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Schulfach Sex: Pornografie im Klassenzimmer

Published On: 11. August 2021 15:00

Frühsexualisierung hat es bis in schulische Lehrpläne geschafft. Zu verdanken ist dies den Epigonen eines berüchtigten Pädo-Pädagogen. Dieser Artikel erschien im COMPACT-Spezial 27: „Geheimakte Kinderschänder. Die Netzwerke des Bösen“.

«Nur sexuelle Bildung kann Kinder und Jugendliche gegen die tatsächlichen gesellschaftlichen Gefährdungen – einschließlich des sexuellen Missbrauchs – stärken.» Das schrieb ausgerechnet der Pädagoge Uwe Sielert, damals Professor an der Uni Kiel, 2016 in einem Gastbeitrag für die Zeit.

«Wenn Kinder zuvor von Eltern lustvoll gestreichelt werden, entdecken sie diese Lust selbstverständlich auch an sich selbst.» Uwe Sielert

Sielert gilt als besonders einflussreicher Protagonist der Frühsexualisierung. Wissenschaftstheoretisch steht er in der Tradition Wilhelm Reichs – und des «emanzipatorischen Konzepts» von Helmut Kentler, der für die jahrzehntelange Vermittlung von minderjährigen Jungen an pädophile Pflegeväter verantwortlich zeichnete. Außerdem ist Sielert Gründungsmitglied der Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP) und war Mitarbeiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die 2010 einen Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualerziehung vom 1. bis zum 3. Lebensjahr herausbrachte. Darin ist etwa zu lesen: «Es ist ein Zeichen der gesunden Entwicklung Ihres Kindes, wenn es die Möglichkeit, sich selbst Lust und Befriedigung zu verschaffen, ausgiebig nutzt.»

Elisabeth Tuider: Sie kämpft für eine «neoemanzipatorische Sexualpädagogik». Foto: Heinrich-Böll-Stiftung

Auch wenn Sielert nicht Autor jener Broschüre ist, so trägt sie doch seine Handschrift. Der Pädagogikprofessor begreift Sexualität als positive «Kraftquelle für Lebensmut», egal in welchem Alter. Deshalb solle die Sexualität von frühester Kindheit an geweckt und gefördert werden – im Elternhaus, in der Kita und später auch in der Schule. Kinder sollen «die Lust an sich selbst entdecken», so sein Credo.

Ähnlich wie Kentler hebt er dabei natürliche Schranken auf. So schrieb er 1993 in einem Beitrag für die Zeitschrift Der Nagel : «Wenn Kinder zuvor von Eltern lustvoll gestreichelt werden, entdecken sie diese Lust selbstverständlich auch an sich selbst. Wenn sie gar nicht wissen, was Lust ist, werden auch die sexuellen Spielereien fehlen.»

Gangbang im Unterricht

Die Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten und der Missbrauchsopferverein Zartbitter werfen Sielert vor, «die Schamgrenzen von Kindern und Jugendlichen aufzubrechen». Kolumnist Jan Fleischhauer kritisierte auf Spiegel Online  das erklärte Ziel des Pädagogen, die Heterosexualität und die Kernfamilie zu «entnaturalisieren» (wie es dieser in seinem Aufsatz Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik der Vielfalt  für die BZgA bezeichnete), als Versuche, das traditionelle Familienbild zu überwinden, indem abweichende Lebensweisen zur Norm erklärt würden.

Sielert hat auch in der Kommission Sozialethik der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgearbeitet, wo er kundtat: «Eine ernst zu nehmende Erziehungswissenschaft muss die Dominanzkultur zunächst in Frage stellen, um dann langsam menschenfreundliche und das Individuum berücksichtigende Inhalte zu konstruieren, die dann eben parlamentarisch auch eine Mehrheit kriegen müssen, um in die schulischen Curricula zu kommen.»

Von außen solle der Raum, in dem das Treiben stattfindet, nicht einsehbar sein.

In einige Lehrpläne geschafft haben es schon die Inhalte des Buches Sexualpädagogik der Vielfalt  (2012). Hauptautorin ist die Erziehungswissenschaftlerin Elisabeth Tuider, die als Professorin an der Universität Kassel mit dem Fachgebiet «Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender» betraut ist. Auch Tuider ist Mitglied der GSP – und beruft sich auf die Ansätze des Skandal-Pädagogen Kentler.

Ihre mit mehreren Kollegen verfasste Schrift regt eine stärkere Einbeziehung praktischer Übungen in den schulischen Sexualkundeunterricht an. So wird beispielsweise empfohlen, 12-Jährigen die Frage zu stellen, was ein Gangbang sei. Die Antwortmöglichkeiten: «a) Sex in einer Gruppe von vielen Männern und Frauen; b) Sex zu dritt; c) Wenn eine Person mit mehreren Männern, die in einer Schlange anstehen, hintereinander Sex hat.»

Obszön: Abbildung aus dem vergriffenen Aufklärungsbuch «Lisa & Jan» (1991). Foto: Beltz Verlag

In einer anderen Übung sollen zehn Jahre alte Schüler aufgefordert werden, ihre «Lieblingsstellung/Lieblingssexualpraktik» mitzuteilen, während sie sich zu dynamischer Musik schwungvoll durch den Raum bewegen. 14-Jährigen wird weitaus mehr zugetraut – oder zugemutet: Sie sollen bei einer gespielten Auktion Gegenstände für verschiedene Parteien in einem Mietshaus ersteigern: für eine alleinerziehende Mutter, ein heterosexuelles kinderloses Paar, ein schwules Paar, ein lesbisches Paar mit zwei Kindern, ein Senioren-Paar oder eine Wohngemeinschaft mit drei Behinderten. Ein heterosexuelles Paar mit Kindern wohnt dort nicht. Zur Auswahl stehen unter anderem Windeln, Aktfotos, ein Dildo, Kondome, Potenzmittel, Vaginalkugeln sowie Lack- und Lederklamotten.

