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Von Wölfen, romantischen Städtern und Deichen ohne Schafe

Das Bundesamt für Naturschutz glaubt in einer Studie, dass Deutschland noch Platz für 14.000 Wölfe biete, sagt aber nicht dazu, dass es dann keinen Raum mehr für Schaf, Rind und Pferd auf der Weide geben kann.

IMAGO / STAR-MEDIA

Europäischer Wolf (canis lupus)

Für Kay Krogmann ist am Ende dieses Jahres Schluss: Er gibt auf. Er hat die Deichschäferei, die seine Familie betrieben hat, fortgeführt. Die Schafe sind wichtig für die Deiche, sie fressen das Gras kurz, düngen gleichzeitig und vor allem trampeln sie den Boden fest. Das hält die Deiche zusammen, ein wirkungsvoller Hochwasserschutz.

Doch er ist es leid, immer häufiger morgens aufzuwachen und zu sehen, was der Wolf wieder angerichtet hat. Er verkraftet es mental nicht mehr, nachts aufzuwachen und mitzubekommen, wie Wölfe unter seinen Schafen wüten. Wehren darf er sich nicht mehr, außer Steine werfen und Rufen erlauben ihm die Gesetze keine wirksame Abwehr der Wölfe mehr. Die wurden von den »Umwelttrupps« in Ministerien und Verwaltung entsprechend formuliert.

So wird der wichtigste Deich für das Hamburger Hinterland an der Elbmündung ab dem kommenden Jahr nicht mehr gepflegt. »Entweder will man Weidehaltung oder man ein Raubtier hier haben«, sagen auch andere Schäfer an den Deichen.

Krogmann ist nicht allein, immer mehr Schäfer geben ihre Schafhaltung auf, weil der Wolf in ihre Herden gefallen ist. Hohe Zäune in der Landschaft helfen nicht wirklich, Herdenschutzhunde sind aufwendig und können auch dem Menschen gefährlich werden. Und nein, es sind keine Anblicke für zartfühlende städtische Gemüter, die sich mit der Natur eins meinen. Dem Wolf ist ziemlich egal, was ihm vors Maul kommt. Hunger ist Hunger, da wird gerissen, was vor die Schnauze kommt. Nicht erst mitfühlend betäubt, sodass das Tier nichts mehr merkt. Wie das ein gelernter Metzger tut.

Fast alle Bilder von gerissenen Schafen und Rindern zeigen weit aufgerissene Hinterschenkel. Der Wolf reißt von hinten kommend das Tier bei lebendigem Leib auf, und frisst es an. Dabei gerät er in einen regelrechten Blutrausch, er beschränkt sich nicht nur auf ein Tier, sondern reißt so viele Tiere wie möglich. Nur Tiger könnten ihm gefährlich werden, doch die gibt es hierzulande nicht mehr.

Er macht auch nicht mehr vor Pferden halt. In Niedersachsen, dem Zuchtgebiet der Hannoveraner, griff Mitte Juni ein Wolfsrudel eine Herde von zehn Pferden auf der Weide an und richtete ein Blutbad unter den Pferden an. Die Pferde wollten fliehen und durchbrachen den Weidezaun, der nach den offiziellen Richtlinien gebaut war. »Wolfsmanager« behaupteten bisher steif und fest, dass Großpferde-Herden nicht angegriffen würden. Ein fürchterlicher Irrtum.

Auch nicht mehr neu ist, dass sie sogar in Mutterkuhherden einfallen, die ihre Kälber sehr aggressiv verteidigen. Am 26. Mai fand eine Familie in Wippingen eine ihrer hochtragenden Kühe zerfleischt auf der Weide – 20 Meter neben dem Wohnhaus. Ein Wolf hatte das 800 Kilogramm schwere Tier angefallen.

Der Landwirt: »Ich denke, das größte Problem ist, dass die Wölfe komplett die Scheu vor den Menschen verloren haben.« Die Mitarbeiter der örtlichen Kita führen keine Waldspaziergänge mit den Kindern mehr durch.

Die Meldungen quer durch Deutschland häufen sich. Im romantischen Münstertal im Südschwarzwald hat ein Wolf im April zwei Ziegen gerissen und sorgt seitdem für helle Aufregung unter Landwirten. »Der Wolf bleibt im Münstertal das Mega-Thema« berichtet die Badische Zeitung. Dort hat Wolf »GW1591m« Ziegen getötet.

