Droht ein militärischer Konflikt zwischen China und Taiwan? Allein die Ankündigung einer möglichen Landung der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan hat die diplomatische Lage enorm angespannt. Während der Westen einhellig Taiwan den Rücken stärkt, stellt sich Russland auf die Seite Chinas. Die VR China hat betont, auf eine Landung Pelosis entsprechend zu reagieren.

Liveticker zur Taiwan-Krise: 21 chinesische Kampfflugzeuge dringen in Luftraum Taiwans ein

Quelle: AFP © STR / AFP

  • 2.08.2022 20:25 Uhr

    20:25 Uhr

    Einundzwanzig Flugzeuge der chinesischen Armee sind in Taiwans Luftverteidigungszone eingedrungen

    Wie RIA Nowosti meldet, sind 21 Flugzeuge der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) in die Luftverteidigungsidentifikationszone im Südwesten Taiwans eingedrungen. Dies habe das Verteidigungsministerium der Insel mitgeteilt.

    An der Operation seien demnach acht J-11-Kampfflugzeuge, zehn J-16-Mehrzweckkampfflugzeuge, ein KJ-500-Langstreckenradarerfassungs- und -überwachungsflugzeug, ein Y-9-Flugzeug für die elektronische Kriegsführung und ein Y-8-Flugzeug für die elektronische Aufklärung beteiligt gewesen.

    Nach Angaben des Ministeriums hat Taiwan eine Luftpatrouille zur Überwachung der Situation entsandt und auch Flugabwehrraketensysteme eingesetzt.

    Die Kampfflugzeuge seien im Zusammenhang mit dem Taiwanbesuch der US-Delegation unter der Leitung der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in die taiwanesische Luftverteidigungszone eingedrungen.

    Angaben zu dem genauen Zeitpunkt des Eindringens wurden indes nicht gemacht.

  • 19:55 Uhr

    Moskau nennt Pelosis Besuch in Taiwan eine Provokation 

    Das russische Außenministerium hat den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan als „klare Provokation“ kritisiert. China sei im Recht, Maßnahmen zum Schutz seiner Souveränität und territorialen Unversehrtheit zu ergreifen, hieß es in der Mitteilung vom Dienstagabend in Moskau.

    „Wir betrachten den Besuch als klare Provokation im Geist der aggressiven Linie der USA zu einer umfassenden Eindämmung Chinas.“

    Russlands Haltung sei unverändert, dass es nur ein China mit der legitimen Regierung in Peking gebe.

    (rt/dpa)

  • 19:05 Uhr

    Südamerika-Experte Jasinski: „Wer heute über China lacht, hat nichts verstanden“ 

    Die erfolgreiche Landung von Nancy Pelosi auf Taiwan, die entgegen chinesischer Proteste und Warnungen erfolgt ist, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Der ukrainische Journalist und Lateinamerika-Experte Oleg Jasinski schrieb am Dienstagabend bei Telegram: 

    „Glücklicherweise zeigte die chinesische Regierung Weisheit und Zurückhaltung, indem sie sich weigerte, der Hexe die verdiente Euthanasie zu gewähren. Und da in den heutigen internationalen Beziehungen nicht einmal die Weisheit, sondern die bloße Vernunft äußerst selten ist, verdient China Bewunderung. Vor ein paar Stunden hing die Menschheit noch am seidenen Faden.

    Eine weitere Provokation des Hauptfeindes der Menschheit – der US-Regierung – gegen die Welt bestätigt einmal mehr unsere universelle Notwendigkeit der sofortigen Zerstörung des etablierten internationalen Systems, wo es nur noch Doppelmoral und Konzerninteressen gibt.

    Diejenigen, die jetzt von einer ‚Ohrfeige der USA für China‘ oder einer ‚öffentlichen Demütigung von Xi‘ sprechen, haben nichts verstanden. Die US-Regierung hat gerade eine beschämende Reality-Show mit den enormen Risiken eines planetarischen Atomkonfliktes inszeniert, nur um alle an ihre imperialen Ambitionen zu erinnern – überall und um jeden Preis.

