Warum bekommt so jemand eigentlich nicht das Bundesverdienstkreuz?“

Thilo Sarrazin schreibt in der Jungen Freiheit:

„Henryk M. „Broders Waffe war und ist die scharfsinnige Analyse unübersichtlicher, auch verlogener Verhältnisse und deren Entlarvung durch Satire und Ironie, oft polemisch zugespitzt“

„Hinter Broders publizistischer Rastlosigkeit und seiner oft polemischen Schärfe verbirgt sich ein sensibler Charakter, der häufig Angst um Deutschland hat. Er sieht dunkle Wolken über der freiheitlichen Republik, in die seine Eltern 1957 mit ihm auswanderten.“

Sarrazin, selbst hart im Nehmen, wünscht Broder „gute Gesundheit, mehr Distanz und Optimismus. Davon aber auch nicht zuviel, denn dann wäre Broder nicht mehr Broder“.

„Unser aller Vorbild, unser Vorkämpfer“

WELT-Chef Ulf Poschardt lobt seinen Autor in der Jüdische Allgemeinen:

„Henryk M. Broder hat das Geheimnis der Renitenz gelüftet: Sie hält jung.“ Und diese Renitenz habe er „mit einer Art Superwaffe versehen: dem Humor.  Es gibt keinen Text von ihm, dem vorbildlichen und wunderbaren und unermüdlichen Kollegen und Idol, in dem ich beim Lesen nicht mindestens einmal laut auflache. Staunend sehe ich mir Sätze oder Wortreihen an, weil Broder damit stets Dinge macht, auf die man nur kommt, wenn man auch der Grammatik und Syntax eine fast romantische Renitenz entgegenbringt. Es entsteht dabei die ganz unverwechselbare Broder-Melodie, lieblich und heiter, mit Pointen, hinter denen sich ein Abgrund auftun kann.“

„In der Heerschar der Gleichgestreichelten ist Broder der radikale Gegenentwurf. Wie alle echten Rebellen, die nicht verhätschelte Rebellendarsteller sind, nimmt er sich stets mit aufs sogenannte Korn.“

„Broder ist ein melancholischer Existenzialist. Er riskiert mehr, als sich Radikalitätsdarsteller das vorstellen können.“

„Henryk M. Broder ist unser aller Vorbild, unser Vorkämpfer, eine genialische Mischung aus Tuvia Bielski und Ludwig Börne.“

Und auch der Theater-Mann und Achgut-Autor Gert Buurmann weiß Henryk Broder in seiner Laudatio zu würdigen, indem er ihn mit Heine vergleicht:

„Heute wissen wir, was der Hauptgrund für das Heine-Bashing war: Heine war immer klar und direkt. Er war ein spöttischer Denker, ein humorvoller Philosoph, ein Reisender mit Witz. Oft lüftete er das Mieder der deutschen Sprache. Er kritisierte Religionen und Majestäten auf das Schärfste. Seine Kritik traf Rechte wie Linke.

Henryk, Du bist wie Heine. Du bist ein Charakter, der sich selbst keinen Maulkorb verpasst, aus Angst, die Falschen könnten ihn zitieren. Du schreibst aus Liebe und Lust zum Leben.“

Chaim Nolls Homage zu Henryk Broders 75. auf Achgut.com finden Sie hier.