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Zwischen Schule und Selbstverwirklichung

Eltern wünschen sich normalerweise, dass ihre Kinder in der Schule gut sind, und es erfüllt sie mit Stolz, wenn sie dann studieren. Sie vergessen aber oft, was ihren Kindern auf diesem Weg geschieht, wie sie in unserem Bildungssystem indoktriniert werden, welchen Anpassungsdruck an ein wokes Milieu sie ausgesetzt sind und wie schwierig es für sie wird, unter den heutigen Umständen, eine ganz eigene, ihre eigene, Persönlichkeit zu entwickeln. Immer mehr sehe ich es als meine Aufgabe als Vater an, den Kids geschützte Freiräume zur Verfügung zu stellen, Orte, an denen die Schule oder die Gesellschaft keine Macht über sie hat; an denen sie sein können, wie sie sind.

Das hat natürlich Auswirkungen, und so ist auch im Zeugnis meines Jüngsten in der Beurteilung zu lesen: „Hausaufgaben bearbeitete er konsequent nicht.“ Natürlich ist diese Bemerkung hauptsächlich eine Kritik an den Eltern, an mir also. Doch, nein! Ich will und werde kein Büttel der Schule sein, um damit dann das Vertrauensverhältnis zwischen mir und meinem Sohn zu zerstören. Das gilt natürlich für alle meine Kinder.

Mag sein, dass unter meinem Handeln der Bildungserfolg leidet, jedenfalls, wenn man darunter gute Noten versteht, solche, die den Weg für ein ordentliches Studium ebnen und auf die Eltern stolz sind.

Wissbegierig ist er ja, nur nicht auf das, was er lernen soll

Natürlich zweifle ich, ob das, was ich tue, nämlich meine Kinder nicht zu folgsamen und angepassten Mitmachern zu erziehen, auch der richtige Weg ist. Wie viele Entwicklungsmöglichkeiten nehme ich ihnen, wenn ich sie nicht zum Streber trimme, sondern vor allem hoffe, dass sie zu sich selbst finden. Außerdem kann ich meinem Sohn nicht erklären, dass sein Weg möglicherweise schwerer wird, wenn er nicht brav folgt, und ich will es ihm auch nicht erklären. Er würde meine Selbstverleugnung erkennen.

Letzte Woche war es, da fiel mir auf, wie schwer seine Schultasche war, als ich sie ihm aus dem Auto reichte, und ich dachte im ersten Moment daran, dass er wieder einmal zu faul war, das, was er an diesem Tag nicht an Büchern oder Schulutensilien benötigte, aus der Tasche zu räumen. „Sag mal, trägst du die ganze Schule mit dir rum?“, fragte ich ihn. Er lächelte mich an: „Ach, das sind nur meine Steine!“ Aha! Von denen will er sich also nicht trennen. Am Tag davor waren wir im Schwarzwald (Nagoldtalsperre) gewesen, und dort hatte er wieder ein paar der ihm interessant erscheinenden Steine eingesammelt, so wie er das überall macht, wo wir hinkommen. Ich habe keine Ahnung, was ihn so daran fasziniert, aber er wird mir das sicher irgendwann erklären. Momentan begnüge ich mich mit der Beobachtung, dass ihm seine Steine wichtiger sind als die Bücher.

Oder es sind nur die falschen Bücher, die er von mir und den Lehrern bekommt. Um die richtigen zu finden, welche, die ihn interessieren, sollte ich wohl mehr auf seine Fragen achten. „Warum haben die Steine hier so viele verschiedene Farben?“, fragte er mich beispielsweise bei unserem Tag am See. Wissbegierig ist er ja, nur nicht auf das, was er lernen soll.

Dieser Text ist ebenfalls auf Quentin Quenchers Blog Glitzerwasser erschienen.

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Juli 28, 2022

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