Am Paradeplatz liegen die Nerven blank. Gestern krachte die Aktie der Credit Suisse um 7 Prozent in die Tiefe. Mit 8,28 Franken Schlusskurs ist der CS-Valor nicht einmal mehr die Hälfte jenes der UBS.

Heute früh folgt die Schock-Nachricht. Die Nummer 2 des Finanzplatzes ist in Schieflage geraten. Sie muss ihre letzten Immobilien verkaufen, um sich für den hohen Wellengang zu rüsten.

Das Statement kurz vor 7 Uhr hat es in sich. Die Investmentbank der CS ist in die rote Zone abgerutscht. Während die US-Konkurrenten teils Rekordgewinne vermelden, stürzt die CS ab.

Free fall? (Swissquote, gestern)

Die Lage im Trading ist desaströs. Dort, wo die vergoldeten Masters of the Universe des Schweizer Multis ihre Wetten tätigen, schwankt der Kahn.

Zu den operativen Verlusten der Investmentbank im vierten Quartal, nota bene einer Zeit mit immer noch guten Börsen, kommen ausserordentliche dazu.

Diese hatte die CS bereits früher angekündigt, es geht um Abschreiber aus teuren Übernahmen im Trading-Business, die teils Jahrzehnte zurückliegen.

Das Debakel in den Handelsräumen ist das eine. Das andere sind die Kunden im Kerngeschäft Vermögensverwaltung.

Sie laufen davon – obwohl die CS kulanter als alle anderen ist beim Minuszins.

Die CS spricht im Communiqué von „ungünstigen Marktbedingungen in Asien“, was den Netto-Neugeldzufluss in den Vermögensverwaltungsgeschäften im vierten Quartal 2021 leicht negativ“ gemacht habe.

Die „Neugeldzuflüsse im Asset Management“ würden den Abfluss aber „mehr“ als ausgleichen, hält sie fest.

Rot im laufenden Business in der Investmentbank in der Höhe von ein paar Hundert Millionen, reiche Kunden als wichtigstes Segment auf und davon im Private Banking: Was läuft bei der CS?

Die Gruppe steuert auf einen Eisberg zu. Sie verliert im Markt. Und sie hat Prozesse offen, die für immer neue Lecks und Havarien sorgen.

Das Resultat würde „infolge von Rückstellungen für bedeutende Rechtsstreitigkeiten in Höhe von CHF 500 Millionen negativ beeinflusst“, schreibt sie.

Dafür gebe es „Gewinne von Immobilienverkäufen in Höhe von CHF 225 Millionen“. Löcher stopfen durch Notverkäufe von Prachts-Liegenschaften: ein Zeichen, dass die Lage ernst ist.

Die Bankleitung versucht zu beruhigen.

Verluste und Sondergewinne würden für die ganze Bank „ungefähr in einem Breakeven“ für die Zeit von Oktober von Dezember führen. So klingen Durchhalteparolen.

Denn: In dieser „schwarzen“ Null sind die Goodwill-Abschreiber in der Investmentbank über 1,5 Milliarden und in Asien über 100 Millionen noch nicht einmal enthalten.

Sie kommen obendrauf. Will heissen: Die CS steht netto vor einem Minus von 1,6 Milliarden im 4. Quartal. Sie muss ihre Häuser verscherbeln. Sie verliert bei den vermögenden Kunden. Ihre Aktie taucht und taucht.

Und ihr Präsident ist ein Neuling.

Axel Lehmann stiess im Oktober dazu. Weil Vorgänger Antonio Horta-Osorio nichts von der Schweiz begriffen hatte, steht nun der Ex-UBS-Mann auf der Brücke. Unvorbereitet, im wehenden Kittel.

Lehmann fliegen die Raketen um die Ohren, im Wasser schiessen die Torpedos auf den Kreuzer zu, obendrauf steckt das Schiff in Eisblöcken fest.

Lehmann weiss nicht, wie ihm geschieht. Zu sagen hat er sowieso wenig. Entscheiden tut einer: CEO Thomas Gottstein.

Unter dem ist die CS in einen veritablen Sturm geraten. Seit Gottstein vor 2 Jahren notfallmässig von Tidjane Thiam die Rennleitung übernommen hat, rutscht die Bank auf der schiefen Ebene.

Der Aktienkurs spricht Bände. Noch knapp 8 Franken. Die Lage ist ernst.