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Die Bundeswehr guckt im Weltraum zu: Kramp-Karrenbauers neues Kommando 

Published On: 31. Juli 2021 10:20

Unseren Streitkräften gelingt wenig: Das Material erneuerungsbedürftig, die Nachwuchslage schwierig, das Geld knapp. Jetzt kommt ein Weltraumlagezentrum dazu. Doch die Devise heißt auch hier: Neue Dienstposten schaffen – aber bloß nicht kämpfen können.

IMAGO / Björn Trotzki

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Flughafen Leipzig im Gespräch mit Brigadegeneral Frauenhoff

In Uedem, in Sichtweite der niederländischen Grenze, verfügt die Bundeswehr nunmehr über eine Dienststelle, die die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland im Weltraum in die Hände nehmen wird. Wer nun denkt, dass unser Land im All nun stärker aktiv werden wird, sieht sich getäuscht. Dem Verteidigungsministerium zufolge dient diese Dienststelle der Bündelung bisheriger Expertisen und Kapazitäten der Organisationsbereiche Luftwaffe sowie Cyber- und Informationsraum (CIR). Als neue Fähigkeit wird angegeben, dass dieses Weltraumkommando als zentrale Ansprechstelle für multinationale Partner der besseren Kommunikation aller Akteure dienen solle. Das Weltraumlagezentrum biete neue technische Möglichkeiten, schließlich würde die Bedrohung zunehmen. Siehe hier.

Wenig mehr kommt mit der geplanten engen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) hinzu. Ferner sollen unter dem Aspekt „Führung für die Dimension Weltraum aus einer Hand“ Weltraumoperationen geplant und geführt sowie militärische Weltraumsysteme als Dauereinsatzaufgabe der Bundeswehr kontrolliert werden. Darunter fallen so wichtige Dinge wie Kollisions- und Annäherungswarnungen von Raumflugkörpern auf ihren Umlaufbahnen. Nicht zuletzt sollen Weltraumsysteme der Bundeswehr geschützt und – wenn notwendig – verteidigt werden. Internationale Partner auf Anfrage zu unterstützen, ist selbstverständlich ein weiterer Bestandteil dieses überschaubaren Aufgabenkataloges. Dafür werden in Uedem künftig mit 250 Mitarbeitern dreimal so viele wie bisher eingesetzt.

Was ist nun davon zu halten, was stecken für Kapazitäten hinter diesem hehren Absichten, geht Deutschland damit einen Schritt weiter auf dem Weg zur Weltraumnation? Um es vorwegzunehmen: Beinahe nichts von alledem steht zu erwarten. Die Bundeswehr verfügt über gerade einmal sieben Satelliten, die insbesondere Informationen und Verbindungsmöglichkeiten für Auslandseinsätze liefern. Es gibt derzeit keine weitergehenden Pläne zur Beschaffung oder gar Bewaffnung beispielsweise im Interesse der Bekämpfung feindlicher Satelliten. Der Schwerpunkt soll wie bisher auch bei Aufklärung, Frühwarnung und der Kommunikation liegen. Beobachten und melden sagt der Soldat dazu; frühzeitig wissen, dass der Feind bald zuschlägt und sich rasch verkrümeln, lautet anscheinend die Devise. Allerdings ist das bei Raumfahrzeugen so eine Sache, die bleiben frei sichtbare Zielobjekte. Die namhaften Weltraummächte sind zu deren Störung wie auch Bekämpfung in der Lage. Die Verteidigung der Deutschen im Weltall beschränkt sich auf hehre Absichten und schöne Worte.

Im erdnahen Weltraum kreisen derzeit rund 3000 Satelliten sowie über 20.000 weitere Objekte. Darunter auch sogenannter Weltraumschrott als Überbleibsel nicht mehr funktionsfähiger oder zerstörter Raumkörper. Die Bundeswehr betreibt gerade einmal zwei Kommunikationssatelliten (COMSATBw-1 und 2) sowie fünf zur Aufklärung (SAR-Lupe mit Radartechnologie). Letztere sollen durch drei neue abgelöst werden, deren Start sich seit Jahren immer wieder verzögert. Ferner hat sich die Bundesrepublik mit 210 Millionen Euro am Bau dreier französischer Spionagesatelliten beteiligt, deren Bilder die Bundeswehr nutzen darf. Siehe hier.

Die Bedeutung von Raumkörpern nimmt im zivilen Lebensalltag von der Kommunikation, über die Erdbeobachtung bis zu Navigation weiterhin zu, die Bedrohung aus dem Weltraum allerdings auch. Die US-Weltraumkräfte verfügen über Offensivwaffen, mit denen Satelliten gestört und lahmgelegt werden können. Russland hantiert mit bisher unbekannten Projektilen im All. China ist Pentagon-Quellen zufolge dabei, umfassend auch in Antisatellitenwaffen zu investieren. Selbst Indien ist bereits in der Lage, Satelliten mit Raketen zu bekämpfen. Zudem nutzen heutige Streitkräfte vermehrt Raumfahrzeuge für die Zielsteuerung ihrer Waffensysteme. 