Tuider und ihre Mitautoren wollen, wie sie explizit schreiben, «Verwirrung» und «Veruneindeutigung» stiften. Ihre Zielsetzung ist die «Vervielfältigung von Sexualitäten, Identitäten und Körpern» und sogar das «Verstören, im Aufzeigen verschiedener Identitätsmöglichkeiten und im Schaffen neuer Erlebnisräume». Kinder sollen aufgefordert werden zu zeigen, was sie sexuell immer schon mal ausprobieren wollten – auch mit Erwachsenen. In einer Anweisung an die Lehrkräfte heißt es: «Die Leitung moderiert und nimmt, sofern sie will, an der Übung teil.» Bei den im Buch empfohlenen Massagen für 10-Jährige eigne sich dünne Kleidung, damit der unterschiedliche Druck und die verschiedenen Streichrichtungen erspürt werden könnten. Dabei dürften nach Ansicht der Autoren die verschiedenen Massagetechniken auch «durch die Leitung», also die erwachsenen Pädagogen, «vorgezeigt» werden. Von außen solle der Raum, in dem das Treiben stattfindet, nicht einsehbar sein, heißt es in Sexualpädagogik der Vielfalt.

Dirty Talk im Klassenzimmer

Eine Wandzeitung, auf die die Schüler «auch scheinbar Ekliges, Perverses und Verbotenes» schreiben sollen, ist ebenso vorgesehen wie das Ausdenken «galaktischer Sexpraktiken», die auf der Erde verboten seien. Auch sogenannte Klangübungen werden angeregt. Dazu gehören «lautes Stöhnen» und «Dirty Talk». Zur Übung «Sexualität während der Menstruation» für Schüler ab 12 Jahren können auch Gruppensex-Konstellationen in die Rollenspiele eingebaut werden, schreiben Tuider & Co.

Elisabeth Tuider und ihre Mitautoren wollen «Verwirrung» und «Veruneindeutigung» stiften.

Einen absoluten Tiefpunkt des Buches stellt schließlich die Aufforderung an 15-Jährige dar, einen «neuen Puff für alle» einzurichten, wobei auch abwegige sexuelle Präferenzen zu berücksichtigen sind. Das virtuelle Bordell soll mit allerlei Zimmern ausgestattet sein, wobei der Frage nachgegangen werden soll: «Welche sexuellen Vorlieben müssen in den Räumen wie bedient und zufriedengestellt werden?» Wer da in der vierten Klasse (!) schon gut aufgepasst hat, hat gute Karten, denn er weiß, wie man die Bedürfnisse der Kundschaft nach Blowjobs, Cunnilingus, Dildospielen, SM-Praktiken und gegenseitigem Anpinkeln am besten befriedigt.

«Bei Frank Herrath und Uwe Sielert wälzen sich die Eltern in einer Illustration nackt und ineinander verknäult auf dem Bett, während Jan zufällig zuguckt.» So rezensierte die Taz 1991 Lisa & Jan, laut Untertitel ein «Aufklärungsbuch für Kinder und ihre Eltern». Und das Blatt schwärmte weiter: «Aufklärung? Aufklärung! Aber ohne den Mief der 1960er Jahre, ohne Bienchen und Blümchen, ohne quergeschnittene Geschlechtsorgane.» Dafür sind die gezeichneten Bilder in dem Band des Kentler-Epigonen und seines Kollegen umso eindeutiger: Man sieht ein Kind, das sich einen Finger in den Po steckt, ein Mädchen präsentiert einem Jungen sein Geschlechtsorgan, es gibt FKK- und Kuschelszenen – auch mit Erwachsenen. Dazu Texte wie: «Mädchen habe eine Scheide, die auch Möse oder Schlitz genannt wird. Jungen haben einen Pimmel – man kann auch Penis Schwanz oder Glied dazu sagen.» Mehrere Familienverbände kritisieren das Buch wegen seiner bis ins Pornografische gehenden Abbildungen, die auch die Fantasie von Pädophilen beflügeln könnten.

Bei kritischen Nachfragen der Jugendlichen zum Thema «käufliche Liebe» soll die Lehrkraft nach Ansicht der Autoren übrigens der Diskussion «die Tiefe nehmen», und zwar, «indem sie auf die persönliche Freiheit hinweist, sexuelle Dienste in Anspruch nehmen zu dürfen beziehungsweise diese anzubieten». Die Lehrer sollen also selbst dann noch Prostitution verteidigen, wenn die Schülerinnen und Schüler daran Anstoß nehmen.

Dieser Artikel erschien im COMPACT-Spezial 27: „Geheimakte Kinderschänder. Die Netzwerke des Bösen“. Diese Ausgabe können Sie in digitaler oder gedruckter Form  hier bestellen.

Über den Autor

Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit Oktober 2017 ist er Redakteur von COMPACT-Magazin und betreute federführend diverse Sonderausgaben wie COMPACT-Spezial „Finanzmächte“, „Politische Morde“ oder „Tiefer Staat“. Seit Januar 2021 ist er Online-Chef von COMPACT.

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