Das mit der Kritik ist so eine Sache. Man äussert sie gern, schnell und oft, bei der Entgegennahme derselbigen, oder der vielzitierten Selbstkritik, hapert es in der Regel.

„Bleiben sie uns treu, bleiben sie kritisch“, meint der bekannte TV-Mann Sandro Brotz jeweils in seinen Arena-Runden.

Der gleiche Brotz versteht jedoch schnell keinen Spass mehr, wenn die Kritik ihn selbst trifft. Denn trotz seines hochtrabenden TV-Versprechens, für uns „da“ zu sein, hat mich Brotz nach einem kritischen Votum auf Twitter umgehend blockiert.

Dabei war es Brotz selbst, der sich vor einiger Zeit auf einen meiner Artikel in der Basler Zeitung per Mail bei mir meldete.

Dompteur der eigenen Sorte (SRF)

Ich hatte in meinem Text „Die SRG mag keine Juden„, in dem ich die unausgewogene SRF-Berichterstattung zu Israel anhand zahlreicher Beispiele belege, seine „Rundschau“-Anmoderation eines propalästinensischen Beitrags mit dem tendenziösen Titel „Westjordanland-Bauen für die Besatzer“ zitiert, der es mit den Fakten nicht so genau nimmt.

Brotz bezeichnete darin mit betroffener Miene das von der Palästinensischen Autonomiebehörde regierte Westjordanland, wo Kentucky Fried Chicken, Starbucks oder die trendigen Kleiderketten Mango und Lacoste ihre Filialen haben und es gemäss Booking.com allein in Ramallah mehrere Luxushotels gibt, zwei davon mit fünf Sternen, als „Gefängnis“.

Hier, hier und hier ein paar Bilder aus dem „Gefängnis“ von Sandro Brotz.

Brotz schrieb mir: „Mit Interesse habe ich heute Ihren Artikel in der BaZ gelesen, in dem Sie mich namentlich erwähnen – ohne mit mir geredet zu haben. Geschweige denn, zu wissen, wie ich persönlich zu Juden und Israel stehe.“

„Und mich dennoch in eine Ecke stellen, in die ich nun ganz bestimmt nicht gehöre. Falls Sie mögen – und eigentlich würde ich dies schon erwarten – lade ich Sie ein, mit mir persönlich darüber zu reden.“

Naja, wenn man nicht in eine „Ecke“ gestellt werden will, in die man „nun ganz bestimmt nicht“ gehört, sollte man vielleicht einfach in den Anmoderationen, die man selbst schreibt – und eigentlich würde ich dies schon erwarten – nicht brandschwarze Lügen über Israel verbreiten, oder jene, die man von der Redaktion vorgesetzt bekommt, kritischer hinterfragen.

Denn wie sagte Theodor W. Adorno so treffend: „Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden“.

Wir hatten dennoch ein anregendes Gespräch, in dem Brotz beteuerte, er hätte aber doch jüdische und israelische Freunde, deshalb wäre er aber doch ganz sicher kein Antisemit (was ich nie behauptet hatte).

Tatsächlich würde ich Brotz nicht als Antisemiten bezeichnen, sonden als linken, weitgehend un- und desinformierten Palästinenserversteher.

In dem mehr als einstündigen Gespräch offenbarte Brotz beträchtliche Bildungslücken bezüglich Juden und Israel.

In einer freundlichen, ausführlichen und informativen Mail – in der ich mich für unser Gespräch bedankte – versuchte ich, diese Lücken zu schliessen.

Keine Antwort.

Auf eine weitere umfangreiche Mail bezüglich eines „Rundschau“-Beitrags, den Brotz in unserem Gespräch erwähnt hatte, kam noch ein Zweizeiler (die Mail war im Spam-Ordner gelandet), dann die Twitter-Blockierung.

Fazit: „Bleiben Sie kritisch“ – aber bitte nicht mir gegenüber.