    Ob man es nun mag oder nicht, mit der heutigen wilden Aktion haben die USA Russland und China keine andere Möglichkeit gelassen, als sich anzunähern, und zwar hurtig.“

  • 18:45 Uhr

    Kadyrow lacht China aus, Scharij prophezeit Xis Rücktritt  

    Bei Telegram kommentierte der tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow die Entwicklungen um den Flug von Nancy Pelosi auf Taiwan. Nach der ungestörten Landung der US-amerikanischen Boeing mit der Kongress-Delegation in Taipeh schrieb Kadyrow: 

    „Warum also so viel Aufhebens veranstalten, die Leute erschrecken, so viel Krach machen, wenn man die arme alte Dame von Anfang an so ruhig nach Taiwan hätte fliegen lassen können? Sie hätten es ruhig und leise durchführen können, aber nein, die arme alte Dame wurde stundenlang mit Kampfjets, Luftabwehr, Zerstörern und lauten Erklärungen verängstigt.“

    Der im spanischen Exil lebende ukrainische Journalist, Medienexperte und Politiker Anatoli Scharij wiederum gab seine Einschätzung noch vor der Landung der US-Amerikanerin auf Taiwan ab. Er schrieb gut eine Stunde vor der Landung bei Telegram:

    „China hat’s geschluckt. Es wird keine Antwort geben – Xi kann sich darauf vorbereiten, die Macht abzugeben.“

    Nach der Landung kommentierte er kurz und knapp:

    „Zusammengefasst: Die Berichte über die Supermacht China waren leicht übertrieben.“

    Dies sind Kommentare von Persönlichkeiten, die bislang große Sympathien für China und keinerlei Sympathien für die USA hegten.

  • 18:15 Uhr

    China ruft Manöver in sechs Seegebieten rund um Taiwan aus 

    Die östliche Zone des chinesischen Armeekommandos wird Medienberichten zufolge am Dienstagabend eine Reihe von Militäroperationen in der Nähe von Taiwan starten. Dazu gehören unter anderem Schießübungen mit großer Reichweite in der Straße von Taiwan und der Test einer Rakete mit einem nicht-nuklearen Sprengkopf.

    RIA Nowosti hat eine Karte der sechs geplanten Manövergebiete veröffentlicht. Darauf sieht man, dass diese die Insel von allen Himmelsrichtungen her umgeben. 

  • 17:47 Uhr

    China reagiert auf die Landung von Pelosi in Taiwan

    Der Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses sei ein Verstoß gegen die Ein-China-Politik und die Souveränität des Landes, so Peking.

    „Dies ist ein schwerwiegender Verstoß gegen das Ein-China-Prinzip und die Bestimmungen der drei gemeinsamen Kommuniqués von China und den USA. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die politische Grundlage der Beziehungen zwischen China und den USA und stellt eine ernsthafte Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Chinas dar“,

    verlautbarte das chinesische Außenministerium in einer Erklärung.

    Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin „untergräbt den Frieden und die Stabilität in der Straße von Taiwan und sendet ein völlig falsches Signal an die separatistischen Kräfte, die für die ‚Unabhängigkeit Taiwans‘ eintreten“, fügte das Ministerium hinzu. Es forderte Washington auf, „den falschen und gefährlichen Weg nicht weiter zu beschreiten.“

    „China lehnt dies entschieden ab und verurteilt es auf das Schärfste, und hat gegenüber den Vereinigten Staaten eine ernsthafte Demarche unternommen und scharf protestiert.“

    Nach tagelanger Ungewissheit bezüglich ihres Besuchs landete Pelosi am späten Dienstag auf der Insel, obwohl Peking wiederholt vor ebendiesem Besuch gewarnt hatte. Der Inselstaat, der von Peking als integraler Bestandteil Chinas betrachtet wird, stand nicht auf der offiziellen Liste der Ziele von Pelosis Asienreise. Zu diesen gehören auch Singapur, Malaysia, Südkorea und Japan.

