Veröffentlicht am 26. Juli 2022 von LK.

Über die Atemluft und Nahrung nimmt der Mensch täglich Chemikalien auf. Auf die Gesundheit von Erwachsenen wirken sich diese Stoffe bereits verheerend aus. Als noch gravierender erweist es sich jedoch, wenn Industriechemikalien über Muttermilch, Babynahrung, Cremes und Feuchttücher in den Körper von Säuglingen gelangen. Langfristig können endokrine Disruptoren, also Verbindungen, die die normalen hormonellen Funktionen im menschlichen Körper beeinflussen, die Gehirnentwicklung beeinträchtigen.

Nach Angaben des Medienportals The Defender wird die Gehirnfunktion insbesondere bei Kindern häufig über Intelligenztests bewertet, die sich im sogenannten Intelligenzquotienten oder «IQ» niederschlagen. Bis Anfang der 1990er Jahre seien diese Werte gestiegen, so The Defender; seitdem sind sie jedoch rückläufig. In den USA, in Europa und Australien sei diese Entwicklung gut dokumentiert. The Defender gibt zu bedenken, dass in diesem Zusammenhang auch technische Probleme bei den IQ-Messungen eine Rolle spielen könnten.

Wissenschaftliche Studien zeigten jedoch, dass die Belastung durch Chemikalien die Gehirnfunktion der Kinder beeinträchtigt. Jedes Baby, das in Amerika und in der entwickelten Welt geboren werde, sei mit Industriechemikalien belastet. Viele Fachleute, darunter zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Organisationen, haben sich inzwischen der Chemiesuppe gewidmet, in der wir unsere Kinder grossziehen. The Defender zufolge beeinträchtigen viele Chemikalien die Entwicklung des Gehirns, insbesondere endokrin wirksame. Ein erster Schritt sei es, dafür zu sorgen, dass die Kinder diesen Chemikalien nicht mehr ausgesetzt werden.

Endokrin wirksame Chemikalien greifen in die Hormone ein, erläutert The Defender. Neugeborene seien einer Mischung von mehr als 200 endokrin wirksamen Chemikalien ausgesetzt. Dazu gehörten Phthalate, Perchlorat, Fluorid, BPA (Bisphenol-A) und seine Ersatzstoffe, Parabene, chemische Altlasten wie PCB (polychlorierte Biphenyle) und DDT (Dichlordiphenyl-Trichlorethan) sowie Schwermetalle wie Blei und Quecksilber.

«Diese Chemikalien befinden sich im Fruchtwasser und umgeben das Baby in den ersten neun Lebensmonaten, wenn sich das Gehirn mit einer unglaublichen Geschwindigkeit bildet und pro Sekunde Tausende von Nervenzellen entstehen.»

Phtalate sind in vielen Konsumgütern, Körperpflegeprodukten, verarbeiteten Lebensmitteln, Lebensmittelverpackungen und medizinischen Produkten enthalten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass jene Menschen einen geringeren IQ aufweisen, die diesen Chemikalien ausgesetzt waren. Ausserdem seien sie von der Arktis bis zur Antarktis überall zu finden, sogar in den Körpern von Ameisen oder Alligatoren.

Perchlorat wirkt sich negativ auf die Schilddrüse aus und kommt in Raketentreibstoff, Feuerwerkskörpern und Airbags sowie in Lebensmittelverpackungen vor. Die Chemikalie ist im Grundwasser vorhanden und kann über die Nahrung aufgenommen werden. Die Wirkung von Perchlorat besteht darin, dass es die Fähigkeit des Körpers verringert, Jod zu nutzen. Jod ist ein wesentlicher Bestandteil der Hormonbildung in der Schilddrüse. Perchlorat beeinträchtigt den IQ, indem es die Schilddrüsenfunktion unterdrückt und einen Zustand der Hormoninsuffizienz herbeiführt.

Fluorid, das häufig dem Trinkwasser zugesetzt wird, beeinträchtige ebenfalls die Entwicklung des Gehirns. Einer kanadische Studie zeige, dass Fluorid den IQ senkt. The Defender bezieht sich auf die Studie von Christine Till, einer Professorin für Psychologie an der York University Toronto (Kanada).

Darin wurde der IQ von kanadischen Kindern in verschiedenen Städten gemessen. Bei Kindern, die fluoridhaltiges Wasser tranken, lag der IQ bis zu zehn Punkte unter dem der Vergleichs-Kohorte. Bisphenol-A ist nach Angaben von The Defender das Paradebeispiel für Störungen des Hormonsystems, aber auch seine Ersatzstoffe wie Bisphenol und Bisphenol sind problematisch. Eine kürzlich durchgeführte Studie habe ergeben, dass die Verwendung von Bisphenol in Thermopapier in einem einzigen Jahr um das Zweieinhalbfache gestiegen ist.

Andere Studien zur BPS-Belastung hätten gezeigt, dass sich dadurch die psychomotorischen Fähigkeiten bei Zweijährigen verschlechtert haben. Ausserdem sei die Zahl der ADHS-Fälle (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, eine sogenannte Hyperaktivitätsstörung) gestiegen. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass Bisphenol den IQ senkt. Dies deute auf ein beeinträchtigtes Schilddrüsensystem hin, dem Organ, das für eine normale Gehirnentwicklung unerlässlich ist.

Die Chemikalien polychloriertes Biphenyl und Dichlordiphenyl-Trichlorethan gälten als «Altlasten», da ihre Herstellung inzwischen verboten worden sei. Beide Chemikalien seien nach wie vor in unserer Umwelt vorhanden. Sie verminderten den IQ bei Kindern und jenen Erwachsenen, die ihnen als Kinder ausgesetzt gewesen seien, und drängten in das Schilddrüsensystem ein. Es sei bekannt, dass Quecksilber die Entwicklung des Gehirns schädigt und sich auch negativ auf den IQ auswirkt. Die Mischung aus all diesen Chemikalien belaste unsere Kinder von der Empfängnis bis zum Erwachsenenalter.

«Also ja – wir werden immer dümmer. Und wir sehen dabei zu und tun so, als ob das System, das dieses Debakel hervorgerrufen hat, den Trend umkehren könnte. Die Konzentration auf den IQ gibt uns zwar einen Einblick in die Geschehnisse, aber es gibt noch andere Trends, die ebenso beunruhigend sind: die Zunahme von Aufmerksamkeitsdefizitstörungen und Autismus sowie anderer hirnbedingter Störungen. Auch wenn sich diese Trends nicht über Nacht umkehren lassen, müssen wir den politischen Willen aufbringen, diese Belastungen zu verringern.»

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