Die Credit Suisse hat 2017 und 2018 an ihren Investoren-Tagen geschwärmt vom Aufbruch in ein neues Compliance-Zeitalter: mit Artificial Intelligence, Data-Lakes, State of the Art-Technologie.

500 Millionen hat die Bank seither in „Digital Transformation and Product Lab“ investiert, über 600 Leute waren im neuen Bereich beschäftigt, EY- und Accenture-Cracks flogen ein und aus.

Übrig geblieben ist praktisch nichts. Das DTPL, wie die Abteilung kurz geheissen hat, verschwindet, geht auf in einem anderen Bereich, unter einem neuen Boss, der in London sitzt, mit einem neuen Namen, den noch keiner kennt.

Eine halbe Milliarde – weg, gespült, versenkt.

Kostengrab der Kingsize-Dimension (CS)

CS, Stupid. Doch die Geschichte reicht tiefer. Die Bank setzte mit aller Kraft auf Palantir, die umstrittene IT- und Daten-Analyse-Firma aus den USA, deren Chef seine Zelte in Übersee abgebrochen hat, um in der Schweiz zu leben.

Palantir fällt auf durch ganzseitige Inserate in den grossen Tageszeitungen. Bei der Swiss Re hat sich das US-Software-Haus als zentrale Technologie-Anbieterin eingenistet. Auch dort hat sich wiederholt Kritik am Palantir-Projekt geregt.

Bei der CS zeigt sich nun, was für ein Fiasko die Palantir-Übung geworden ist. Die Bank, die bekanntlich nicht arm an Skandalen ist, erlebt ein regelrechtes Waterloo.

„Zur Abwehr von Finanzkriminalität setzt die Credit Suisse auch Technologielösungen von Palantir ein“, sagt ein Sprecher der CS.

Palantir gehöre weiterhin zu den externen Partnerin der Grossbank. Zudem würde intern keiner entlassen, so die Botschaft aus der Zentrale.

An der Pleite ändert diese wenig. Vom grossen Aufbruch in eine Finanzwelt, in der Computer und künstliche Intelligenz Skandale mit „falschen“ Kunden vermeiden, ist keine Rede mehr.

Alle Zuständigen von Bord. Im Sommer traf es Homa Siddiqui, eine Top-Managerin im weltweiten Compliance mit dem Titel „Chief Compliance & Regulatory Officer COO“, die für die damalige Chefin Lara Warner das vermeintliche Herzstück mit Palantir leitete.

Burghölzli? (CS, Investor Day 2018)

In diesen Tagen verschwand auch Siddiquis rechte Hand, eine andere hochrangige Compliance-Kaderfrau. Neuer Zuständiger wird ein Manager namens Stephen Magora, der direkt an den weltweiten Compliance-Chef rapportiert.

Den Grundstein zum Debakel legte die CS vor 5 Jahren. Damals schwang Tidjane Thiam das Zepter. Der CEO wollte mit Technologie statt Menschen der wuchernden Compliance Herr werden.

„Digital Transformation and Product Lab“ war geboren. Thiam beauftragte seine „Favoritin“ Lara Warner mit dem Grossziehen des Babys. Diese wiederum mandatierte ihre engste Vertraute Siddiqui mit der Gross-Operation.

Warum Palantir den Zuschlag für zentrale Teile des Projekts erhalten hatte, darum rankten sich von Beginn weg Gerüchte. Lange hiess es, die japanische SoftBank hätte ihre Finger im Spiel.

SoftBank spielt auch im Greensill-Skandal eine zentrale Rolle. Die CS geht inzwischen wegen dem Milliarden-Crash mit den Lieferketten-Fonds mit Anwälten auf die mächtige Finanzfirma los.

SoftBank soll an Palantir beteiligt gewesen sein. Ein anderer Grund, der CS-intern die Runde machte als Erklärung für die Bevorzugung des US-Computer-Hauses: Die CS wollte den Börsengang von Palantir durchführen. Diese ist seit Herbst 2020 kotiert.

Thiam, Warner und Siddiqui hauten mit Palantir und ihrer „Digital Transformation“ im Compliance auf die PR-Pauke. In Zürich-Oerlikon, wo die CS einen grossen Sitz hat, wurden die Millionen im Dutzend verbrannt.

Keines der aktuellen „Buzz“-Wörter wurden ausgelassen: Künstliche Intelligenz, Daten-Seen, Big Data, State of the Art – „all the garbage“ sei herumgeschwirrt, sagt ein Insider.

Auf die Rechnung gekommen seien Hunderte von externen Berater. Deren Firmen, darunter Accenture und die EY, hätten bis zu 2’000 Franken im Tag eingestrichen – pro Mann.

Die Erfolgsmeldungen von der Compliance-Brücke überboten sich. Rasch war von „99,9 percent sucess rate“ die Rede, die CS sei nun „safer“, den Kriminellen unter den Kunden würde es an den Kragen gehen.

Die Realität war eine andere. Projekt Digital Transformation wurde zum Flop – zum 500-Millionen-Grab. Die besten internen Programmierer und Compliance-Leute sind längst auf und davon.