  • 17:45 Uhr

    Pelosi und die Kongress-Delegation treffen im Hotel ein

    Nach der Landung und dem Empfang auf dem Flughafen in Taipeh sind Nancy Pelosi und ihre Begleiter in das Grand Hyatt in der Stadt gefahren. Der Konvoi traf dort gegen 17:40 Uhr Berliner Zeit (23:40 Uhr Ortszeit) ein und fuhr in der Garage. 

    Im Foyer des Hotels warten derweil hunderte Journalisten auf ein Statement von Pelosi. 

  • 17:25 Uhr

    Pelosi und US-Kongressdelegation geben Erklärung zum Besuch in Taiwan ab

    Anlässlich ihres Besuchs in Taiwan gaben Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, und die Mitglieder einer Delegation des Kongresses bei ihrer Ankunft in Taiwan nachfolgende Erklärung ab.

    „Der Besuch unserer Kongressdelegation in Taiwan ehrt Amerikas unerschütterliches Engagement für die Unterstützung der lebendigen Demokratie in Taiwan.

    Unser Besuch ist Teil unserer umfassenderen Reise in den indopazifischen Raum – einschließlich Singapur, Malaysia, Südkorea und Japan – und konzentriert sich auf gegenseitige Sicherheit, wirtschaftliche Partnerschaft und demokratische Regierungsführung. Unsere Gespräche mit der taiwanesischen Führung werden sich darauf konzentrieren, unsere Unterstützung für unseren Partner zu bekräftigen und unsere gemeinsamen Interessen zu fördern, einschließlich der Förderung einer freien und offenen indo-pazifischen Region. Amerikas Solidarität mit den 23 Millionen Menschen in Taiwan ist heute wichtiger denn je, da die Welt vor der Wahl zwischen Autokratie und Demokratie steht.

    Unser Besuch ist einer von mehreren Delegationsbesuchen des Kongresses in Taiwan – und er steht in keiner Weise im Widerspruch zur langjährigen Politik der Vereinigten Staaten, die durch den Taiwan Relations Act von 1979, die Gemeinsamen Kommuniqués der USA und Chinas und die Sechs Zusicherungen bestimmt wird. Die Vereinigten Staaten widersetzen sich weiterhin einseitigen Bemühungen, den Status quo zu ändern.“

    Our delegation’s visit to Taiwan honors America’s unwavering commitment to supporting Taiwan’s vibrant Democracy.Our discussions with Taiwan leadership reaffirm our support for our partner & promote our shared interests, including advancing a free & open Indo-Pacific region.

    — Nancy Pelosi (@SpeakerPelosi) August 2, 2022

  • 17:05 Uhr

    Hacker sollen Webseite der taiwanischen Präsidentin lahmgelegt haben 

    Wie dpa berichtet, sollen kurz vor dem erwarteten Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan unbekannte Hacker die Webseite der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen lahmgelegt haben. Das Präsidialamt in der Hauptstadt Taipeh habe einen Ausfall für rund 20 Minuten am Dienstagnachmittag bestätigt. Es seien indes Gegenmaßnahmen ergriffen worden, sodass die Webseite nun wieder normal funktioniere.

    Alle Regierungsstellen hätten ihre Wachsamkeit und Schutzmaßnahmen gegen die Cyber-Attacken verstärkt, erklärte ein Sprecher des Präsidialamts in Taipeh. Woher die Angriffe kamen, wurde nicht gesagt. China droht den USA und Taiwan bei einem Besuch von Pelosi mit Gegenmaßnahmen, denn die Führung in Peking betrachtet die Insel als einen Teil der Volksrepublik China.

    Die Abschaltung der Internet-Präsenz der taiwanischen Behörden wurde auch von anderen Portalen gemeldet.

    (rt/dpa)