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Heavy-Metal-Musiker kritisiert Corona-Politik – und knickt ein

Von Alexander Wallasch

Ja, Subkultur kann aufregend sein, aber sie benötigt zwangsläufig einen breiten Mainstream als Feindbild, sonst verliert sie ihre Protestqualität. Nicht erst, seit Volkswagen einen Golf „Rolling Stone“ vermarktet hat und der Volkswagen-Vorstand in den VIP-Logen der Altrocker die Champagnerkorken knallen ließ, ist der Rock ’n‘ Roll Teil des Mainstreams geworden.

Das gilt sogar für die Teufelsanbeter des Heavy Metal, alleine mit der Teufelsanbeterzahl 666 in einem Songtext regt man heute niemanden mehr auf. Und ein demoliertes Hotelzimmer oder eine Flasche Jack Daniels auf Ex machen auch keine Schlagzeilen mehr.

Die wilden Jungs haben sich längst bequem eingerichtet, ein Auftritt vor der versammelten Fangemeinde beim Open-Air-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken gehört hier sicher zu den Highlights des Jahres. So komfortabel muss es auch Kai Hansen, dem Gitarristen und Mitbegründer der erfolgreichen deutschen Heavy-Metal-Band Helloween gegangen sein.

Aber sein Heavy Metal-Hall of Fame-Frieden wurde zuletzt empfindlich gestört: Bald sechzig Jahre alt, haben die Pandemie-Jahre dem Speed-Rocker ein paar seiner letzten aufrechten Bühnenjahre gestrichen. Ein Drama für die ganze Musikbranche. Und eigentlich verwunderlich, dass der Musikergemeinde hier nicht schon kollektiv der Kragen geplatzt ist.

Klar, einige Künstler haben auf Konzerten unter Hygiene-Maßnahmen mal ein bisschen gemault, aber diesen Protest haben Grönemeyer und zuletzt Westernhagen gleich wieder abgeräumt, als der über Siebzigjährige impfen mit „Freiheit“ gleichgesetzt hat.

Wer aus der deutschen Musikszene heute gegen das Corona-Regime rebelliert, dem passiert das eher aus Versehen, wie es jetzt Kai Hansen von Helloween ergangen ist. Der nämlich ist mit Äußerungen gegen den Impfmainstream erst unangenehm auf- und dann schwer auf die Nase gefallen.

Die Empörung des Mainstreams gehörte einmal zum täglichen Geschäft im Rock ’n‘ Roll. Aber das ist lange vorbei. Die Szene-Zeitung Metal-Hammer titelte: „Helloween: Kai Hansen wettert gegen Impfpflicht“. Aber auch das kann wahrscheinlich noch keine Pferde scheu machen, schlimmer war hier der Ort, wo Hansen sich Luft machte. Nämlich ausgerechnet auf der Facebook-Seite von Alice Weidel, der Fraktionschefin der AfD im deutschen Bundestag.

Eigentlich hatte Hansen hier alles richtig gemacht: Die AfD ist ja in den Augen des Teufels, also für Heavy-Metal-666-Teufelsanbeter die richtige Adresse – aber das ist hier mit einem Augenzwinkern hingeschrieben, denn es kam natürlich ganz anders. Hansen schrieb bei Alice Weidel folgenden Kommentar:

„Die Vehemenz, mit der Herr Lauterbach die Unabdingbarkeit der Impfpflicht propagiert, ohne im Geringsten auf Risiken und erwiesenen Todesfälle durch die Impfung einzugehen, legt den Verdacht nahe, daß der Mann entweder völlig wahnsinnig in seiner Welt gefangen, oder so unabdingbar von der Pharmaindustrie verpflichtet wurde, daß er entscheiden muß zwischen totalem Untergang in die Nichtigkeit oder dem Endsieg mit allen Mitteln.“

Es dauerte gar nicht lange und der Altrocker hatte mit seinem Protest-Kommentar gegen das Corona-Regime einen Shitstorm ausgelöst. Das einzige, worüber sich die Gemeinde noch uneins war, war die Frage, was schlimmer ist: Hansens Kritik an der staatlichen Impfkampagne oder sein Kommentar ausgerechnet bei Alice Weidel. Letzteres wog deutlich schwerer, Fans bekundeten in den sozialen Medien ihre Tickets für die jetzt schon zwei Mal verschobene Tournee von 2020 zurückgeben zu wollen, andere forderten gar den Ausschluss von Hansen aus der Band, Aufruhr also im gediegenen Heavy-Metal-Kosmos.

