Impfschutz ist nach sieben Monaten gleich Null

Veröffentlicht am 23. November 2021 von LK.

Vor einigen Wochen prophezeite uns die Fachwelt eine «Pandemie» der Ungeimpften. Jetzt ist es eine Welle der Geimpften, die uns offenbar droht, so der renommierte Arzt, Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé in einem Interview mit ntv am 23. Oktober 2021. Das Problem ist die Schutzwirkung der Impfstoffe, die man massiv überschätzt hatte. Dabei sind sie doch so gut erforscht, so sicher und wirksam, wie es immer heisst.

Wenige Tage später, am 2. November 2021, sagte Kekulé in seinem Podcast bei MDR aktuell auf die Frage, warum es bei den Geimpften derzeit so viele Impfdurchbrüche gäbe: «Bei Johnson & Johnson und AstraZeneca ist die Schutzwirkung einige Monate nach der Impfung so miserabel, dass man sie fast bei Null ansetzen kann, nach den allerneuesten Daten.»

Auch sei die Dunkelziffer derjenigen sehr hoch, die trotz Impfung erkranken. (Wie in der Zulassungsstudie des Pfizer-BioNTech-Impfstoffs gepfuscht wurde, lesen Sie in unserem Artikel «Schlampereien bei Zulassungsstudie für Corona-Impfstoff».)

Der Impfschutz sei unvollständig und werde auch ständig schlechter, so Kekulé. Wortwörtlich sagte der Virologe, der an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg das Institut für Mikrobiologie leitet:

«Also, wir haben ja zwei Effekte. Das Eine ist, dass – insbesondere bei alten Menschen – die Impfung eben unvollständig wirkt, auch bezüglich Verhinderung von Todesfällen. Also, insofern muss man es ein bisschen relativieren, was Herr Mertens von der STIKO gesagt hat, dass die Impfung bei Todesfällen so gut schützt. Nein, das sehen wir eben gerade, dass eben auch Geimpfte jetzt immer häufiger auf den Intensivstationen liegen und auch sterben. Zweitens haben wir wirklich – das ist inzwischen belegt – diesen Effekt, dass zumindest nach sechs Monaten, zumindest bei älteren Menschen, der Impfschutz langsam nachlässt.»

Kekulé bezieht sich dabei auf eine schwedische Studie der University of Umea, die am 25. Oktober 2021 veröffentlicht wurde. In dieser Studie wurden die Daten von 842’974 Geimpften mit denen einer gleichen Zahl Ungeimpfter verglichen. Die Geimpften hatten zwei Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca, Moderna oder Pfizer/BioNTech erhalten.

Untersucht wurde nun das Auftreten von symptomatischen Infektionen sowie von schweren Covid-19-Verläufen (Hospitalisierung und Tod innerhalb von 30 Tagen nach bestätigter Infektion) im Zeitraum vom 12. Januar bis zum 4. Oktober 2021.

Die Schutzwirkung des Pfizer/BioNTech-Impfstoffs nahm (laut der schwedischen Studie) in Bezug auf eine Infektion kontinuierlich von 92 Prozent (ganz am Anfang, zwischen Tag 15 und 30) auf 47 Prozent zwischen Tag 121 und 180 ab. Von Tag 211 an konnte keine Wirksamkeit mehr beobachtet werden.

Mit Tag 211 beginnt der 8. Monat. Nach sieben Monaten hat man also mit der Pfizer/BioNTech-Impfung keinen Impfschutz mehr. Die Schutzwirkung des Moderna-Impfstoffes nahm etwas langsamer ab und wird auf 59 Prozent ab Tag 181 geschätzt. Mit Tag 181 beginnt der 7. Monat.

Der Impfschutz des AstraZeneca-Impfstoffes war im Allgemeinen noch niedriger als der von Pfizer/BioNTech und schwand auch zügiger. Hier wurde schon ab Tag 121 keine Schutzwirkung mehr beobachtet. Im Gegenteil, die schwedischen Forscher geben ab diesem Zeitpunkt einen Wert von -19 Prozent an. Was das Minus bedeutet, erklärt Ihnen am besten Professor Kekulé:

«Richtig abgeschmiert hat AstraZeneca hier. Aber das wird in Deutschland ja nicht mehr verwendet. Und da habe ich mich ja auch schon geäussert, dass ich finde, dass die eine dringende Auffrischung brauchen. Da ist es sogar so, dass schon nach vier Monaten die AstraZeneca-Geimpften keinen Impfschutz, sondern statistisch gesehen minus 19 Prozent haben. Das heisst also, dass die sogar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, symptomatisch Covid zu bekommen.»

