Menschen warten in Kabul auf ihre Ausreise.Foto: WAKIL KOHSAR/AFP via Getty Images

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan erschwert die weiterhin unübersichtliche Lage am Kabuler Flughafen die Evakuierungsmaßnahmen westlicher Länder erheblich. Es sei eine „große Herausforderung“, die Menschen in die bereitstehenden Flugzeuge zu bringen, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag. Die Taliban forderte er auf, die Evakuierungen nicht zu behindern. Die Vereinten Nationen warnten vor einer humanitären Katastrophe in Afghanistan.

Die Bundeswehr flog bislang mehr als 1.700 Menschen aus. „Unsere Soldaten leisten gerade unter schwierigsten Bedingungen Herausragendes“, erklärte das Verteidigungsministerium. Demnach werden auch zwei Hubschrauber nach Kabul verlegt.

US-Präsident Joe Biden ist wegen der Entwicklung am Hindukusch nach dem von ihm angeordneten Truppenabzug heftig in die Kritik geraten. Der US-General und ehemalige Oberbefehlshaber in Afghanistan, David Petraeus, widersprach der Darstellung Bidens, fehlender Kampfeswille der afghanischen Armee sei für die Machtübernahme der Taliban verantwortlich.

„Sie hatten plötzlich keine Rückendeckung mehr“, sagt Petraeus dem NDR. „Wie kann man von Streitkräften erwarten, dass sie kämpfen, wenn sie wissen, dass keiner mehr zur Unterstützung kommt?“

Die Vereinten Nationen warnten vor einer Verschärfung der Hungersnot in dem bitterarmen Land. „Jeder dritte Mensch“ sei von schwerem oder akutem Hunger bedroht, sagte die Leiterin des Welternährungsprogramms (WFP) in Afghanistan, Mary-Ellen McGroarty, der Nachrichtenagentur AFP. Demnach sind bereits 14 Millionen Menschen betroffen.

Unterdessen wächst in Afghanistan die Furcht vor Racheakten der Taliban an heimischen Regierungsmitarbeitern und Nato-Ortskräften. Zwar hatten die Islamisten nach ihrer Machtübernahme eine Generalamnestie für alle Regierungsmitarbeiter verkündet – doch laut einem UN-Bericht führt die Miliz eine „Prioritätenliste“ von Menschen, die sie festnehmen wolle. Die Taliban suchten demnach Häuser der Zielpersonen und ihrer Familien auf.

Die Islamisten bekräftigten, dass es ihren Kämpfern verboten sei, Privatwohnungen zu betreten. Das hochrangiges Mitglied Nasar Mohammed Mutmaeen gab allerdings zu, dass einige Kämpfer sich nicht daran hielten – „möglicherweise aus Unwissenheit“, wie er auf Twitter schrieb. „Wir schämen uns und haben keine Antwort darauf.“ (afp)



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