„Unsere Kunst ist das Produkt eines reinen Herzens“, so der Kurator der weltweit am häufigsten gezeigten Kunstausstellung mit dem Namen „The Art of Zhen Shan Ren“. Die Ausstellung gastiert nur noch dieses Wochenende in der Kollegienkirche in Salzburg.

Über eine schwere Eichentür erreicht man vom Universitätsplatz aus die Ausstellungsräume in der barocken römisch-katholischen Kollegienkirche in Salzburg, die heute – neben dem Dom – als bedeutendster Kirchenbau in der Mozartstadt gilt.

Hier, nur einen Steinwurf vom Salzburger Festspielhaus entfernt, laden das Afro-Asiatische Institut Salzburg und der Falun Dafa Verein Österreich zu einem Besuch der internationalen Kunstausstellung „The Art of Zhen Shan Ren“ ein [Anm. der Red.: Die chinesischen Wörter „Zhen Shan Ren“ bedeuten Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht, die Grundprinzipien von Falun Gong – einer buddhistischen Kultivierungspraxis aus China.].

Im Gegensatz zur belebten Altstadt, die die zwischen dem 17./18. Jahrhundert errichtete Kirche umgibt – mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten und Einkaufsboutiquen –, strahlen die Räumlichkeiten der Universitätskirche mit den aktuell ausgestellten Werken eine erhabene Ruhe aus.

Die rund 25 Kunstwerke mit ihren kräftigen Farben, goldumrahmt auf schlichtem hellweißen Kalkputz, stellen die Erfahrungen von Falun Gong-Praktizierenden dar, welche in China durch das kommunistische Regime verfolgt werden. Zudem setzt sich die Ausstellung – mit seinen größtenteils in traditioneller Ölmaltechnik gefertigten Werken – mit der Frage auseinander, wie man Leid und Ungerechtigkeiten im Leben begegnet.

Ausstellungsbesucher berührt von Schönheit und Authentizität

„Ich wusste nicht, was mich hier in dieser Ausstellung genau erwartet“, so der Schweizer Roberto Gretener (31), der sich spontan zu einem Ausstellungsbesuch entschied.

Er berichtet, dass die Bilder eine Kraft von Mut, Form, Schönheit, Authentizität und von Liebe ausstrahlen, die er nicht in Worte fassen kann. „Sie berühren wirklich das Herz sehr, sehr tiefgehend.“

Die dunkelbraunen Augen des Fachmannes für Heizsysteme strahlen und laufen mit Tränen an, während er seine Eindrücke schildert. In ruhigem Ton, mit achtsam gewählten Worten, berichtet er weiter: „Meine Hochachtung an die Künstler, die das gemalt haben. Man spürt richtig ihr Herz, das sie beim Erschaffen dieser Kunstwerke hatten. Die Botschaft ist sehr klar und direkt aus den Bildern heraus zu erkennen und es nimmt einen schon mit, dass die Falun Gong-Praktizierenden verfolgt werden.“

Näher nachgefragt, welche Botschaft es denn sei, die er heute hier mitnehme, antwortet der Schweizer mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik: „Dass Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut und auch Toleranz sehr wichtige Eigenschaften sind, die die Menschheit braucht, um … ja, um weiterhin bestehen bleiben zu können.“

Die internationale Kunstausstellung „Zhen Shan Ren“ gastiert bis Ende Januar 2022 in der Kollegienkirche in Salzburg.Foto: Epoch Times / Erik Rusch

Ihn hat besonders das Gemälde „Positionierung“ (Kunlun Zhang, Öl auf Leinwand, 2008) angesprochen. Dieses Gemälde zeigt die drei Ebenen Himmel, Erde und Unterwelt. Auf der Erde zeigt es in verschiedenen Szenen die friedlichen Appelle der Falun Gong-Praktizierenden auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking, gerichtet an die chinesische Regierung, die Touristen und ihre chinesischen Mitbürger. Als eine weibliche Praktizierende zu Tode gefoltert wird, sitzt sie im entsprechenden Himmel darüber auf einem Lotusthron, leuchtend und strahlend, umgeben von himmlischen Wesen, die singen. Diejenigen, die sie verfolgten, werden im Gegenzug in die Unterwelt gezogen.