In Österreich riss im Juli ein Wolf in den Kitzbüheler Alpen 16 Schafe und hinterließ ein Bild des Grauens: Blutende Schafe mit aufgerissenen Leibern blökend vor Schmerz. Was der Wolf nicht vollendet hat, müssen die Hirten erledigen, die Schafe von ihrem Leid erlösen.

In Cuxhaven spaziert ein ausgewachsener Wolf durchs Watt, eine entgeisterte Urlauberin fotografiert ihn. Der Wolfsberater des Landkreises Cuxhaven, Hermann Kück, bestätigte gegenüber NDR.de, dass es sich bei dem Tier zweifelsfrei um einen ausgewachsenen männlichen Wolf handelt. »Vielleicht wollte der Wolf gucken, ob es da noch weitergeht.« Der bekundete auch ungerührt, dass in jüngster Zeit auf den Deichen eine Reihe von Schafen gerissen worden seien.

Züchter und Pferdehalter in Niedersachsen fordern, dass der Wolf gejagt werden darf. Die Bestände, so argumentieren sie, hätten bereits jegliche Scheu verloren. Bisher nur vor Großtier-Herden, sicherlich bald auch vor Menschen.

Die reinen Schäden für Nutztierhalter steigen dramatisch an. Im Jar 2000 wurden die ersten Wölfe in Deutschland angesiedelt, seitdem werden sie mehr.

»Wolfsmanagementplan« und ähnlich heißen die Wortungeheuer aus den Verwaltungsstuben, in denen sorgfältig das »Monitoringjahr« (beginnt am 1. Mai eines Jahres und endet am 30. April des darauffolgenden Jahres), das aktive und passive Wolfsmonitoring beschrieben wird.

Immerhin wissen sie: »Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und Brandenburg stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Es gilt die Balance zwischen dem gebotenen Schutz eines ehemals ausgerotteten heimischen Wildtiers und den berechtigten Interessen der davon betroffenen Landbevölkerung – insbesondere der Nutztierhalter – zu wahren und so ein Zusammenleben von Mensch und diesem geschützten Tier unter den Bedingungen der heutigen Kulturlandschaft zu ermöglichen. Der Wolf findet in dieser Kulturlandschaft gute Lebensbedingungen vor. Es ist daher zu erwarten, dass er sich in Brandenburg und Deutschland weiter ausbreitet und auch zahlenmäßig weiter zunehmen wird.«

Im »Wolfsmanagementplan« Brandenburgs heißt es wortreich: »Beim Umgang mit dem Wolf sind verschiedene internationale und nationale Rechtsvorschriften (Washingtoner Artenschutzabkommen (AnhangII), Berner Konvention (AnhangII), EG Verordnung 338/97 (Anhang A), FFH Richtlinie 92/43/EWG (Anhang IIund IV), Bundesnaturschutzgesetz, Tierschutzgesetz, brandenburgisches Naturschutzausführungsgesetz) und einschlägige Urteile des Europäischen Gerichtshofes und deutscher Verwaltungsgerichte sind zu berücksichtigen. Gemäß Anhang II der FFH-Richtlinie ist der Wolf eine Art von gemeinschaftlichem Interesse (prioritäre Art). Die EU verlangt von den Mitgliedsländern, dass sie für diese Arten den Fortbestand eines günstigen Erhaltungszustands gewährleisten bzw. – soweit sich die Art noch nicht in einem solchen Erhaltungszustand befindet – herbeiführen.«

Sie sind geschützt – auch in menschlichen Siedlungen. Das hat gerade der Europäische Gerichtshof entschieden. (Urt. V. 11.06.2020, Az. C-88/19).

Der Schutz für die Tiere gelte »unabhängig davon, ob sie sich in ihrem gewöhnlichen Lebensraum, in Schutzgebieten oder aber in der Nähe menschlicher Niederlassungen befinden«, heißt es in der Mitteilung des Gerichtshofs. Ausnahmen von den Regeln seien nur dann zulässig, wenn etwa die öffentliche Sicherheit oder die Volksgesundheit bedroht würden.