Man ahnte es: Gitarrist Kai Hansen reagierte darauf nicht mit dem souveränem „Fuck You“ der Rock’n Roller von einst, sondern mit einer „weinerlichen Entschuldigung“, wie es ein Twitter-Nutzer umschrieb. Hansen nämlich entschuldigte sich damit, dass er seinen Kommentar lieber auf der Seite von Sahra Wagenknecht oder Gregor Gysi geschrieben hätte: „Unglücklicherweise habe ich das nicht getan.“ Immerhin, seine Meinung über Karl Lauterbach ließ Hansen stehen. Ihm sei einfach die „Galle übergelaufen“, als er eine Rede des Bundesgesundheitsministers gesehen hätte.

Hansen erzählte weiter, dass er und seine Band seit zwei Jahren auf Eis liegen würden. Das würde einen „ungemeinen Frust und Wut“ erzeugen. (…) In vielen Ländern werden die Maßnahmen beendet und Deutschland und seine Regierung stapft auf eine Impfpflicht zu, die augenscheinlich auch nichts an der Situation bezüglich großer Konzerte ändern wird.“

Die Benutzung des Wortes „Endsieg“ sei ein großer Fehler gewesen, schreibt Hansen weiter. Er hätte das doch nur zynisch gemeint Richtung Lauterbach. Das muss man sich im Kalender anstreichen, dass sich ein Rock’n Roller für seine Wortwahl entschuldigt. Wenn es um politische Korrektheit geht, dürften die Texte etlicher Musiker eine wahre Fundgrube sein.

Oder doch nicht? Es scheint so, dass es hier längst ein Wörterbuch der erlaubten bösen Wörter gibt. Erwartbar sogar, dass diese Kapellen zwischen Hölle, Blut und Satan zukünftig ihre Texte auch noch gendern. Die wirklich bösen Jungs sind heute allenfalls noch die Rapper mit Migrationshintergrund, für die Frauen einfach weiter „Bitches“ sind, die keine Elektroautos fahren mögen und für die ein spektakulärer Diebstahl reine Ehrensache ist. Aber selbst dort ist seit Bushidos weichgespültem Flirt mit dem Establishment der Mainstream eingezogen und mit ihm das große Geld.

Kai Hansen war in seinem Leben für ein paar Minuten wieder Rock’n Roller, er hatte nur das „Fuck You“ vergessen, als seine Randale Konsequenzen hatte. Seine Fans hatten ihn daran erinnert, was sich für einen echten Heavy-Metal-Soldaten gehört und was nicht. Das Wilde am Heavy Metal ist nur Pose. Schon immer gewesen. Die Fans und die Musiker selbst sind meistens liebe nette und ordentliche Leute, wie man sie sich als Nachbarn über den Gartenzaun hinweg wünschen würde, wenn man solche Zäune mag. Nur weil der Zahnarzt am Wochenende Harley-Davidson fährt, ist er noch kein gefährlicher Outlaw.

Für Alice Weidel und die AfD war das alles sicher vor allem eines: Ein riesengroßer Spaß. Man könnte fast auf die Idee kommen, diese Leute sind die wahren Rock’n Roller, aber das ist natürlich mindestens derselbe Quark, als würde man behaupten, Kai Hansen wäre irgendwie vom heiligen Pfad des Heavy Metal abgekommen. Heavy Metal ist eine ernste und bisweilen auch sehr, sehr spießige Angelegenheit.

Und wer wissen will, um was es hier eigentlich geht, für den folgt hier noch Kai Hansen mit Helloween vor der Pandemie in Wacken:

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Screenshot Kai Hansen „Ride The Sky“ (Live at Wacken) 2018

Text: wal

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AUTOR

Alexander Wallasch

DATUM

Februar 10, 2022

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