„Das Bild vermittelte die Botschaft, dass es sehr wichtig ist, dass man sich für eine Seite entscheiden muss. Also, dass man sich entscheiden muss, wie man als Mensch leben möchte“, äußert der Handwerker. „In der heutigen Gesellschaft ist vieles verdreht und man weiß gar nicht mehr, woran man sich orientieren soll.“ Das Bild spiegele gleichzeitig den moralischen Verfall der Menschheit wider, so der Schweizer. „Das hat mich sehr berührt.“

„Die Ankunft des Königs des drehenden Rades“

In der als Galerie angelegten oberen Etage der Ausstellungsräume sieht sich der Wiener Matthias Krenn (35) konzentriert die Kunstwerke an. Schlank und hochgewachsen hält der Österreicher eine Bildbeschreibung auf seinem Rundgang in der Hand. Der technische Redakteur im Bereich Maschinenbau ist für ein paar Tage nach Salzburg gekommen. Er zeigt sich besonders beeindruckt von dem Ölbild „Die Ankunft des Königs des drehenden Rades“ (Zhang Kunlun & Xiaoping Chen, Öl auf Leinwand, 2007).

Auf diesem Bild steigt der heilige Buddha – König des drehenden Rades – vom Himmel herab. Seine himmlische Gnade, die von ihm bis hinab in die Unterwelt reicht, ist dargestellt in hellen Strahlen. Verschieden geschichtete Farbtöne stellen unterschiedliche Existenzschichten dar, durch die er wandert. Mit jedem Schritt seines Abstieges formt er ein Gefolge von göttlichen Helfern, die einst ein Gelübde abgelegt haben. Ebene für Ebene tiefer wandeln sich kristallreine himmlische Gefilde in Trübheit und Schwere bis die Menschenwelt erreicht wird.

„Diese Verbindung zwischen Himmel, Erde und Unterwelt, und dass die verschiedenen Ebenen anscheinend aufeinander wirken, dies in dieser Deutlichkeit dargestellt zu sehen, beeindruckt mich“, erklärt der Wiener. Auf mehreren Gemälden wird die Verfolgung der Falun Gong-Praktizierenden in China durch die Kommunistische Partei thematisiert. Ob die Kunst geeignet ist, solche Themen aufzugreifen und verständlich den Betrachtern die Geschehnisse zu vermitteln? Für ihn ist dies eindeutig der Fall. „Jeden Menschen sprechen andere Bereiche an. Und mit Kunst kann man sehr viel ausdrücken, finde ich.“

Er erklärt, dass man zum Beispiel Beamte der Kommunistischen Partei sieht, wie sie Praktizierende wegen ihres Glaubens festnehmen. „Auf manchen Bildern sind Folterszenen zu erkennen, die wirklich sehr, sehr tragisch aussehen. Es scheint eine ziemlich schreckliche Situation in China zu sein“, resümiert er.

Rückbesinnung auf traditionelle Werte

Kuratiert wird die internationale Wanderausstellung „The Art of Zhen Shan Ren“ von dem renommierten Kunstprofessor Zhang Kunlun (80). Zhang lebt jetzt in Nordamerika, wuchs aber zunächst als Atheist im kommunistischen China auf. Als Direktor für Bildhauerei am Kunstinstitut in Shandong und späterer Direktor des Forschungsinstituts für Bildhauerei war er in China und im Ausland angesehen. Er erhielt für seine Werke zahlreiche Preise und bereiste das Ausland.

Doch trotz Ruhm und Reichtum spürte er eine Leere und es fehlte ihm etwas. „Mir fehlte der Sinn in meinem Leben“, berichtet Zhang rückblickend. Als er nach einem längeren Auslandsaufenthalt aus Kanada in den 90er-Jahren nach China zurückkehrte, lernte er Falun Gong kennen. Landesweit entstanden damals gerade Übungsgruppen dieser buddhistischen Kultivierungspraxis und es setzte eine große Rückbesinnung im chinesischen Volk auf traditionelle Werte ein. Doch dies störte den damaligen Staatspräsidenten und Parteiführer Jiang Zemin. Er ließ das Praktizieren von Falun Gong verbieten und startete eine landesweite Verfolgung.

„Man konnte die brennende Haut riechen“

Professor Zhang wurde, weil er Falun Gong praktizierte, viermal verhaftet. Er wurde drei Monate lang eingesperrt. Im Zwangsarbeitslager wurde er mit Schlägen und Elektroschocks aus Elektrostöcken gefoltert. „Man konnte die brennende Haut riechen“, erinnert er sich. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Am Rande des Zusammenbruchs stehend, hielt er trotz der erlittenen Brutalität an seinem Glauben fest, berichtet der Bildhauer.

