Total verstrahlt: Es gibt keine perfekte Welle

Bild: Freepik

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Die Hysterie über einige Reizthemen führt dazu, dass die Menschen bei „Strahlung“ zuerst an die Schauermärchen über Atomkraft denken – und bei „Wellen“ an Corona. Tatsächlich sind wir von unsichtbaren elektromagnetischen Wellen, Feldern und Strahlen umgeben – und hinterfragen diesen Umstand gar nicht. Obwohl Experten vor medizinischen Problemen warnen, werden Kritiker als fortschrittsfeindlich oder gar als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt.

Es ist der letzte Schrei aus der Werbung: Wer etwas auf sich hält, holt sich das neueste 5G-Handy. Erneut kommt ein neuer Mobilfunkstandard raus – und 6G folgt noch vor 2030. Bei 5G verspricht man sich Datenraten von 10 Gigabit/Sekunde, Echtzeitübertragungen und niedrige Latenzzeiten. Gleichzeitig verfünfzehnfacht sich im Endausbau die Frequenz der Millimeterwellen (24-40 Gigahertz) zum bisherigen Standard LTE Advanced (1,8-2,6 GHz). Notwendig ist dann auch ein engmaschigeres Netz an Sendestationen sowie Antennen in Innenräumen, weil diese zu kurz sind, um massive Wände zu durchdringen. Bei 6G stehen sogar Frequenzen bis 300 GHz und Datenraten bis 400 Gbit/s an. Eine Echtzeit-Überwachung des öffentlichen Raums wäre greifbar.

Strahlenschutz oder wirtschaftliche Interessen

Die hochfrequenten Wellen lassen auch die Sorgen vor gesundheitlichen Folgen hochkommen. Zwar dringen sie weniger Tief ins Gewebe – könnten aber vor allem Haut und Augen beeinträchtigen. Gerade weil sich in der Haut wichtige Immunzellen befinden, wird befürchtet, dass der Körper systemisch in Mitleidenschaft gezogen wird. Sogar das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz weist auf Forschungsbedarf hin. Eine luxemburgische Übersichtsstudie aus dem Jahr 2020 kam nach der Analyse von 83 Studien zum Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen Insektensterben und elektromagnetischer Strahlung gibt. Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, der die Studie für plausibel hält, mahnte: „Panik ist nicht angebracht, aber vorsichtiger Umgang ist allemal geboten.“

Kritiker lächerlich gemacht

Für die Befürworter spielt die Technologie alle Stücke, auch Globalisten von Weltwirtschaftsforum (WEF) & Co. träumen von der totalvernetzten Zukunftsdystopie zwischen dem „Internet der Dinge“ und dem „Internet der Körper“. Hochfrequente, hochleistungsfähige Datennetze begünstigen ihre Vision. Derweilen findet nicht einmal eine technische Debatte statt – und Corona ist ein Baustein dafür, 5G-Kritiker aus dem Diskurs auszuschließen.

Eine Spirale der Panikmache gab dem Mainstream die Gelegenheit. Als das Virus aufkam, faselten Politiker von „Hunderttausenden Toten“. Viele glaubten die Propaganda, auch ein kleiner Teil von 5G-Kritikern. Sie erinnerten, dass Wuhan zum ersten Testgebiet für das hochfrequente zweite Frequenzband wurde – nur wenige Monate vor dem Ausbruch der sogenannten Pandemie. In der allgemeinen Seuchenangst entstand die These, die Technologie mache empfänglicher für das Virus, man witterte sinistre Pläne. Unbekannte begingen in Großbritannien drei Brandangriffe auf Masten.

Aufbauend auf einem Artikel des englischen Boulevardblattes „Sun“ ging die Geschichte der „Verschwörungsverrückten“, die 5G-Masten abfackeln, um die Welt. Aus einer Randerscheinung machten einschlägige Akteure ein vermeintliches Massenphänomen. Über die Klammer „Verschwörungstheorien zu Corona“ konnten sie nun kritische Stimmen in gleich zwei zentralen Themenkomplexen wegwischen, indem man sie – notfalls gemeinsam – der Lächerlichkeit preisgab.

Gefahr für die Gesundheit

Dabei war die Sorge nicht unbegründet. Dass hohe Wellenbelastung gesundheitliche Schäden verursachen kann, ist unstrittig. So erkennt die Bundeswehr eine hohe dreistellige Zahl von Krebserkrankungen an, die zwischen 1950 und 1980 ursächlich auf dienstliche Tätigkeiten bei militärischen Radaranlagen zurückgehen. Auslöser war die Überschreitung von Grenzwerten infolge fehlender Abschirmungstechnik. Wie stark die sogenannte Elektrosensibilität beim Menschen insgesamt ist, ist nicht letztgültig geklärt. Anlässlich des 5G-Ausbaus unterzeichneten renommierte Wissenschaftler schon 2017 einen Appell zur weiteren Erforschung der Technologie. Der Strahlenmediziner Juri Grigorjew, langjähriger Vorsitzender des russischen Komitees zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung, wies darauf hin, dass die Internationale Agentur für Krebsforschung bereits feststellte, dass die entstehenden elektromagnetischen Felder Hirntumore fördern. US-Forscher wiesen dies im Tierversuch bereits bei den Standards 2G und 3G nach. Sogar die WHO räumt ein: Handystrahlung kann Krebs fördern. Eine australische Langzeitstudie hingegen stellte einen messbaren Anstieg der Hirntumore in Abrede.

Elektrosmog und die Umwelt

Ob auch empfundene Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder messbar ist, darüber scheiden sich die Geister. Eine holländische Studie erkannte 2003 einen Zusammenhang beim UMTS-Standard, nicht aber beim GSM-Standard. Andere Forscher kamen zum umgekehrten Ergebnis oder sahen keine Korrelation. Ein Bericht im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Umwelt wiederum fand „ausreichende Evidenz“ für den Einfluss elektromagnetischer Hochfrequenzstrahlen auf menschliche Hirnströme. Die Biologin Isabel Wilke, Redakteurin des Elektrosmog-Reports, spricht sogar von einer möglichen DNA-Schädigung bei Überexposition. Ihr Review von über 100 Studien kam zum Schluss, dass eigentlich sogar von W-LAN-Anwendungen in Schulen abzuraten sei. Die Zweifel an der Messbarkeit kann jedenfalls auch mit der durchtechnisierten Welt zu tun haben. Der Alltag findet selten unter Laborbedingungen statt, gleichzeitig vertrauen immer mehr Anwendungen auf derartige Wellen, die wir oft nicht wahrnehmen. Nicht nur Handy oder W-LAN, sondern auch NFC-Bezahlung, moderne Kfz-Technologie und sogar das Babyfon lassen elektromagnetische Felder entstehen. Sogar die Technik könnte leiden: die US-Luftfahrtaufsicht FAA fürchtet bei 5G gefährliche Interferenzen mit der Flugzeugelektronik im Landemodus.

Ruhe im Strahlenfeld

Über das Ausmaß an Exposition haben wir im öffentlichen Raum kaum Einfluss. Eine dauervernetzte 5G-Welt erhöht diese. Die Menschen in den „Smart Cities“ der Zukunft können ihr endgültig nicht mehr entkommen. Sendeanlagen werden dann „fast überall“ stehen, um die Netzinfrastruktur gewährleisten zu können. Das bei aller technischen Entwicklung nötige sprichwörtliche „zur Ruhe kommen“ wird erschwert. Folgender psychischer Stress könnte sich erneut auf das Immunsystem der Menschen auswirken, es droht ein Teufelskreis.

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