Das Tempo, in dem Mariupol wiederaufgebaut wird, ist beeindruckend. Neue Wohngebiete und Krankenhäuser werden buchstäblich aus dem Boden gestampft und noch in diesem Jahr fertiggestellt.

Das erste Mal habe ich Mariupol Mitte April besucht. Damals tobten in der Stadt noch Kämpfe und ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die gerade erst vor einer Stunde aus den Kellern geflohen waren, in denen sie sich wochenlang versteckt hatten und aus denen die von den Asow-Männern nicht rausgelassen, sondern als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden. Die Stadt bot damals ein Bild des Grauens.

Als ich Mariupol einen Monat später zum zweiten Mal besucht habe, ergaben sich gerade die letzten Asow-Männer, die sich im Asowstal-Werk verschanzt hatten. Die Stadt war damals schon teilweise zur Normalität zurückgekehrt, denn immerhin gab es schon wieder Tankstellen, Autoverkehr, ÖPNV und die Aufräumarbeiten zeigten Wirkung.

Als ich die Stadt jetzt am 23. Juli zum dritten Mal besucht habe, war ich ehrlich überrascht. Natürlich wird das Bild immer noch von der Zerstörung dominiert und natürlich sieht man noch überall Trümmer, wenn auch schon viel weniger. Am beeindrucktesten waren jedoch die Menschen. Sie sind optimistisch und lachen sehr viel. Und der Wiederaufbau der Stadt geht rasend schnell voran. Aber der Reihe nach.

Für alle, die sich für die Lage in Mariupol interessieren, gibt es einen YouTube-Kanal aus der Stadt, den es schon lange vor Beginn der russischen Operation gegeben hat und auf dem man fast täglich Videos mit Eindrücken aus der Stadt sehen kann. Das letzte Video ist vom 12. Juli und dort wird gezeigt, wie das Leben dort derzeit aussieht.

Мариуполь сегодня Жизнь и восстановление 12.07.22

Neue Wohnhäuser

Als erstes waren wir auf einer Baustelle, auf der zwölf Wohnblocks gebaut werden, von denen die ersten schon zum Jahresende fertig werden sollen. Das ist realistisch, denn die Rohbauten stehen schon zum größten Teil. Die Anlage ist so geplant, dass eine Schule und ein Kindergarten direkt in Laufreichweite sind. Im Erdgeschoss sind geschäftliche Räume für kleine Läden, Friseur und was man sonst noch im Alltag braucht, vorgesehen. Die Pläne sehen so aus.

Der Bau der Anlage wurde im Juni begonnen, im Dezember soll sie fertig sein. Das ist realistisch, denn so sieht die Anlage jetzt bereits aus.

Die Anlage wird vom russischen Verteidigungsministerium gebaut und nach Fertigstellung an die Regierung der Volksrepublik Donezk übergeben, zu der Mariupol gehört. Die wird die Wohnungen nach sozialen Gesichtspunkten an Menschen aus Mariupol vergeben, wobei kinderreiche Familien Vorrang haben. Die Wohnungen werden den Familien als schuldenfreie Eigentumswohnungen überschrieben, es sind keine Mietwohnungen.

THomas Standup at Housing Building

Die Wohnungen werden mit Innenausbau und schlüsselfertig übergeben, man kann also sofort einziehen. Badezimmer und Toilette sind inklusive, außerdem sind in der Küche ein Waschbecken und ein einfacher Herd enthalten. Die Familien müssen nur noch Möbel und einen Kühlschrank besorgen. Eine Wohnung war bereits fertiggestellt, daher kann ich zeigen, in welchem Zustand sie an die Familien übergeben werden.

mariupol bau

In Mariupol gibt es mehrere solcher Bauprojekte, insgesamt sollen noch in diesem Jahr über eintausend Wohnungen fertiggestellt werden, wie uns der Chef der Donezker Volksrepublik später an dem Tag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt hat. Es gibt mehrere Bauträger, die Bauprojekte werden aus Russland finanziert, unter anderem aus meiner Heimatstadt St. Petersburg, die gerade erst eine Städtepartnerschaft mit Mariupol eingegangen ist und den Aufbau unterstützt.