Sie vermehren sich schneller als geplant. »Es gibt so viele verkehrstote Wölfe, das sind nicht so wenig, wie man uns das glauben machen will«, sagt Maike Schulz-Broers, selbst in der Landwirtschaft tätig. Sie hat die Initiative »Wölfe vs Land e.V.« ins Leben gerufen, um massiv Druck aufzubauen gegenüber »der fatalen Wolfspolitik, die durch NGOs gesteuert und befeuert wird«. Schulz-Broers: »Die Gefahr, die das birgt, verkennen alle!«

»Die wiedereingeführten Wölfe in Deutschland werden von Politik und Tierorganisationen gegen jede Vernunft und gegen die Bedürfnisse des Tierschutzes unter unnatürlichen Vollschutz gestellt.«

Es baut sich ein heftiger Gegensatz zwischen Betroffenen und den Wolfsfreunden auf. Es ist eine ähnliche Auseinandersetzung, wie sie zwischen romantisierenden Städtern und Landbewohnern stattfinden, die die Realität in der Natur sehen. Die versammelten Verbände wie NABU und BUND, die mittlerweile zu einer mächtigen Industrie angewachsen ist, beharren ebenso wie ihre Verbündeten in Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt weiterhin auf einem strikten Wolfsschutz.

Der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth, weiß sehr genau, wie er die Spaltung vorantreibt und Konflikte schürt. Gerade hat er die neue Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) vor der Ausbreitung von Fake News und der emotional geführten Auseinandersetzung mit den Bauern gewarnt. Bei ihrer Amtseinführung wies er auch auf das hoch emotionalisierte Thema Wolf hin – gerade so, als ob es ausschließlich um die Befindlichkeit einer Landbevölkerung gehe, die der Zerfleischung ihrer Tiere zusehen muss. So wie in früheren Jahrhunderten die adeligen Feudalherrscher von oben herab über ihre Untertanen redeten, als seien die ohne Wert.

Das BfN glaubt in einer Studie, dass Deutschland noch Platz für 14.000 Wölfe biete, sagt aber nicht dazu, dass es dann keinen Raum mehr für Schaf, Rind und Pferd auf der Weide geben kann.

Der Wolf, so er verletzt wird, hat Anspruch auf eine ärztliche Behandlung. Die gerissenen Schafe beispielsweise interessieren die Wolfsfachleute nicht, sie werden tödlich verletzt liegen gelassen. Nur für den Wolf rückte ein Wolfsmobil an und kümmert sich um ihn, wenn er zum Beispiel von einem Auto angefahren wurde.

Schäfer müssen dagegen hoffen, dass es reinrassige Wölfe sein sollten, die die Schafe des Schäfers zerfetzen. Denn nur dann gibt es eine kleine Entschädigung, die allerdings kaum ausreicht.

Ein gutes Geschäft wiederum für Naturschutzbund NABU und BUND und Co. Sie selbst sind erschreckend unfähig, Tiere zu halten. Immer wieder müssen Bauern Pferde retten, die von den »Umweltschützern« völlig verwahrlost auf gekauften Flächen stehen. Doch sie wissen genau, was auf dem Speiseplan des Wolfes steht – nicht der Mensch! Ob sie das einem hungrigen Wolf im Winter auch klarmachen können, wenn der ein Kind vor sich sieht? Die »Fachgruppe Wolf« freut sich, dass es auch in Hamburg und Schleswig-Holstein mittlerweile Spuren und Sichtungen von Canis Lupus gibt.

Wundervolle Anblicke – sagen Städter. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken dagegen schimpft: »Ein Affront für alle Weidetierhalter!« Es sei »grotesk und unverantwortlich«, vor dem Hintergrund von massiven ungelösten Problemen mit der Ausbreitung des Wolfes in Deutschland mit einer Vervielfachung des aktuellen Bestandes zu kalkulieren. »Mit einem Wolfsbestand in dieser Größenordnung würde die Weidetierhaltung zur Wolfsfütterung degradiert«, so der Verbandsvertreter.

Doch die Stimmung kippt. Es werden sich immer mehr Menschen bewusst, dass eine Ansiedlung von Wölfen doch nicht eine reine Spaßangelegenheit ist. Sie schränken das Leben der Menschen auf dem Land massiv ein. Eltern verbieten ihren Kindern das Reiten durch die Landschaft. Taucht ein Wolf plötzlich vor dem Pferd auf, wirft das sofort Last ab und flieht. Last, das ist in dem Fall das Kind, das nun allein dem Wolf gegenüber steht. Pferde nachts auf der Koppel stehen lassen, geht auch nicht mehr.

Eine Aussage der »Landbevölkerung« hört man unisono: Wenn dem ersten Kind etwas durch Wölfe passiert, sollten sämtliche »Wolfsbetreuer«, »Wolfsbegutachter«, »Wolfsmanager« und sonstige Nutznießer ihre Beine in die Hand nehmen und so schnell, wie so können, verschwinden.

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AUTOR

Holger Douglas

DATUM

Oktober 11, 2021

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