Sie haben richtig gelesen. Wer mit AstraZeneca geimpft ist, hat nach vier Monaten ein um 19 Prozent höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken als ein vollständig Ungeimpfter.

Die Erklärung des Virologen für das erhöhte Krankheitsrisiko der AstraZeneca-Geimpften lautet folgendermassen: «Das ist natürlich deshalb, weil jemand, der geimpft ist, sich statistisch gesehen unvorsichtiger verhält. Der ändert sein Verhalten. Und wenn Sie das vergleichen mit jemandem, der ungeimpft ist, der dann vielleicht noch Maske hat und immer regelmässig Tests macht (Stichwort 3G) der hat eben dann tatsächlich seltener Covid am Schluss als ein Geimpfter, der glaubt, er wäre geschützt. Und das ist bei den AstraZeneca-Leuten wohl der Fall gewesen.»

So richtig überzeugt dieses Argument nicht. Denn bei Nachlassen des Impfschutzes müsste sich auch das Krankheitsrisiko bei den anderen Impfstoffen erhöhen. Oder sind die Moderna- und BioNTech-Geimpften nicht so unvorsichtig?

Die schwedische Studie ist eine vorläufige Studie, die auf der Plattform Preprints with The Lancet veröffentlicht wurde. Das heisst, sie wird deshalb online gestellt, damit sie von der Fachwelt diskutiert werden kann. Sie ist jedoch noch nicht in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet worden. Professor Kekulé erwähnt das an keiner Stelle, vermutlich weil er die Studie als so hochwertig einschätzt.

Er nennt das Setting (Anm. ZDG-Redaktion: Vorgehensweise in der Studie und Aufbau der Studie) «super» und sagt: «Gehört in die Kiste der sogenannten Beobachtungsstudien. Ist also keine richtig geplante, experimentelle Studie, aber in dem Fall sehr, sehr leistungsfähig. Weil die Zahl so gross ist, weil man dann auch die Störfaktoren ganz gut rausrechnen kann – wie Alter, die Region, wo jemand lebt usw. Wenn man so viele hat und für jeden dann einen gematchten, einen passenden, nicht geimpften Fall hat. Der andere Vorteil ist: Die hatten eben in Schweden alle möglichen Impfstoffe (AstraZeneca, BioNTech und Moderna) und haben dann geguckt: Volle Impfung gegen ungeimpft.»

Der MDR-Moderator Camillo Schumann meint zu den Studienergebnissen: «Dass die Wirkung der Impfung nicht bei allen Menschen gleich lang und gleich stark ist, das war ja zu erwarten. Aber: Dass der Impfschutz nach schon sieben Monaten gar nicht mehr da ist, hat dann doch sehr überrascht.» Und Kekulé bestätigt: «Ja, also, das ist natürlich für mich jetzt auch überraschend gewesen … .»

Die Überraschung ist kein Wunder. Denn wir alle wurden wochen- und monatelang davon überzeugt, wie grossartig die Impfstoffe, wie wirksam und sicher diese seien. Auch Studien gibt es dazu, die bei der Überzeugungskampagne kräftig mitwirkten, etwa jene, die Ende Juni 2021 im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht wurde.

Darin hiess es: Die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna würden eine so anhaltende Immunreaktion im Körper verursachen, dass sie vermutlich über Jahre hinweg vor Corona schützen würden, so die betreffenden Wissenschaftler der Washington University in St. Louis.

Auch würden die meisten mit mRNA-Impfstoffen geimpften Leute keine Booster-Impfungen mehr brauchen (zumindest nicht was die bekannten Varianten betrifft – Delta war seinerzeit schon bekannt). Und Leute, die bereits genesen waren und sich dann noch impfen lassen, wären höchstwahrscheinlich sogar ein Leben lang geschützt, bräuchten also nie wieder eine Auffrischung.

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Carina Rehberg hat Biologie studiert und ist seit 2009 als Medizinjournalistin beim Zentrum der Gesundheit tätig. Bevor sie sich zur ganzheitlichen Gesundheits- und Ernährungsberaterin ausbilden liess, war sie mehrere Jahre als Wirtschaftskorrespondentin tätig.

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AUTOR

Lena Kuder

DATUM

November 23, 2021

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