Der Bau dieser Objekte wird zwar von russischen Spezialisten geleitet, aber die Aufträge für Subunternehmer werden nach Möglichkeit in Mariupol vergeben, weshalb auf den Baustellen viele Menschen aus Mariupol Arbeit gefunden haben. In der weitgehend zerstörten Stadt einen Arbeitsplatz zu haben und von seinem eigenen Gehalt zu leben, anstatt auf humanitäre Hilfe angewiesen zu sein, ist ein sehr wichtiger Aspekt für die Menschen dort.

Bei unserem Besuch haben Kollegen eine Drohne aufsteigen lassen und die Baustelle aus der Luft gefilmt.

2022 07 13 Mariupol residential buliding 4K

Der Aufbau der Stadt geht erstaunlich schnell voran, der Hafen der Stadt ist bereits in Betrieb. Von dort werden Kohle, Stahl und Getreide exportiert, während derzeit in erster Linie Baumaterial für die vielen Bauprojekte im Donbass angeliefert wird.

Das Krankenhaus

Russland hat während der Pandemie viel Erfahrung beim schnellen Bau von Krankenhäusern gesammelt, was nun dem Donbass zu Gute kommt. Ein solches Krankenhaus wird derzeit in Lugansk gebaut, wir haben es am Tag zuvor besucht.

Auch in Mariupol entsteht ein solches Krankenhaus, das uns gezeigt wurde. Das Krankenhaus wird 60 Betten haben, dazu eine moderne Diagnoseabteilung, Operationssäle, Intensivstation und Notaufnahme. Der Bau des Krankenhauses wurde ebenfalls im Juni begonnen, die Inbetriebnahme ist schon für September geplant. Auch von der Baustelle des Krankenhauses in Mariupol haben wir Aufnahmen mit einer Drohne gemacht.

2022 07 13 Mariupol hospital buliding 4K

Auf der Baustelle bin ich mit einem Arbeiter ins Gespräch gekommen, der mir aufgefallen ist, weil ausgesprochen gute Laune hatte und ständig allen Leuten zulächelte. Der Mann war aus Mariupol und hat mir erzählt, dass er die Stellenanzeige gesehen, sich beworben hat und sofort angenommen wurde. Auf meine Frage, wie er nach all dem, was er durchgemacht hat, so gute Laune haben kann, lachte er nur und sagte: „Wieso? Ist doch vorbei, jetzt geht’s hier richtig vorwärts.“ Diese Einstellung der Menschen habe ich in den zerstörten Städten immer wieder erlebt und es beeindruckt mich jedes Mal, wie optimistisch die Menschen sind.

Das gilt auch für den Chefarzt des Krankenhauses, der ebenfalls auf der Baustelle war. Auf meine Frage, was der Chefarzt auf dem Bau verloren hat, sagte er, dass er von Beginn an bei der Planung dabei war, um das Krankenhaus an die Bedürfnisse der Stadt anzupassen. Er selbst ist aus Mariupol und war als Chefarzt in einem anderen Krankenhaus tätig, das auf Herz- Kreislaufkrankheiten spezialisiert ist und nur wenige Meter entfernt liegt.

Das neue Krankenhaus sei multifunktional und nicht spezialisiert, was es in Mariupol noch nicht gebe. Hinzu käme, dass es die modernste Ausrüstung bekommt. Der Mann brannte förmlich vor Begeisterung für das Projekt.

In Mariupol gibt es immer noch viele nicht geborgenen Leichen, die sich vor allem in Häusern befinden, die entweder einsturzgefährdet oder noch vermint sind. Das hat vor einiger Zeit zu Meldungen über einen Cholera-Ausbruch in Mariupol geführt. Darauf angesprochen antwortete der Arzt, dass es zwar Befürchtungen gegeben habe, aber nicht ein einziger Cholerafall in Mariupol festgestellt wurde, obwohl jeder an Durchfall erkrankte Mensch derzeit routinemäßig auf Cholera untersucht wird.

War es das wert?

Mich interessiert, wie die Menschen dort denken. Daher versuche ich bei jedem Aufenthalt unter vier Augen mit Leuten zu sprechen, damit es keine „Interview-Atmosphäre“ hat, sondern ein „normales“ Gespräch ist. Mich interessiert, was die Menschen denken. War es all das Leid wert?

