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„Glückskette“ macht die Schweiz zu Entenhausen

Wenn die Frau des Präsidenten eines bitterarmen afrikanischen Staates sich in die eleganteste Pariser Mode hüllt, hallen durch die Büros der NGOs spitze Schreie des Entsetzens, wohl wissend, dass dann die Spenden für dieses bitterarme Land für mindestens drei Monate wieder massiv zurückgehen werden.

Viele Afrikanerinnen der sozialen Oberklasse haben es deshalb gelernt, sich in nicht weniger teuren einheimischen Roben zu zeigen. Sie sind nicht weniger auffallend, vertragen sich aber mit den „Identity“-Regeln besser, die von unseren Aposteln der kulturellen Korrektheit aufgestellt werden.

Wenn die Frau des Präsidenten der Ukraine, Olena Selensky, sich von der teuersten Fotografin der Welt, Anna Leibovitz, in Designermode ablichten lässt, ist der gleiche Effekt nicht geringer.

So geschehen in der jüngsten Ausgabe der „Vogue“, einem Modemagazin für die amerikanische Oberklasse.

Wieviel Anna Leibovitz für diese Bildreportage mit den Selenskys erhalten hat, bleibt geheim; aber unter 50’000 US-Dollar pro Portrait-Aufnahme hat die New Yorkerin nie gearbeitet.

„Shit happens“, sagen die US-Amerikaner, wenn bei einem ihrer Angriffe, sei es durch Drohnen und Raketen, Menschen verletzt und getötet werden, die man als Zivilpersonen leicht identifizieren kann.

„Shit happens“ in der kriegswichtigen Kommunikation, die uns alle darin bestätigen soll, dass die Ukraine das mutwillige Opfer des neuen russischen Zaren Wladimir ist.

Wolodymyr Selenski, dessen Frau ihm die Rollentexte schrieb, als er noch TV-Komiker und noch nicht Anti-Establishment-Politiker war, wurde nun das Opfer seiner Frau – oder einer amerikanischen PR-Agentur: mit einem Auftritt, den als unpassend zu bezeichnen nur der Anfang der Geschichte ist.

Halt, rufen jetzt die aufmerksamen Verteidiger der politischen Korrektheit. Dürfen wir die heldenhafte Ukraine, eine Demokratie, der EU-Präsidentin Ursula von der Leyen den baldigen Eintritt in die Europäische Union versprochen hat, mit irgendeinem der 58 afrikanischen Staaten vergleichen?

Die Ukraine, so heisst es, ist unser Bruder- und Schwesternland in Osteuropa, wo die Menschen genau so aussehen wie wir. Und manchmal sogar etwas besser, weil sie schneller laufen als wir und meist schlanker sind.

Ja, wir dürfen. Denn die Ukraine ist so bankrott wie kein anderer Staat in Europa. Seit Wochen tourt Wolodymyr Selenski von Konferenz zu Konferenz, um sein Land vor dem finanziellen Untergang zu retten.

Der ukrainische Staat braucht, mehr als dringend, nämlich sofort, fünf Milliarden Dollar pro Monat, um seine Verwaltung und die laufenden Staatskosten zu finanzieren. Der Krieg gegen Russland kostet extra.

In dieser verzweifelten Situation, wo die Präsidentin in Designerklamotten auftritt, die Russen weiter angreifen und der eigene Staat pleite ist, wurde das Schweizer Volk aufgerufen, dringend Geld zu spenden „für die Menschen aus der Ukraine“.

Während jedes Bäuerlein noch fünfzig Stutz locker macht für die Glückskette und die Caritas in Inseraten aufruft, „dringend“ Geld zu spenden, möglichst direkt mit TWINT, stellt sich heraus:

Das Schweizer Volk hat seit dem 24. Februar dieses Jahres allein der Glückskette über 125 Millionen Franken für die Menschen in der Ukraine überwiesen. Die gleiche Glückskette hat bisher aber nur 15,3 Millionen für 34 Projekte an die Ukraine weiter überwiesen.

Total haben Schweizerinnen und Schweizer seit Kriegsausbruch 285 Millionen zugunsten der Menschen in der Ukraine gespendet, an die Glückskette und andere Hilfswerke.

Man stelle sich vor: Wir alle senden seit Monaten viel Geld an die Glückskette, damit den Menschen weit im Osten Europas sofort geholfen werden kann.

Aber die Glückskette sitzt auf diesem Geld wie Dagobert Duck, der keinen Cent freiwillig herausrückt.

Die Glückskette hat die ganze Schweiz zu Entenhausen gemacht. Sie verteidigt sich:

„Wir arbeiten mit dem Roten Kreuz, Caritas und Helvetas in Projekten zusammen. In der Ukraine finden wir keine geeigneten Partner.“

Was geht da vor? Traut sich die Glückskette nicht zu, das vom Schweizer Volk vor Monaten gespendete Geld kontrolliert in die Ukraine zu senden?

Ja, sitzt sie vielleicht deshalb auf hunderten von Millionen Franken, die wir spendeten, weil sie das ganze Geld bisher nicht verteilen wollte oder konnte?

Damit ist das ganze Glückskette-Modell in Frage gestellt. Wieder verteidigt sie sich: „Wir geben das Geld für Projekte auf 3 bis 5 Jahre hinaus.“

Das Schweizer Volk hat das Geld aber, „dringend“, für Soforthilfe gespendet. Kommen die Gelder nicht in der Ukraine an, kommen sie vielleicht bei anderen Projekten auch nicht an?

Damit ist diese Dürrenmatt’sche Komödie aus Entenhausen-Schweiz noch nicht zu Ende. 

Der Verein der Ukrainer in Basel sitzt ebenfalls auf viel Geld, das von den Baslern gespendet wurde. Jetzt hat die Postfinance diese Hilfsgelder blockiert, weil im Rahmen der Sanktionspolitik Überweisungen in die Ukraine gestoppt wurden.

Tatjana Polt-Lutsenko, die in Basel für den Verein schon seit Jahren Geld für die Ukraine sammelt, ist verzweifelt. Die allein in Basel monatlichen Eingänge von 15’000 bis 20’000 Franken bleiben in Entenhausen.

Polt-Lutsenko musste nun neue Wege suchen, um das Geld in die Ukraine zu bringen.

Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, die abtretende Seco-Chefin, sagte zu den Sanktionen: „Wir stellen auch nicht hinter jedes Lichtsignal einen Polizisten.“

Das alles hat den ukrainischen Botschafter in der Schweiz, Artem Ribtschenko, enerviert. Er übt harsche Kritik an der Glückskette, geht es doch um weit über 100 Millionen Franken.

Ribtschenko fordert die Schweiz auf, alle Spenden direkt auf das Konto seines Präsidentin Wolodymyr zu überweisen: United 24.

In Bern ziert man sich. Warum?

Die Ukraine gilt als stark korruptionsverdächtig. Darf man auf das Konto eines Präsidenten, dessen Frau sich in Designerklamotten ablichten lässt, solche Summen überweisen?

Wer kontrolliert, welche Spesen dann abgezogen werden? Wer kontrolliert, wer das Geld aus der Schweiz erhält?

Selensky ist bekannt dafür, vor allem seine Freunde gefördert zu haben. Er selber wird von den ukrainischen Oligarchen gefördert.

Ein Theaterstück muss geschrieben werden. Da Dürrenmatt tot ist, bietet sich Olena Selensky, die Präsidentenfrau, an. Sie ist ein TV-Profi und kennt die Honorare.

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AUTOR

Klaus Stoehlker

DATUM

August 1, 2022

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