Nun also greifen die Deutschen mit ihrem Weltraumkommando in das Geschehen ein. Sie verdreifachen ihren Bürokratieapparat, ohne in der Sache auch nur einen Schritt voran zu kommen. Manch einer hatte gehofft, dass dieses versuchte Glänzen mit immer noch mal neuen und aufwendigen Institutionen nach dem Abgang von der Leyens ein Ende findet. Der aufgeblähte Cyber-Bereich als eklatantes Beispiel: Fehlende offensive Möglichkeiten qualifizieren ihn schlicht zur Fehlgeburt. Aber weit gefehlt. Schöne Bilder, die Tatkraft vermitteln und den Eindruck suggerieren, dass wichtige Aufgaben konsequent angegangen werden, üben geradezu einen Suchtfaktor auf Politiker aus. Nachrichtenagenturen und Medien übernehmen diese Meldungen bereitwillig. Dass wieder mal nur der Apparat verteuert wird, während sich an der Leistung wenig bis gar nichts ändert, fällt unter den Tisch. Kaum ein kritisches Wort in den Presse- und Medienerzeugnissen, mehr Personal und mehr Geld fallen anscheinend unbegrenzt vom Himmel.

Fatalerweise ergänzen sich die Interessen der handelnden Politiker mit denen der Militärs: Die Luftwaffe erweist sich mal wieder als äußerst geschickt darin, bestehende Strukturen aufzublasen und immer größer zu machen, als es den begrenzten Möglichkeiten zufolge eigentlich angemessen wäre. Immer noch mehr gut dotierte Dienstposten stärken die Stellung der Vorgesetzten und helfen, die Gehaltsmitteilung aufzubessern. Noch ein General und noch ein General, so scheint die Devise zu lauten, so dürfte es auch in diesem Fall kommen. Die Politik fällt immer wieder auf Mechanismen herein, die einen langen Bart haben. In der Bundeswehr dienten im Jahre 2020 nur mehr 850 Soldaten pro General, zu Zeiten des Kalten Krieges waren dies etwa 2200. Jeder vierte Soldat ist bereits heute Offizier. Wo soll das noch hinführen? Kein Wunder, dass die Personalkosten fröhlich weiter steigen.

Entscheidende Waffe der Gegenwart

Im internationalen Vergleich bleiben die deutschen Möglichkeiten im Weltraum ohne Bedeutung. Der großspurige Begriff von „Weltraumoperationen“ ist mit keinen nennenswerten Fähigkeiten unterlegt. Es gäbe eine nahe liegende Lösung, auch mit begrenzten Kräften bessere Wirkungen zu erzielen. Kein Weg führt mittel- und langfristig daran vorbei, auf diesem wichtigen Sektor die Zusammenarbeit auszubauen und auf potentielle Partner zu zugehen. In Sonntagsreden wird die europäische Armee beschworen, im Alltag putzt jeder nur seine eigenen Stiefel. Der Weltraum wäre ein bestens geeignetes Feld, um die verzettelten europäischen Kapazitäten nach und nach zusammenzuführen und größeres aufzubauen. Der Bedarf dafür ist da, die Bedrohungslage zeigt es.

Nicht zuletzt hatte Ministerin Kramp-Karrenbauer mit dem Eckpunktepapier für die Bundeswehr der Zukunft noch vor kurzem Erwartungen geweckt, die überbordende Ämter- und Kommandostruktur der Streitkräfte auf ein überschaubares Maß zurückstutzen zu wollen. Nun wird erklärt, dass das Weltraumkommando ein erster großer Schritt sei zur Umsetzung der Umbaupläne für die Bundeswehr. Anstatt endlich tiefe Schnitte in die vorhandene Überorganisation zu setzen, geht es offenbar weiter wie gehabt.

Entgegen allen Behauptungen wird damit keine Handlungsfähigkeit gestärkt, die Dimension Luft- und Weltraum wird aus Deutschland heraus weiterhin nur beobachtet. Nennenswerte eigene Kräfte? Fehlanzeige! Offensive Operationsmöglichkeiten gegen stärker werdende Bedrohungslagen wird es weiterhin nicht geben. Gestärkt werden dagegen die Möglichkeiten der Deutschen, noch mehr internationale Konferenzen und Besprechungen zu besuchen und sich am Verhandlungstisch wichtig zu machen. Geht es uns tatsächlich immer noch so gut, dass wir uns damit zufrieden geben können? So jedenfalls wird man niemals ganz oben mitmischen können, dies scheint aber auch auf diesem Feld nicht die Absicht.


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