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CS im freien Fall – 10’000 Jobs auf Kippe

Die Credit Suisse blutet aus. Sie macht im 2. Quartal einen Verlust von 1,6 Milliarden, Kunden ziehen total 7,7 Milliarden Vermögen ab.

Das Desaster ist damit noch viel grösser als bisher vermutet. Die Bank schwankt, sie steht am Abgrund.

Der Verwaltungsrat als entscheidendes Gremium hat in den Alarmmodus gewechselt. Ein Sonder-Komitee sucht Partner für die gecrashte Investmentbank.

Der Bereich ist tiefrot. Er erlitt von April bis Ende Juni einen Vorsteuerverlust von 1,2 Milliarden. Nun soll er verkauft oder in eine Partnerschaft überführt werden.

Wirtschaften am Paradeplatz (CS; IP)

Die ganze Kraft soll in die Vermögensverwaltung und die helvetische Heimat fliessen. Die drei Divisionen Wealth Management, Asset Management und Swiss Universal Bank bilden die neue Basis.

Die Folgen des frischen Plans sind dramatisch. Die CS will die Kosten von 19 Milliarden auf unter 15,5 Milliarden drücken – ein Minus um 18 Prozent.

Per Ende 2021 zählte die Grossbank 50’110 Mitarbeiter. Bei einem Fünftel weniger kommt sie noch auf 40’000.

Mindestens 10’000 oder mehr Angestellte dürfte die CS somit abbauen. Am Ende könnte aus ihr ein europäischer Vermögensverwalter mit angehängtem Investment-Banking und 35’000 Mitarbeitern werden.

Es handelt sich um den radikalsten Abbau der CS ihrer bald 170jährigen Geschichte. Leiten wird ihn Ulrich Körner, ein Ex-Berater mit Flair für Strategie und umstrittener Persönlichkeit.

Körner und CS-Präsident Axel Lehmann, die sich aus gemeinsamer Zeit in der UBS-Führung kennen, haben eine Herkulesaufgabe vor sich. Ausgang ungewiss.

Die CS ist in eine gigantische Verlustspirale gefallen. Diese dreht immer schneller.

Einnahmen -36%, Ausgaben +18%: Äh, wie bitte? (CS)

Das Problem sind steigende Kosten bei einbrechenden Einnahmen und flüchtenden Kunden sowie abspringenden Mitarbeitern.

Die Lage ist mehr als dramatisch. Die Bank kämpft um ihr Überleben. Nichts Anderes zeigt der brutale Abbau-Vorschlag ihrer Führung.

Im laufenden Jahr, also von Januar bis Juni, hat die CS einen Einbruch bei den Einnahmen um sage und schreibe 36 Prozent erlitten, von 12,7 auf noch 8,1 Milliarden.

Gleichzeitig sind die Kosten nicht etwa in ähnlichem Umfang oder wenigstens ein bisschen gesunken. Nein, sie sind gestiegen. Von 8,2 auf 9,7 Milliarden, plus … 18 Prozent.

Sogar die Löhne und Boni legten zu. Business zerfällt, Grati boomt. Zumindest für die hochbezahlten „Cracks“.

In den Zahlen stecken neben Operativem viele Altlasten – Rückstellungen für Rechtsfälle, Abschreiber auf Goodwill, weitere Einmaleffekte.

Doch sie ändern nichts am kompletten Meltdown der CS im täglichen Geschäft: Die Bank ist hoffnungslos aus dem Tritt geraten.

Allen voran die Investmentbank. „Der Ertrag aus dem Kapitalmarktgeschäft war im Vorjahresvergleich um 96% rückläufig“, schreibt die CS in ihrem heutigen Quartalsbericht.

Praktisch das ganze Business tot, kaputt. Ende, Aus.

Durchblick? (A. Lehmann; FT)

Im Asset Management (AM), das der neue Hoffnungsträger Körner seit 17 Monaten leitet, sackten die Einnahmen im Berichts-Quartal brutal ab.

„Der ausgewiesene Nettoertrag des AM ging um 25 % im Vorjahresvergleich auf CHF 311 Mio. zurück“, heisst es dazu. In Körners Reich gab es „Netto-Mittelabflüsse von CHF 6,1 Mia. sowohl bei traditionellen als auch bei alternativen Anlagen“.

Auch das Private Banking, die vermeintliche Parade-Disziplin, auf welcher die CS-Spitze ihre ganze Hoffnung setzt, boomte nicht etwa.

Ganz im Gegenteil: Sie crashte ebenfalls

Und wie. Im 2. Quartal stürzten die Einnahmen um 34 Prozent; ein mehr als ein Drittel weniger im Geschäft mit den reichen Privatkunden eingenommen.

Das ist noch nicht alles. Im ganzen ersten Halbjahr waren es sogar 39 Prozent, welche die CS an Erträgen verlor im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Zurück zum Ursprung: CS Paradeplatz (IP)

Das führt zu einem fast nicht mehr nachvollziehbaren operativen Verlust – Verlust! – im Geschäft mit den Privatkunden von 453 Millionen in der ersten Hälfte 2022.

Es handelt sich um einen unglaublichen Rückschlag, nicht im volatilen Dealing&Wheeling, wo die CS nur einen Full stop reisst.

Sondern im vermeintlich sicheren und stabilen Vermögensverwaltungs-Geschäft. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die CS befindet sich im freien Fall.

Einziger Lichtschimmer: die CS Schweiz. Die Sparte läuft nach wie vor gut, verdiente vor Steuern fast 900 Millionen in den ersten sechs Monaten, ein leichtes Plus um zwei Prozent gegenüber 2021.

Um die CS Schweiz, also die Swiss Universal Bank, wie sie intern genannt wird, versucht Team Lehmann-Körner nun also seinen Neustart, angereichert mit Asien als Treiber in der globalen Vermögensverwaltung und einem reparierten Asset Management.

Auf zu New CS, die im Investment Banking nur noch eine kleine Nummer ist. Dort hatte sie einst mit dem Kauf der First Boston unter dem Kommando von Rainer Gut Wallstreet erobern wollen.

Fast ein halbes Jahrhundert später steht der Multi vor einem Scherbenhaufen. Das Vorhaben, zu den Goldman Sachs der Finanzwelt aufzuschiessen, hat aus dem soliden Alfred Escher-Haus einen kranken Bankenkoloss gemacht.

Jetzt geht die Reise zurück zur SKA, der Schweizerischen Kreditanstalt. Die Aber-Milliarden, die fehlen, hat die CS in ihrem Irrsinns-Trading vergammelt und vergambelt.

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AUTOR

Lukas Haessig

DATUM

Juli 27, 2022

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