Das habe ich auch den Chefarzt gefragt. Er nahm mich zu Seite und hat mir einen regelrechten Vortrag gehalten. Er sagte, kein Mensch wolle Krieg. Aber die Maidan-Regierungen, oder besser gesagt, ihre „Kuratoren“ aus den USA, hätten das Ziel gehabt, die Brudervölker der Russen und Ukrainer aufeinanderzuhetzen, und das sei ihnen geklungen. Aus dieser Sicht hätten die USA ihr Ziel erreicht. Er erzählte mir von Fackelmärschen der „Asow-Nazis“ in Mariupol, wie er sie nannte. Das seien reine Nazis, es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als gegen sie vorzugehen. Er erzählte ausführlich von der Unterdrückung von allem Russischen seit 2014.

Dabei erzählte er mir auch, dass er während der fast zwei Monate der Kämpfe im Krankenhaus gearbeitet habe. Er habe in dieser Zeit einfach zu viele Patienten gehabt, die versucht haben, aus den Kellern, in denen die Asow-Leute sie als menschliche Schutzschilde gefangen gehalten haben, zu fliehen. Er erzählte Geschichten davon, wie über 20 Menschen den Ausbruch aus einem Keller gewagt hätten, und wie der Hauseingang, aus dem sie raus wollten, von einem ukrainischem Panzer beschossen wurde. Wer das überlebt und versucht hat, wegzulaufen, auf die haben die Asow-Leute mit Maschinengewehren geschossen. Er erzählte von einem konkreten Fall, bei dem von 20 Menschen es nur fünf geschafft hätten, so einen Ausbruchsversuch zu überleben.

Er hat mehrere solcher Geschichten erzählt und war daher der Meinung, dass die Befreiung von den Nazis den Preis wert gewesen sei. Inzwischen normalisiere sich alles. Die humanitäre Hilfe aus Russland, so sagte er, käme reichlich, niemand müsse hungern, es sei alles da. Noch sei nicht in allen Stadtteilen wieder Wasser, Strom und Gas verfügbar, aber es werde immer besser.

Diese Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben das Grauen, das sie erlebt haben, irgendwie verarbeitet oder zumindest erfolgreich verdrängt. Und diejenigen, die geblieben und nicht nach Russland oder auch in die Ukraine gegangen sind, strahlen einen Tatendrang und Optimismus aus, den ich so noch nie erlebt habe.

Minenräumung

Anschließend wurden wir noch zu einer Stromtrasse gebracht, die repariert werden muss. Allerdings wurde sie auf 24 Kilometern vermint, weshalb derzeit Minenräumer dort arbeiten. Da wurde uns gezeigt, wie das funktioniert. Zuerst suchen die Minenräumer ein Gebiet mit Geräten und Minenhunden ab, danach wird ein Roboter losgeschickt, um die Minen zu sprengen.

In dem Video sind drei Sprengungen zu sehen, die erste etwa nach 30 Sekunden. Am Anfang des Videos sieht man, wie sehr der Roboter den Boden umpflügt, denn Erde und Steine sind zum Amüsement der Soldaten auf uns heruntergeregnet, und wir sind wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend gesprungen.

minenräumung1

Danach sind wir zurück nach Donezk gefahren, wo es noch eine Pressekonferenz mit dem Chef der Donezker Volksrepublik gab, der geduldig auf alle Fragen der Journalisten geantwortet hat. Generell nimmt er sich jedes Mal so viel Zeit, wie wir brauchen, und geht erst, wenn keine Fragen mehr kommen. Die Fragen drehten sich vor allem um Mariupol und um den Stand der Kampfhandlungen, wozu er natürlich nichts Geheimer verkündet.


In meinem neuen Buch „Inside Corona – Die Pandemie, das Netzwerk und die Hintermänner – Die wahren Ziele hinter Covid-19“ zeige ich anhand von umfangreichen zugespielten Datenanalysen, wie die Pandemie durch diverse Organisationen in mehreren Phasen vorbereitet wurde, wobei die aktive Vorbereitungsphase etwa 2016/2017 begann. Darüber hinaus zeigen die Daten auch, welche übergeordneten Ziele diese Organisatoren verfolgen und wie die Pandemie ihnen den Weg zur Erreichung dieser Ziele ebnet.

Das Buch ist aktuell erschienen und ausschließlich hier direkt über den J.K. Fischer Verlag bestellbar.

Hier geht es zum neuen Buch