Die Politik der Bundesregierung zeigt ihre dramatischen Folgen: Im Chaos von Kabul ist keine gezielte Politik mehr möglich. Während echte Ortskräfte und deutsche Staatsbürger in Kabul festsitzen, scheint man wahllos Leute auszufliegen, die es irgendwie zum Flughafen schaffen.

IMAGO / ZUMA Wire

Am Flughafen Kabul herrscht Chaos – fast so viel Chaos wie in den Ressorts der Bundesregierung, die mehr schlecht als recht Evakuierungen aus dem gefallenen Land Afghanistan durchführen. Während nach wie vor eine unbekannte Anzahl deutscher Staatsbürger in Afghanistan festsitzt, nehmen andere in den Bundeswehrmaschinen Platz und ergreifen ihre Chance, nach Deutschland zurückzukehren: Einem aus Deutschland abgeschobenen Straftäter ist an Bord eines deutschen Evakuierungsfluges die Wiedereinreise gelungen. Jetzt ist er in Deutschland gelandet – eine Abschiebung wird aller Voraussicht nach nicht mehr möglich sein. Auf Nachfrage der „Welt am Sonntag“, warum der Kriminelle an Bord der deutschen Maschine kommen konnte, erklärte das Verteidigungsministerium: „Ein Abgleich mit internationalen Datenbanken sowie eine Abnahme von Fingerabdrücken ist aufgrund der Situation vor Ort nicht möglich.“

Deutschlands Sicherheit wurde einst angeblich am Hindukusch verteidigt – Deutschlands Grenzsouveränität offenbar nicht. Während Ortskräfte schutzlos durch Kabul irren und sich noch deutsche Staatsangehörige im Land befinden, fliegt die Bundeswehr abgeschobene Straftäter zurück nach Deutschland. Bei der Überprüfung der Auszufliegenden in Kabul würden Ausweise kontrolliert, Personenkontrollen sowie ein Abgleich mit der Berechtigungsliste des Auswärtigen Amtes durchgeführt, meint das Verteidigungsministerium. Stand der Straftäter auf einer Berechtigungsliste? Hoffentlich nicht. Kontrollierte man seinen Ausweis? Offensichtlich nicht. Sonst wären Evakuierungsflüge nicht die zweite Chance für Kriminelle, wieder nach Deutschland einzureisen – in dem Wissen, dieses mal vor einer Abschiebung geschützt zu sein.

Es könnte kaum ein passenderes Symbol für das katastrophale Krisenmanagement Berlins geben: Während das deutsche Botschaftspersonal in Kabul – von seinem Dienstherren in Berlin im Stich gelassen – selbstständig die eigene Evakuierung starten und organisieren musste, fliegt die deutsche Bundeswehr Straftäter zurück ins Land. Unfreiwillig, versehentlich – aber am Ende eben doch.

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