Im Jahr 2001 wurde er durch die Bemühungen seiner Freunde, seiner Familie und der kanadischen Regierung aus China heraus und in Sicherheit gebracht. Er berichtet, dass er durch das Üben von Falun Gong begann, die ungeheure Größe des Universums und die Geheimnisse von Natur und Leben zu verstehen. Durch die Kultivierung habe er erfahren, dass es Gottheiten gibt, sagt er.

Kunstprofessor Zhang Kunlun (80), Kurator der Kunstausstellung „The Art of Zhen Shan Ren“.Foto: Epoch Times

Über die Kunstwerke setzte er sich mit den traumatischen Erlebnissen während der Haft auseinander. Schließlich verband er sich mit weiteren Künstlern, die teilweise selbst Folter und Inhaftierung in China aufgrund des Praktizierens von Falun Gong erlebten. Gemeinsam wollten sie orthodoxe Kunst nutzen, um ihre spirituellen Erfahrungen zu teilen und über die Glaubensverfolgung in China zu berichten – die Künstlergruppe namens „The Art of Zhen Shan Ren“ war geboren.

Im Jahr 2004 präsentierten sie dann erstmals im Kongressbürogebäude für das US-Repräsentantenhaus in Washington, D. C., ihre Ausstellung, die mittlerweile in mehr als 40 Ländern und an tausend Orten weltweit gezeigt wurde.

Kunst ein geeignetes Mittel, um eine Diktatur auszudrücken?

Maria Pacher (58), eine siebenfache Mutter aus Salzburg, lässt sich viel Zeit beim Betrachten der einzelnen Gemälde. Sie lässt sich von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin durch die Ausstellung führen. Konzentriert hört sie den Erläuterungen zu und stellt gezielt Fragen. „Im Westen hat man eigentlich fast keine Ahnung von der Verfolgung von Gläubigen in China und Kunst ist ein sehr geeignetes Mittel, um so eine Angst, so einen Druck und so eine Diktatur auszudrücken“, erklärt sie. Dass sich so viele Menschen dort auch mit dem Jenseits und mit einem Leben danach befassen, berührt sie.

Besonders angetan ist sie vom Gemälde „Erleuchtung“ (Xiaoping Chen, Öl auf Leinwand, 2005). In ein warmes sanftes Licht getaucht sieht man darauf eine Chinesin, wie sie gerade das Buch „Zhuan Falun“ liest, das die Lehre von Falun Gong beinhaltet. Sie hält ein friedlich schlummerndes Kind im Arm, das mit seiner sanften und ruhigen Ausstrahlung den inneren Zustand eines Falun Gong-Praktizierenden widerspiegeln soll. Die Salzburgerin sieht darin eine Frau, die offensichtlich nach einem langen Arbeitstag mit dem Baby auf dem Schoss sich noch einmal hinsetzt und betet. Als gläubige Katholikin und mehrfache Mutter findet sie sich selbst in dem Bild wieder.

Die internationale Kunstausstellung „Zhen Shan Ren“ gastiert bis Ende Januar 2022 in der Kollegienkirche in Salzburg.Foto: Epoch Times / Erik Rusch

„Kunst ist die Sprache nach oben“

Schließlich berichtet die Mitarbeiterin der Kunstausstellung, Silke Ohlert, eine Bildhauerin aus der bayerischen Rhön, dass Ausstellungsgäste oft schnell wirklich die Essenz und was die Ausstellung eigentlich vermitteln möchte, aufnehmen. „Dass man diese Hoffnung nicht aufgeben braucht, dass alles, was hier passiert, auf Erden immer beobachtet wird und auch, dass es immer die Wiederherstellung der Gerechtigkeit geben wird.“

Auch würden sie schnell verstehen, dass diese Leichenberge auf den Bildern eben Mitglieder der Kommunistischen Partei sind, die sich an der Diffamierung und Folter von Falun Gong-Praktizierenden beteiligen. „Es gibt so viele kleine Details, die ich jetzt auch erst nach längerer Zeit wahrgenommen habe.“ Für sie ist die Kunst die Sprache nach oben: „Sie ist den Menschen gegeben worden, um mit dem Göttlichen kommunizieren zu können.“

Zhen Shan Ren – Kunstausstellung

Afro-Asiatisches Institut (Clubraum und Galerie)

Wiener-Philharmoniker-Gasse 2, 5020 Salzburg

14. bis 30. Januar 2022, Sa.-So. 12-19 Uhr



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