Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU).Foto: JENS SCHLUETER/AFP via Getty Images

Der Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet (CDU), plädiert für direkte diplomatische Kontakte zu den radikalislamischen Taliban in Afghanistan. „Die Kunst guter Außenpolitik besteht gerade darin, mit solchen Staaten zu Lösungen zu kommen, deren Ziele und Menschenbild unsere Gesellschaft zu Recht ablehnt“, sagte Laschet der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitagsausgabe). Den Dialog mit den Taliban zu verweigern, helfe den Menschen nicht, die aus Afghanistan hinauswollten, fügte er hinzu.

Auch die dort nun wieder geltende strenge islamische Rechtsordnung der Scharia sei kein Hinderungsgrund für Gespräche, betonte Laschet. „Die Scharia ist grausam – und ich lehne sie aus tiefstem Herzen ab“, sagte der CDU-Vorsitzende. „Den Menschen aber hilft, Druck auf die Taliban auszuüben. Das bedeutet auch, miteinander zu sprechen.“

Die Bundesregierung hat den Diplomaten Markus Potzel zu Verhandlungen mit Taliban-Vertretern in die katarische Hauptstadt Doha entsandt. Potzel führt dort nach Angaben des Auswärtigen Amts seit Mittwoch Gespräche, um darauf hinzuwirken, dass afghanischen Staatsbürgern eine sichere Ausreise ermöglicht wird.

Laschet bekräftigte, dass ein neuer, ungeregelter Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland verhindert werden sollte. „Es gibt sicher eine große Bereitschaft, die Menschen aufzunehmen, die uns in Afghanistan geholfen haben, und darüber hinaus auch besonders bedrohte Menschen“, sagte der Spitzenkandidat der Union. Die Furcht vor den Taliban könne wohl jeder nachvollziehen. „Gleichzeitig gibt es aber auch den Wunsch nach einer geordneten Migration“, sagte Laschet. Dafür sei es wichtig, internationale Organisationen wie den UNHCR oder Unicef sowie die Nachbarländer Afghanistans zu unterstützen. Es sei „die Priorität, Hilfe in der Region zu leisten“, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Der CDU-Chef sprach sich darüber hinaus gegen kurzfristige personelle Konsequenzen infolge der politischen Fehleinschätzungen der Lage in Afghanistan aus. Die Aufarbeitung müsse und werde kommen. Jetzt sei aber „die Zeit der Rettung“. Er betonte: „Die Fehler müssen wir aufklären, aber nicht inmitten eines gefährlichen Einsatzes der Bundeswehr, um Menschenleben zu retten.“ (afp)



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