Das Rathaus in Temeschwar wurde letztes Wochenende zu einem Schauplatz deutschenfeindlicher Ausschreitungen. Die heimischen Medien schweigen.

Foto: radufan / wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Donauschwaben    22. Jänner 2022 / 16:18

Deutschenfeindliche Ausschreitungen in Temeswar – Rumänen stürmen Rathaus

Am Montag kam es zu einer unfassbaren Aktion großrumänischer Nationalisten in Temeswar (rumänisch: Timișoara), der Hauptstadt des Banats. Die Stadt hat einen deutschen Bürgermeister – für die Rumänen der Partei „AUR“ Grund genug, das Rathaus zu stürmen und ihn zu bedrohen.

„Komm raus, du Drecksköter“

Am helllichten Tag versammelte sich letztes Wochenende rund 50 gewaltbereiten Rumänen, die das Rathaus stürmen wollten, um Dominic Fritz daraus zu vertreiben. Da der Haupteingang versperrt war, drangen sie durch den Hintereingang ins Rathaus ein. Wie die Deutsche Welle berichtete, schrien sie im Inneren aggressiv Parolen wie „Komm raus, du Drecksköter“ und „das Land braucht solche dahergelaufenen Ausländer nicht“. Als sie Fritz nicht vorfanden, verließen sie das Gebäude wieder. Die Szenen sind auf YouTube festgehalten.

„AUR“ ist ernstzunehmende politische Kraft

Die aggressiven Rumänen werden der Gruppe „AUR“ zugeordnet, einer nationalistischen Partei, deren Ziel die weitgehende Unterdrückung der nicht-rumänischen Kulturen (vor allem der deutschen und ungarischen) im Lande ist. In ihrem offiziellen Programm steht unter anderem der Anschluss des (aus ethnischer Sicht) rumänisch besiedelten Moldawiens an Rumänien. Selbst der Parteivorsitzende der AUR, George Simion, war unter den Angreifern. Die AUR sitzt mit rund neun Prozent im rumänischen Parlament und ist damit eine ernstzunehmende politische Kraft.

Von Polizei keine Spur

Die Konsequenzen für die Randalierer? – Anscheinend keine! Der nächste Teil des Skandals ist es, dass weder Medien noch Polizei noch Justiz große Bemühungen anstrengten, der Sache nachzugehen. Obwohl die Personen über 15 Minuten im Rathaus tobten, schaffte es in der Zeit kein einziger Polizist zum Tatort. Nur ein einsamer Sicherheitsmann stellte sich mit Waffe der wilden Meute entgegen.

Vor 100 Jahren noch Deutsche in Mehrheit

Temeswar ist dabei erst seit gut 80 Jahren überwiegend rumänisch besiedelt. Es ist die Hauptstadt der Region Banat. Das Banat war bis 1921 über 900 Jahre lang Teil des Königreichs Ungarn. In den Türkenkriegen wurde das Gebiet weitgehend entvölkert. Anschließend siedelten die Habsburger dort gezielt Deutsche an, die „Banater Schwaben“, eine Untergruppe der Donauschwaben. 1920 lebten in der Stadt rund 33.000 Deutsche (32 Prozent), 31.000 Ungarn (31 Prozent) und nur 25.000 Rumänen (24 Prozent). Dass die Rumänen nun also den Deutschen, die die Stadt nicht nur neu geplant, gebaut und über Jahrhunderte mehrheitlich besiedelt haben, erklären, dass es nicht deren Stadt sei, ist nichts als ein geschichtsfälschender Skandal.

Schweigen von bundesdeutscher und österreichischer Regierung

Aus der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, zu dem das Gebiet jahrhundertelang gehörte, schweigt man indes zu dem Vorfall. Nach der Wende haben fast alle Banater Schwaben Rumänien Richtung Bundesrepublik verlassen. Heute leben immerhin noch rund 14.000 Schwaben im Banat, zumeist ältere Menschen. Es ist eine Schande jedem Einzelnen gegenüber, dass sich das österreichische oder bundesdeutsche Außenministerium nicht eingeschaltet hat. Man stelle sich nur den internationalen Aufschrei vor, wenn eine deutsche Stadt einen rumänischen Bürgermeister wählte und 50 nationale Aktivisten das Rathaus stürmten und entsprechende Parolen riefen.

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